Vaiana (Live-Action) - Kinostart: 09.07.2026

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Das jährliche Live-Action-Remake eines Disney-Erfolgsfilms setzt die Segel!
 
In the beginning, there was only ocean …
 
Tja, … nun, … ein weiteres Live-Action-Remake eines Disney-Erfolgsfilms, … was soll man dazu noch groß schreiben? Eine Zusammenfassung der Handlung kann man sich sparen. Vielleicht betonen, dass es sich nicht wirklich um ein Live-Action-Remake eines Disney-Klassikers handelt, weil das animierte Original vor gerade mal zehn Jahren im Kino gelaufen ist? Und sonst, …pfh, … mir fällt wirklich nichts ein. Ich könnte diesen Film wieder mal mit einem Auto vergleichen. Das habe ich zwar schon ein paarmal gemacht. Und das letzte Mal ist noch gar nicht so lange her. Und immerhin hat Disney auch schon ein paarmal Live-Action-Remakes herausgebracht. Und das letzte Mal ist noch gar nicht so lange her. Also …
 
Lange Zeit haben Fahrzeughersteller wie Volkswagen oder BMW überhaupt keine SUVs gebaut. Jetzt bauen sie kaum etwas anderes. Von den aktuell zehn regulären PKW-Modellen, die Volkswagen anbietet, sind sechs SUVs. Und obwohl ich mich mein Leben lang für Autos interessiert habe und erklären kann, worin der Puch 500 seiner italienischen Vorlage, dem Fiat Nuova 500 überlegen war oder woran man E-Types mit Reihensechszylinder von solchen mit V-12-Motor unterscheiden kann und warum die Sechszylinder die bessere Wahl sind, kann ich beim besten Willen nicht erkennen, worin sich Taigo, T-Cross und T-Roc unterscheiden und wozu man irgendeines dieser Fahrzeuge brauchen könnte.
 
Wenn man etwas zu transportieren hat, nimmt man einen Kombi. Wenn man viel zu transportieren hat, nimmt man einen Van. Wenn man ins Gelände muss, nimmt man einen Geländewagen, aber bitte besser keinen vorderradgetriebenen SUV mit Straßenbereifung. Aber VW baut und verkauft all diese Fahrzeuge, weil die Bauteile dafür ohnehin im Regal liegen. Also kann man auch ein T-Roc Cabriolet kaufen, ein Auto bei dem ich einfach nicht entscheiden kann, was übler ist: seine tränentreibende Hässlichkeit oder die Tatsache, dass es in jedem denkbaren automobilen Anforderungsfall das unbrauchbarste Fahrzeug überhaupt ist.
 
Wie gesagt, VW hat die Bauteile dafür und noch viele weitere austauschbare Fahrzeugmodelle ohnehin im Regal liegen. Also wird Volkswagen demnächst den T-Tralala rausbringen, einen vorderradgetriebenen SUV, den wieder niemand, außen einem VW-Ingenieur von all den anderen vorderradgetriebenen SUVs dieses Herstellers unterscheiden kann. Und auch Disney hat alle Bauteile für ihre immer größere Anzahl von Live-Action-Remakes, die in immer kürzeren Abständen produziert werden. So wie sich sicher Leute finden, die eine Anzahlung für den neuen VW T-Tralala leisten, so werden sich auch genug Leute finden, die sich mit ihren Kindern das Live-Action-Remake von „Vaiana“ im Kino ansehen.
 
Und so wie der neue VW T-Tralala das bewährte Fahrwerk des VW Golf haben wird und auch sonst nur minimale Unterschiede zu den anderen vergleichbaren Modellen aus Wolfsburg zu erkennen sein werden, so hat man bei Disney die bewährte und gerade mal zehn Jahre alte Geschichte praktisch unverändert übernommen. Kenner werden eines der Lieder im Film vielleicht als neu erkennen, obwohl es sich ganz wunderbar in den bekannten Soundtrack einfügt. Man könnte auch sagen, das neue Lied hebt sich von den anderen, bereits bekannten Liedern nicht wirklich ab.
 
