Der fünfte Teil bildet doch immer den Höhepunkt jeder Filmserie, oder?
Unsere Zeit ist noch nicht gekommen
Die kleine Bonnie hat Mühe, Spielkameraden zu finden, daher kaufen ihr die Eltern eine Art Tablett-PC für Kinder, aber moderne Technik ist irgendwie gar nicht gut, deshalb müssen die Spielsachen, die diesmal von Cowgirl Jessie angeführt werden, wieder zur Rettung eilen und aus irgendeinem Grund ist auch Cowboy Woody wieder mit dabei, obwohl das weder Sinn ergibt noch nötig wäre und jede Menge Buzz Lightyear-Figuren tauchen auf und am Ende ist moderne Technik vielleicht nicht nur schlecht oder was weiß denn ich, denn die Handlung vom Teil 5 der „Toy Story“ ist ein weitgehend witzloses Durcheinander, wie es eben entsteht, wenn Autoren den fünften Teil einer Filmserie drehen müssen, die bereits mit Teil Drei einen wunderbaren, homogenen Abschluss gefunden hat.
Blitz-Rate-Runde: Jeder nennt schnell einen fünften Teil einer Filmserie, der wirklich gelungen ist. Los geht’s! Ich warte … Ich warte immer noch …Na, kommt da noch was …? Das kann doch nicht so schwer sein, … ich helfe Euch. „Rocky V“ war doch wirklich, … ähm, irgendwie der Film mit dem Stallones Abstieg begonnen hat? Bald danach kam, „Stop! Oder meine Mami schießt!“. Schnell ein anderes Beispiel. Nein, nicht „Rambo: Last Blood“. Die Enttäuschung über diesen Film habe ich sogar hier auf cinepreview.de zusammengefasst. „Alien“! „Alien“ ist eine tolle Filmreihe! Und Teil fünf war, … kurz nachzählen, … ähm, „Prometheus“ mit seinen strohdummen Charakteren, seiner furchtbaren Filmmusik und seinem eklatanten Mangel an Aliens.
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https://cinepreview.de/index.php/item/1303-toy-story-5-kinostart-23-07-2026#sigProId4f01ff1c83
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Es muss doch eine gelungen fünften Teil einer Filmserie geben. „Terminator: Genisys” mit Emilia Clarke als Sarah Connor ist doch, … okay, auch ein dummes Beispiel. „Man lebt nur zweimal“ war nicht schlecht. Nicht so gut wie „Goldfinger“, … oder „Dr. No“ oder „Liebesgrüße aus Moskau“, … aber „Man lebt nur zweimal“ war sicher nur der zweitschlechteste der Bond-Filme mit Sean Connery. Und „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“ bietet vieles von dem was die ersten 4 Filme geboten haben und dann noch Javier Bardem und … ach was, … fünfte Teile taugen nichts. Sie sind entweder verzweifelte Versuche an frühere Erfolge anzuknüpfen („Rocky V“, „Rambo: Last Blood“) oder verdeutlichen, wie wenig neue Ideen die Macher haben („Prometheus“) oder beides („Terminator: Genisys”). Im besten Fall pflegen sie einfach die Erfolgsformel weiter („Man lebt nur zweimal“, „Pirates of the Caribbean: Salazars Rache“).
Und so leid es mir tut, auf „Toy Story 5“ trifft das alles zu. Pixars letzter wirklich gelungener Film war „Alles steht Kopf 2“ und das war bereits eine Fortsetzung. Das Kino steckt weltweit in der Krise, die Konzernmutter Disney braucht aber Content für ihren Streaming Dienst, der seit Jahren rückläufige Abo-Zahlen hat. Da versucht man eben an frühere Erfolge anzuknüpfen. Und was liegt näher als einen weiteren Beitrag zu einer Serie, deren erster Teil ein ganzes Genre revolutioniert hat.
Dumm nur, dass man diese Serie mit Teil Drei bereits vor anderthalb Jahrzehnten ganz wunderbar abgeschlossen hat und mit Teil Vier noch eine der beiden Hauptfiguren auf sinnvolle, stimmige Art und Weise verabschiedet hat. Aber das ist alles egal, denn die Verzweiflung ist groß. Leider ist Verzweiflung keine gute Grundlage für Kreativität. Und das merkt man. Was man nicht merkt, ist dass Co-Autor und Co-Regisseur Andrew Stanton bereits an den Drehbüchern zu den Pixar-Meisterwerken „Monster AG“ „WALL·E“ und sämtlichen „Toy Story“-Filmen einschließlich Teil Eins mitgearbeitet und bei „Findet Nemo“ und „WALL·E“ sogar die Regie übernommen hatte. Denn weder Drehbuch noch Regie von „Toy Story 5“ bieten irgendetwas Besonderes.
