Eine aus dem All kommende Spinne, die rasch gigantisch anwächst, räumt in ...
... einem New Yorker Wohnhaus auf. Klingt absurd? Ist es auch, Zum Glück verkommt „Sting“ aber nicht zu einem lustlos heruntergespulten Horrorspaß.
Alles Gute kommt von oben?
Wer in Australien geboren wird, ist an riesige Spinnen gewöhnt – und hat daher keine Angst vor ihnen. Könnte man meinen. Die Realität stellt sich allerdings etwas anders dar. Filmemacher Kiah Roache-Turner, in Down Under zur Welt gekommen, offenbarte in einer Videobotschaft vor dem Screening seines Krabbeltiergruslers „Sting“ bei den Fantasy Filmfest Nights 2024, dass er selbst große Abscheu gegen die achtbeinigen Viecher hege.
Hoffentlich, so der Regisseur und Drehbuchautor weiter, könne er den Zuschauern mit seinem Werk den ein oder anderen Schauer über den Rücken jagen. Klappen dürfte das bei all jenen, die panische Furcht vor Spinnen haben. Kinogänger ohne eine derartige Phobie, vor allem dann, wenn sie Genrekenner sind, werden aber sicher nicht in eine Schockstarre verfallen. Dafür sorgt schon der augenzwinkernde Ansatz, den Roache-Turner für seine krude Geschichte wählt.
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Schauplatz des Films ist ein New Yorker Apartmenthaus, das in bester Horrortradition inszeniert ist: Der Zahn der Zeit nagt bedenklich an der Bausubstanz. Aus vielen Ritzen tropft es. Und Lichtschalter scheinen nur an ausgewählten Orten verbaut zu sein. Das Gemäuer macht einen ranzigen Eindruck, erzeugt, da wir es fast nie verlassen (was freilich auch einem überschaubaren Budget geschuldet ist), immer mal wieder ein klaustrophobisches Gefühl. Neugierig erforscht die oft geisterhaft schwebende, manchmal aus einer leichten Untersicht aufnehmende Kamera den Komplex und wirft regelmäßig Blicke in die Wohnungen der dort lebenden Menschen.
Einer von ihnen ist die 12-jährige Charlotte (Alyla Browne), die sich für Comics begeistern kann und eines Tages ein vom Himmel kommendes Ei entdeckt, dem eine kleine Spinne entschlüpft. Während ihre Mutter Heather (Penelope Mitchell) und ihr Stiefvater Ethan (Ryan Corr) entweder mit Charlottes kleinem Brüderchen oder aber mit beruflichen Herausforderungen ringen, nimmt sich das Mädchen des Krabbelwesens an und staunt nicht schlecht, wie schnell es wächst. Das Staunen weicht irgendwann jedoch einem Entsetzen. Denn Sting, so tauft Charlotte ihr neues Haustier, meuchelt sich, stetig größer werdend, durch die Etagen des Hauses.
Tolle Jungdarstellerin
Fangen wir mit ein paar kritischen Worten an: Kiah Roache-Turners Film erzählt ein simple Wir-bekämpfen-das-Monster-Story und ist in weiten Teilen vorhersehbar. Die Nebenfiguren bleiben eindimensionale Erfüllungsgehilfen, entwickeln kein Eigenleben, dienen vor allem als Kanonenfutter. Auf einige platte Witze – etwa den Running Gag um die Vergesslichkeit von Charlottes mutmaßlich demenzkranker Oma Helga (Noni Hazelhurst) – hätte man zudem problemlos verzichten können. Das alles klingt jetzt furchtbar negativ. Tatsächlich versprüht „Sting“ aber genug Charme und Leidenschaft, um Langeweile zu ersticken.
Roache-Turner brennt, das ist zu spüren, für Horror-B-Movies, umarmt die Abstrusitäten seines Drehbuchs und bemüht sich, was im Genre oft vergessen wird, seinen Hauptcharakteren zumindest ein wenig Fleisch auf die Rippen zu packen. Im Zentrum stehen die leicht nerdige Charlotte, ein Kind mit Ecken und Kanten, und ihr Stiefvater, zu dem sie noch kein inniges Verhältnis aufbauen konnte.
Dass Szenen mit schmerzhaften Enthüllungen und Erkenntnissen für ein Gruselstück dieser Art erstaunlich gut funktionieren, liegt auch an Alyla Browne, die in „Furiosa: A Mad Max Saga“ die junge Version der Titelheldin verkörpert. In einigen ruhigen Momenten verleiht sie „Sting“ eine emotionale Tiefe, die vielen Horrorfilmen komplett abgeht. Dabei lässt sich doch so viel besser mitfiebern und -leiden, wenn es um etwas geht, wenn die Protagonisten keine Pappkameraden sind.
Fazit
Inhaltlich innovationsarm, oft durchschaubar, fast nie richtig unheimlich, aber mit so viel Leidenschaft gestaltet, dass es schon wieder Spaß macht. Im Bereich des Tierhorrors haben wir in den letzten Jahren viele qualitativ schlechtere Arbeiten gesehen.
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