Eine Schifffahrt, die ist lustig… Auf dem einstigen Luxusdampfer ...
... RMS Queen Mary wirkt ein grausames Verbrechen aus den 1930er Jahren bis in die Gegenwart hinein.
Lebendige Historie
Nur wenige Genres sind so stark an bestimmte Handlungsorte gebunden wie das des Horrorfilms. Ein in die Jahre gekommenes Schloss, eine leerstehende Psychiatrie, eine Hütte im Wald. Wer kennt sie nicht? Die ikonische Settings, an denen so viele gruselige Geschichten vonstattengehen. Als Schauplätze unheimlicher Ereignisse immer wieder gerne genommen sind auch Schiffe aller Art.
Im Sommer 2023 brachte etwa André Øvredal in „Die letzte Fahrt der Demeter“ einen kleinen Auszug aus Bram Stokers weltberühmtem Schauerroman „Dracula“ als maritimes Kammerspiel auf die Leinwand. Einen Eintrag in die Liste verdient sich auch der Horrorthriller „The Queen Mary“, der den real existierenden Dampfer aus dem Titel und dessen legendenumrankte Historie für einen blutigen Tanz zwischen Vergangenheit und Gegenwart nutzt.
Alles beginnt im Jahr 1938. Zu einer Zeit, da die Queen Mary das schnellste Passagierschiff auf der Transatlantikroute bleiben möchte. Am Halloweenabend kommt es an Bord jedoch zu einem – fiktiven – Blutbad, in das David Ratch (Wil Coban), seine Ehefrau Gwen (Nell Hudson) und ihre Tochter Jackie (Florrie May Wilkinson) verwickelt sind. Ein Massaker, das wie ein Fluch auf dem imposanten Kreuzer lastet.
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Im Hier und Jetzt ist der Ozeanriese längst aus dem Verkehr gezogen, liegt im kalifornischen Long Beach vor Anker und dient als eine Art Themenpark für Touristen. Zusammen mit ihrem Ex Patrick (Joel Fry) möchte die PR-erfahrene Anne Calder (Alice Eve) ein Buch über den ausrangierten Dampfer verfassen und plant attraktive Virtual-Reality-Touren, die das nachlassende Interesse der Öffentlichkeit neu entfachen sollen. Als Annes von Schauererzählungen angefixter Sohn Lukas (Lenny Rush) von einer der bislang angebotenen Gruselführungen auf der Queen Mary völlig verstört zurückkehrt, zeichnet sich ab, dass der Schrecken von 1938 noch lange nicht vorüber ist.
Fahrige Zeitsprünge
Regisseur Gary Shore („Dracula Untold“), der mit Stephen Oliver auch das Drehbuch schrieb, eröffnet seinen Schiffsschocker mit einer geisterhaft umherschwebenden Kamera und szenischen Fetzen, die einen Vorgeschmack auf das Blutvergießen an Bord der Queen Mary geben. Vergangenheit und Gegenwart sind vom Start weg optisch klar voneinander getrennt. Während die hübsch ausgestatteten Passagen aus dem Jahr 1938 etwas „wärmer“ aussehen, ist die Farbgebung bei Anne, Lukas und Patrick kühler. Das Schicksal zweier Familien zu unterschiedlichen Zeitpunkten miteinander zu verbinden, ist für einen Horrorstreifen keine schlechte Basis. Die vielversprechende Idee krankt aber leider schon an halbherzig ausgearbeiteten Figuren, die nur selten zum bedingungslosen Mitfiebern animieren.
Was den Unterhaltungswert ebenfalls schmälert: Nie findet der Film einen flüssigen Rhythmus für seine Sprünge von einer Zeitebene zur anderen. Immer wieder kommt es zu Holprigkeiten. Und allzu oft werden klassische Genrestilmittel auf plakative Weise eingesetzt. Sicher, hier und da, bevorzugt im 1938-Strang, finden Shore und seine Mitstreiter stimmungsvolle Bilder und platzieren einige halbwegs gelungene Schockeffekte. Vieles wirkt allerdings beliebig – wie bei einer Geisterbahnfahrt auf dem Rummelplatz. Dass eine längere Tanzsequenz mit Hollywood-Star Fred Astaire (Wesley Alfvin) und Jackie zum Aufregendsten gehört, was „The Queen Mary“ zu bieten hat, spricht eigentlich schon Bände.
Mit Wendungen und neuen Enthüllungen wollen die Macher zum Ende hin das Publikum an die Leinwand fesseln. Leider gerät das Geschehen jedoch derart chaotisch, dass auch das Restinteresse über Bord geht. Irgendwo tief in „The Queen Mary“ liegen erschütternde Familiendramen und ein spannendes Zusammenspiel der zeitlich getrennten Handlungsteile begraben. Gary Shore vermag sie im fertigen Film aber nicht ans Tageslicht zu holen.
Fazit
Eine ansehnliche historische Ausstattung, etwas Atmosphäre und ein paar funktionierende Schocks reichen nicht aus, um eine oft plakative Gruselinszenierung und eine ernüchternd konfuse Dramaturgie zu kaschieren.
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