What can I say, except “you’re welcome”?
 
Vielleicht hat man sich bei Disney die Unzufriedenheit über die vielen inhaltlichen und stilistischen Unterschiede zwischen dem Original und dem Live-Action-Remake von „Schneewittchen“ zu Herzen genommen. Vielleicht wollte man einfach kein Risiko eingehen. Vielleicht hatte man aber auch einfach alles da und einfach mit dem gearbeitet, was sich erst vor zehn Jahren bewährt hat. Jedenfalls ist „Vaiana” sicher Disneys Live-Action-Remake mit den geringsten Unterschieden zum Original. Die Version von 2026 ist praktisch der gleiche Film wie der von 2016, bloß eben in „real“.
 
Obwohl man bei Disney die Begriffe „real“ und „Live-Action“ nicht erst seit der Neuverfilmung von „Der König der Löwen“ im allerweitesten Sinne des Wortes zu verwenden weiß. Nicht nur Vaianas Schweinchen und Hühnchen sind im Computer animiert worden. Die Schiffe, die Wellen auf denen die Schiffe dahingleiten, die Hintergründe vor denen die Schiffe über die Wellen gleiten, die Inseln vor eben diesen Hintergründen, die Waale und Delfine im Wasser, das Wasser selbst, … naja, mehr oder weniger fast alles, was wir rund um die menschlichen Darsteller*innen auf der Leinwand zu sehen bekommen, kann man nur bei großzügiger Auslegung der Begriffe als „real“ oder „Live-Action“ bezeichnen. Das meiste ist eben doch auf die eine oder andere Art und Weise der Rechenleistung ganz vieler ganz toller Computer entsprungen.
 
Und eben weil die neue Version so wenig Unterschiede zum zehn Jahre alten Original aufweist, fällt hier ganz besonders deutlich auf, wie unergiebig das ganze Projekt ausgefallen ist. Ich habe in diesem neuen Film nicht eine Szene, nicht eine Einstellung gesehen, die ihrem animierten Gegenstück von 2016 irgendwie überlegen wäre. Ja, klar, einiges sieht etwas anderes aus als vor zehn Jahren. Aber eben nicht besser.
 
In der Hinsicht hilft es auch wenig, wenn mit Dwayne Johnson auch noch der gleiche Hauptdarsteller besetzt wurde. Johnson hat vor zehn Jahren einer leicht veränderten Version seiner öffentlichen Persona seine Stimme geliehen. Und jetzt leiht er ihr eben Stimme, Gesicht und Körper. Das macht er sehr gut, wie Dwayne Johnson alles was er macht immer sehr gut macht. Ob der „reale“ Dwayne Johnson seiner animierten Version irgendetwas voraus hat, darf jeder selbst entscheiden. Vor allem, wenn der „reale“ Dwayne Johnson doch immer schon aussah, als wäre er computergeneriert.
 
Eine noch recht unbekannte junge Dame namens Catherine Laga'aia spielt die mutige, entschlossene und sympathische Titelheldin wenig überraschend mutig, entschlossen und sympathisch. Eine überschaubare Anzahl von realen Nebendarsteller*innen macht auch einen guten Job. Aber den besten Job machen dann doch die vielen namenlosen tollen Künstler*innen an den vielen tollen Computern. So weit, so wenig überraschend.
 
 
Fazit
 
Das jährliche Live-Action-Remake eines Disney-Erfolgsfilms hat viel mit der immer größer werdenden Anzahl an SUVs bekannter Autohersteller gemeinsam: vorhandene Bauteile werden zu etwas kombiniert, das bewährte Qualität bietet, aber kaum noch von anderen Produkten der gleichen Hersteller zu unterscheiden ist. So macht man Umsatz. Aber Emotionen weckt man auf die Art nicht.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Thomas Kail
  • Drehbuch: Jared Bush
  • Besetzung: Dwayne Johnson, Rena Owen