deensvtr

Matti & Sami - Kinostart: 19.04.2018

Artikel bewerten
(45 Stimmen)
Neben all den kindlichen Hexen auf Reiterhöfen, verbrechenaufklärenden ...
 
... Freundeskreisen und Gangs von Fußballern haben wir hier etwas sehr Seltenes: einen Kinderfilm, der in der Realität spielt.
 
Lügen wachsen wie Bambus
 
Matti ist erst zehn Jahre alt. Aber längst hat er die Unvollkommenheit des Universums erkannt. Die drei größten Fehler des Universums sind: Mattis Vater arbeitet als Busfahrer statt als Entwickler von Computerspielen. Daher ist er nie gut drauf und verbringt kaum Zeit mit Matti und seinem kleinen Bruder Sami. Mattis Mutter ist ständig gestresst, weil ihr Arbeit und Familie einfach zu viel sind. Und auch wenn sie versucht, es vor den Kindern zu verbergen, ist die arme Frau ständig überfordert und am Ende ihrer Kraft.
 
Und dann war Matti auch noch nie in Finnland, der Heimat seines Vaters. Als er auch noch erkennen muss, wie oft seine Eltern und alle anderen Erwachsenen lügen ohne sich etwas dabei zu denken, beschließt er, dem Universum auf die Sprünge zu helfen. Also fängt Matti ebenfalls an, die Wahrheit zu strapazieren. Leider ist das mit dem Lügen so eine Sache. Hat man nämlich erst mal damit angefangen und fangen andere an, diese Lügen zu glauben, kann man so schnell nicht mehr damit aufhören. Und irgendwann haben die Eltern ihre Jobs gekündigt, die Kinder aus der Schule genommen und die ganze Familie sitzt ohne Auto, Geld und Zuhause irgendwo am Ufer eines finnischen Sees und alles ist schlimmer als zuvor.
 
Regisseur Stefan Westerwelle zeigt uns die Welt des kleinen Matti tatsächlich aus der Sicht des Zehnjährigen. Wir sehen mit seinen Augen, hören mit seinen Ohren. Daher wirkt der Vater zunächst nur müde und teilnahmslos. Erst in einigen Jahren wird Matti Begriffe wie "Depression" kennenlernen. Und auch die Mutter ist zwar sehr liebenswert, wirkt aber oft unkonzentriert und reagiert dann übertrieben. Das Phänomen „burn out“ ist Matti ja auch noch unbekannt. Und während in anderen Filmen die Erwachsenen regelmäßig furchtbar doof sein müssen, um den kindlichen Helden nicht auf die Schliche zu kommen, verhält es sich hier anders. Mattis Eltern haben gute Gründe, Mattis Schwindeleien für bare Münze zu nehmen. Sie glauben an den Hauptgewinn, weil sie dringend daran glauben wollen.
 
Sie glauben an das neue Haus in Finnland, weil sie die Veränderung in ihrem Leben so dringend brauchen. Und so hält sich Matti, ohne es zu wissen, an die goldene Regel eines jeden Schwindlers; erzähle den Leuten was sie hören wollen. Aber nicht nur die psychologischen Mechanismen des Schwindelns funktionieren in diesem Film wie im realen Leben. Auch die Dynamik innerhalb der Familie entspricht dem wahren Leben. Weil die Eltern nicht richtig kommunizieren, kommt Matti mit immer schlimmeren Streichen durch. Der Vater kann sich gehen lassen, weil die Mutter sich in der Opferrolle gefällt. Der kleine Bruder hat Angst, wenn Mama und Papa streiten, weil ein anderes Kind aus seiner Kita auf diese Art ins Heim gekommen ist. Und Matti liebt seine Familie, will aber dass alle so funktionieren wie er es sich vorstellt. Selten hat ein Kinderfilm so tiefe Einsichten in die menschliche Natur gezeigt.
 
 
Kinder und Eltern
 
Mikke Rasch spielt den zehnjährigen Matti mit einer intelligenten Offenheit, die ihn von der ersten Szene an sympathisch macht. Wir erleben die Handlung aus seiner Sicht. Und so erleben wir auch jede Einsicht zusammen mit ihm. Wenn Matti endlich versteht, dass auch Eltern nur Menschen sind, erfahren wir das durch das Spiel des fantastischen jungen Schauspielers.
 
Nick Holaschke hat die Rolle des Sami übernommen, noch ehe er in die erste Klasse kam. Er spielt den kleinen Bruder nicht als süßen kleinen Racker. Nein, Sami ist meistens anstrengend, manchmal richtig lästig und fast immer dreckig, wie das kleine Kinder nun mal sind.
 
Die Schweizerin Sabine Timoteo kennt man hierzulande vielleicht aus „Ein Freund von mir“. Sie spielt die Mutter nicht als Werbeträgerin für Reinigungsmittel. Sie ist eine echte Frau mit Fehlern und Grenzen.
 
Der Finne Tommi Korpela spielt den Vater als Entwurzelten. In seiner Darstellung erkennen wir, ein Mensch muss sich zuerst als erwachsener Mensch wohl fühlen, ehe er seine Aufgabe als Elternteil erfüllen kann.
 
 
Fazit
 
Es gibt Filme, die sieht man sich mit seinen Kindern an, damit die Kinder etwas zu lachen haben. Bei „Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums“ haben Kinder ab 6 Jahren auch einiges zu lachen. Anschließend können die Eltern aber vielleicht auch ein oder zwei interessante Gespräche mit ihren Kindern führen.
 
 
mus sc gewinn banner
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Tad Stones 2
Tad Stones 2 Dies ist schon der zweite Teil mit den Abenteuern des Schatzsuchers und …   ... Archäologen Tad Stones. Der erste Teil „Tad Stones – Der verlorene Jäger des Schatzes“ hat es im Jahr 2012 nicht in die deutschen Kinos geschafft, auf...
Die Biene Maja - Die Honigspiele
Die Biene Maja - Die Honigspiele Nachdem 2013 eine neue Serie rund um die Abenteuer der Biene Maja ...   ... für das Fernsehen entstanden ist, hat man 2014 einen Kinofilm auf Grundlage dieser Serie produziert. Nun kommt die Forstsetzung in unsere Kinos.   „In einem unbekannten Land &he...
Die fantastische Reise des Dr. Dolittle - Kinostar...
Die fantastische Reise des Dr. Dolittle - Kinostar... Was haben „Der Nussknacker und die vier Reiche“, „Solo – A Star Wars Story“ ...   ... und die neue Verfilmung der Abenteuer des Arztes der mit Tieren sprechen kann gemeinsam?   Es ist in Ordnung Angst zu haben   Im vikto...
TKKG: Jede Legende hat ihren Anfang - Kinostart: 0...
TKKG: Jede Legende hat ihren Anfang - Kinostart: 0... Der neue Film über die vier jugendlichen Detektive macht vor allem deutlich, ...   ... wie wichtig es ist, auf Kinder gut aufzupassen …   Horch was kommt von draußen rein …   Tim wächst ohne Vater in einer Großstadt ...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Stefan Westerwelle
  • Drehbuch: Ingo Schünemann
  • Besetzung: Mikke Rasch, Nick Holaschke