Sting - Kinostart: 20.06.2024

Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Eine aus dem All kommende Spinne, die rasch gigantisch anwächst, räumt in ...
 
... einem New Yorker Wohnhaus auf. Klingt absurd? Ist es auch, Zum Glück verkommt „Sting“ aber nicht zu einem lustlos heruntergespulten Horrorspaß.
 
Alles Gute kommt von oben?
 
Wer in Australien geboren wird, ist an riesige Spinnen gewöhnt – und hat daher keine Angst vor ihnen. Könnte man meinen. Die Realität stellt sich allerdings etwas anders dar. Filmemacher Kiah Roache-Turner, in Down Under zur Welt gekommen, offenbarte in einer Videobotschaft vor dem Screening seines Krabbeltiergruslers „Sting“ bei den Fantasy Filmfest Nights 2024, dass er selbst große Abscheu gegen die achtbeinigen Viecher hege.
 
Hoffentlich, so der Regisseur und Drehbuchautor weiter, könne er den Zuschauern mit seinem Werk den ein oder anderen Schauer über den Rücken jagen. Klappen dürfte das bei all jenen, die panische Furcht vor Spinnen haben. Kinogänger ohne eine derartige Phobie, vor allem dann, wenn sie Genrekenner sind, werden aber sicher nicht in eine Schockstarre verfallen. Dafür sorgt schon der augenzwinkernde Ansatz, den Roache-Turner für seine krude Geschichte wählt.
 
Schauplatz des Films ist ein New Yorker Apartmenthaus, das in bester Horrortradition inszeniert ist: Der Zahn der Zeit nagt bedenklich an der Bausubstanz. Aus vielen Ritzen tropft es. Und Lichtschalter scheinen nur an ausgewählten Orten verbaut zu sein. Das Gemäuer macht einen ranzigen Eindruck, erzeugt, da wir es fast nie verlassen (was freilich auch einem überschaubaren Budget geschuldet ist), immer mal wieder ein klaustrophobisches Gefühl. Neugierig erforscht die oft geisterhaft schwebende, manchmal aus einer leichten Untersicht aufnehmende Kamera den Komplex und wirft regelmäßig Blicke in die Wohnungen der dort lebenden Menschen.
 
Einer von ihnen ist die 12-jährige Charlotte (Alyla Browne), die sich für Comics begeistern kann und eines Tages ein vom Himmel kommendes Ei entdeckt, dem eine kleine Spinne entschlüpft. Während ihre Mutter Heather (Penelope Mitchell) und ihr Stiefvater Ethan (Ryan Corr) entweder mit Charlottes kleinem Brüderchen oder aber mit beruflichen Herausforderungen ringen, nimmt sich das Mädchen des Krabbelwesens an und staunt nicht schlecht, wie schnell es wächst. Das Staunen weicht irgendwann jedoch einem Entsetzen. Denn Sting, so tauft Charlotte ihr neues Haustier, meuchelt sich, stetig größer werdend, durch die Etagen des Hauses.
 
Tolle Jungdarstellerin
 
Fangen wir mit ein paar kritischen Worten an: Kiah Roache-Turners Film erzählt ein simple Wir-bekämpfen-das-Monster-Story und ist in weiten Teilen vorhersehbar. Die Nebenfiguren bleiben eindimensionale Erfüllungsgehilfen, entwickeln kein Eigenleben, dienen vor allem als Kanonenfutter. Auf einige platte Witze – etwa den Running Gag um die Vergesslichkeit von Charlottes mutmaßlich demenzkranker Oma Helga (Noni Hazelhurst) – hätte man zudem problemlos verzichten können. Das alles klingt jetzt furchtbar negativ. Tatsächlich versprüht „Sting“ aber genug Charme und Leidenschaft, um Langeweile zu ersticken.
 
 
Roache-Turner brennt, das ist zu spüren, für Horror-B-Movies, umarmt die Abstrusitäten seines Drehbuchs und bemüht sich, was im Genre oft vergessen wird, seinen Hauptcharakteren zumindest ein wenig Fleisch auf die Rippen zu packen. Im Zentrum stehen die leicht nerdige Charlotte, ein Kind mit Ecken und Kanten, und ihr Stiefvater, zu dem sie noch kein inniges Verhältnis aufbauen konnte.
 
Dass Szenen mit schmerzhaften Enthüllungen und Erkenntnissen für ein Gruselstück dieser Art erstaunlich gut funktionieren, liegt auch an Alyla Browne, die in „Furiosa: A Mad Max Saga“ die junge Version der Titelheldin verkörpert. In einigen ruhigen Momenten verleiht sie „Sting“ eine emotionale Tiefe, die vielen Horrorfilmen komplett abgeht. Dabei lässt sich doch so viel besser mitfiebern und -leiden, wenn es um etwas geht, wenn die Protagonisten keine Pappkameraden sind.
 
Fazit
 
Inhaltlich innovationsarm, oft durchschaubar, fast nie richtig unheimlich, aber mit so viel Leidenschaft gestaltet, dass es schon wieder Spaß macht. Im Bereich des Tierhorrors haben wir in den letzten Jahren viele qualitativ schlechtere Arbeiten gesehen.
 
 
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Cocaine Bear - Kinostart: 13.04.2023
Cocaine Bear - Kinostart: 13.04.2023 Der Kern von Elizabeth Banks‘ Film COCAINE BEAR ist wahr ...   ... aber auch nur der. Nämlich, dass ein Mann namens Andrew Thornton mit kiloweise Kokain aus einem Flugzeug sprang. Sein Fallschirm öffnete sich nicht. Weiteres Kokain hatte er zuvor aus dem Flugzeug geworfe...
28 Years Later: The Bone Temple - Kinostart: 15.01...
28 Years Later: The Bone Temple - Kinostart: 15.01... Letztes Jahr kam nach 18 Jahren der dritte Teil der „28 Zeiträume später“-Reihe ins Kino.   Mit Teil Vier, der eigentlich mehr Teil 2 des dritten Teils ist, hat man sich nun kaum mehr als ein halbes Jahr Zeit gelassen …   Girls on Film (SPOILERS)   Ein paar...
Renfield - Kinostart: 25.05.2023
Renfield - Kinostart: 25.05.2023 Nicolas Cage als lustvoll über die Stränge schlagender Graf Dracula ist  ..   nicht der einzige Clou der Splatter-Komödie „Renfield“, die dennoch zu wenig aus ihren originellen Ideen macht.   Herrlich verrückte Grundkonstellation   Groß waren die Pläne...
Whistle - Kinostart: 07.05.2026
Whistle - Kinostart: 07.05.2026 Der Horrorfilm WHISTLE greift ein faszinierendes, wenn auch nur lose genutztes Element ...   ... aus der Kultur der Maya auf: eine sogenannte Todespfeife in Form eines Totenschädels. Dieses ungewöhnliche Artefakt erzeugt beim Hineinblasen einen durchdringenden, ersc...

Weitere Informationen

  • Autor:in: Christopher Diekhaus
  • Regie: Kiah Roache-Turner
  • Drehbuch: Kiah Roache-Turner
  • Besetzung: Ryan Corr, Alyla Browne