Klar, die Story um ein Mädchen, das Mühe hat Freunde zu finden ist ganz nett. Aber die Kritik an der modernen Technikverliebtheit fällt einerseits ein bisschen plump und anderseits sehr inkonsequent aus, wenn es am Ende eben die moderne Telekommunikation und neue verbesserte Versionen eines bekannten Spielzeugs sind, die zum Happy End führen. Wenn Cowboy Woody nur für ein paar launige Gags über die kahle Stelle auf seinem Hinterkopf wieder auftauchen muss, ist die allgemeine Verzweiflung der Macher dieses Films nicht mehr zu ignorieren.
Und auch die Regie bietet nichts, was diesen Film irgendwie besonders machen würde. Keine beeindruckenden Bilder, wie die vermüllte Erde in „WALL·E“ , Rileys Seelenleben in „Alles steht Kopf“ oder das bunte Treiben im Jenseits in „Coco“. Wir sehen nicht einmal wirklich schöne Bilder, wie die Lichter im Laden oder am Rummelplatz in „Toy Story 4“. Der Film hat auch kaum wirklich bewegende Szenen zu bieten, wie Buzz‘ Einsicht, dass er gar nicht fliegen kann und sein „falling with style“ in Teil Eins, den stummen Trost, den die Spielzeuge einander in ihrer dunkelsten Stunde in Teil Drei spenden oder Woodys widerstrebenden Abschied in Teil Vier. Hier merkt das Publikum deutlich, was die Macher des Films ignoriert haben: die guten Ideen haben nicht für fünf Filme gereicht.
Das ist nur eine Phase
Natürlich funktioniert die Erfolgsformel immer noch halbwegs und wird von den Machern auch weiter gepflegt. Wie bei Pixar-Fortsetzungen üblich, wird eine andere Figur als im Vorgänger zur Hauptfigur gemacht. In diesem Fall ist das Jessie das Cowgirl. Aber auch hier zeigen sich die Schwächen des Drehbuchs. Jessie ist in diesem Film nicht mehr ganz so sympathisch und nicht mal halb so witzig wie in ihren vorangegangenen drei Filmen. Buzz ist unentschlossen und bekommt Verstärkung. Das war’s dann aber auch. Die anderen bereits bekannten Spielzeuge sind zwar zu sehen, tragen aber nur wenig zum Film bei. Forky, die überaus interessante neue Figur aus Teil Vier ist nur noch für einen oder zwei passable Gags über seine Braut gut. Rex, der ängstliche Dinosaurier, Slinky der Dackel und die anderen Freunde bekommen im Gewusel dieser wenig originellen, unentschlossenen Handlung leider praktisch nichts zu tun.
Es gibt neue Freunde, drei obsolete elektronische Spielzeuge. Aber auch die sind nur für ein paar launige Gags gut und um die plumpe Botschaft von der Kurzlebigkeit moderner technischer Geräte für Kinder zu vermitteln. In Pixar-Filmen wurden jahrelang originelle, komplexe Konzepte so vermittelt, dass die ganze Familie sie nachvollziehen konnte. Hier wird uns vermittelt, dass das Internet und moderne Technik irgendwie nicht gut für Kinder sind, außer wenn man sie eben doch gut brauchen kann.
Der ganze Film ist leider so unergiebig, mir mag gar nichts mehr einfallen, worüber ich noch berichten könnte. Im englischen Original gesellen sich unter anderem Conan O’Brien und Bad Bunny zu den Stammsprechern rund um Tim Allen, Tom Hanks und Joan Cusack. In der deutschen Fassung hört man die üblichen Profis (gibt es eigentlich einen Kinderfilm, in dem Rick Kavanians Stimme NICHT zu hören ist?). Leider gehen auf der deutschen Tonspur einige Gags verloren, etwa wenn Plastikgabel Forky und seine Braut, das Plastikmesser zu „Husband and Knife“ erklärt werden. Geneigte Leser*innen mögen der Meinung sein, der Verlust dieser Pointe mag zu verschmerzen sein. Leider war das eindeutig einer der besseren der wenigen Gags dieses Films.
Fazit
Niemand hat tatsächlich auf Teil Fünf der Toy Story gewartet. Niemand braucht diesen Film wirklich. Außer natürlich Pixar und seine Konzernmutter Disney, die immer neuen „Content“ für ihren Streaming-Dienst braucht. Und so ist der fünfte Beitrag zur Serie weder eine gelungene Fortsetzung noch überhaupt ein richtiger Film, sondern einfach nur wieder „Content“.
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