EPiC: Elvis Presley in Concert - Kinostart: 26.02.2026

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Konzertfilme sind nichts Neues. Dokus über Musiker sind nichts Neues.
 
Fortsetzungen sind nichts Neues. Filmbiografien von Musikern sind nichts Neues. Aber eine Konzertfilm/Doku-Mischung als Fortsetzung einer Filmbiografie eines Musikers, das ist etwas Neues!
 
Wise men say, only fools rush in …
 
Wie darf man sich das Pitch-Meeting zum neuen Film von Baz Luhrmann vorstellen?
 
Studioboss: „Hallo Baz, wie geht es Ihnen? Ich wollte mit Ihnen über Ihr nächstes Projekt sprechen. „Elvis“ ist gut gestartet und da wollen wir natürlich bald mit der Fortsetzung beginnen ….“
 
Baz Luhmann: „Fortsetzung? Wir haben in unserem Film Elvis‘ ganze Lebensgeschichte erzählt. Von der Kindheit bis zum Tod. Da gibt es keine Fortsetzung. Da kann es keine Fortsetzung geben.“
 
Studioboss: „Was heißt hier, „kann keine Fortsetzung geben“? Hier MUSS es eine Fortsetzung geben. Sie haben den „Geldgieriges Studio-Standardvertrag“ unterschrieben. Und da steht nun mal unter Paragraf 1, Absatz 1, Römisch Eins: „Sobald absehbar ist, dass der Film möglicherweise halbwegs seine Kosten einspielen könnte, muss umgehend mit den Dreharbeiten für die Fortsetzung begonnen werden. Im Idealfall noch davor.“ Das haben Sie unterschrieben!“
 
BL: „Aber wir haben die ganze Geschichte erzählt! Mehr gibt es nicht zu erzählen.“
 
SB: „Lieber Freund, von solchen Nebensächlichkeiten lassen wir uns doch nicht abhalten. Dann drehen wir eben ein Prequel. Wie Elvis zum Star wurde …“
 
BL: „Das haben wir bereits gezeigt. Unser Film beginnt mit seiner Kindheit. Wenn wir weiter zurückgehen, müssten wir eines von Elvis‘ früheren Leben erzählen …“
 
SB: „Kein uninteressanter Gedanke. Elvis als Musiker am Hofe des Sonnenkönigs. Oder bei den Pharaonen, … Aber das klingt alles recht teuer. Lassen sie uns noch andere Möglichkeiten prüfen. Ein Spin-Off, zum Beispiel. Was ist mit der zweiten Hauptfigur? Tom Hanks im Fat-Suit. Sowas kommt an.“
 
BL: „Auch das haben wir bereits erzählt. Colonel Parker stirbt Jahrzehnte später einsam und allein. Damit beginnt und endet unser Film. Haben sie den Film überhaupt gesehen?“
 
SB: „Nein, wozu? Ich muss Geld verdienen. Ich habe keine Zeit, mir Filme anzusehen.“
 
BL: „Wir könnten Priscillas Geschichte erzählen. Das hat Sofia Coppola zwar schon ganz hervorragend gemacht. Aber das hat niemand zur Kenntnis genommen. Wir könnten also Priscilla Presleys schwierigen Lebensweg zeigen, wie sie unter der Bevormundung durch die Männer in ihrem Leben gelitten und sich später emanzipiert hat ….“
 
SB: „Na, sowas will doch niemand sehen. Dann doch lieber die Pharaonengeschichte. Außerdem müsste man dann eine weibliche Darstellerin als Hauptfigur besetzen und einen Film über eine interessante Frau drehen und dabei fühle ich mich einfach nicht wohl. Schauspielerinnen, … überhaupt Schauspieler, … ich weiß nicht, können wir das nicht irgendwie vermeiden?“
 
BL: „Wir könnten einen Konzertfilm produzieren. Oder eine Dokumentation über Elvis. Da wird die ganze Arbeit beim Recherchieren und im Schnitt erledigt, also von Leuten die einen lächerlichen Bruchteil dessen verdienen, was man Schauspielern zahlen muss. Zur Vorbereitung auf unseren Film habe ich jede Menge Archivmaterial gesichtet. Einiges davon bisher unveröffentlicht. Daraus lässt sich leicht ein Konzertfilm oder eine Duko zusammenschneiden.“
 
SB: „Hat es sowas schon mal gegeben? Und falls ja, wie lief das? Ich gebe grundsätzlich nur Projekte frei, die es so oder so ähnlich schon ein paarmal gegeben hat und die bereits Erfolg hatten.“
 
BL: „Konzertfilme mit Elvis gab es schon vor mehr als 50 Jahren.“
 
SB: „Vor mehr als 50 Jahren? Das klingt interessant.“
 
BL: „Ja und Dokus über Elvis gab es auch im Lauf der Jahrzehnte immer wieder.“
 
SB: „Sehr gut. Dann legen Sie mal los.“
 
BL: „Aber womit? Sollen wir nun einen Konzertfilm produzieren oder eine Dokumentation?“
 
SB: „Wir treffen hier nur ungern kreative Entscheidungen und sichern uns am liebsten nach allen Seiten ab. Können wir nicht einen Film produzieren, der irgendwie beides ist, sowohl Konzertfilm als auch Doku, aber nichts davon richtig, sodass wir uns einfach nicht festlegen müssen?“
 
BL: „Das lässt sich sicher machen.“
 
SB: „Na wunderbar. Dann ist ja alles klar. Schampus?“
 
So oder so ähnlich muss wohl das Meeting abgelaufen sein, dass uns „EPiC: Elvis Presley in Concert“ beschert hat. Und jetzt läuft in unseren Kinos also die weltweit erste Konzertfilm/Doku-Mischung, die man schnell der erfolgreichen Filmbiografie eines Musikers nachgeschoben hat, damit das Studio noch ein paar Millionen mehr aus dem Erfolg des Vorgängerfilms herauspressen kann.
 
We’re caught in a trap …
 
“EPiC: Elvis Presley in Concert” bietet dem Studio eine weitere Möglichkeit Geld zu machen. Dem Publikum bietet der Film anderthalb Stunden gefällige Unterhaltung, ohne großen Mehrwert. Man sieht Elvis, man hört Elvis, dazwischen sieht man Bilder von Las Vegas in den Sechziger- und Siebzigerjahren, man sieht Sammy Davis jr. im Bild, dann Cary Grant, ohne dass irgendetwas davon irgendwie kommentiert oder eingeordnet werden würde. Niemand, der jemals den Wikipedia-Artikel zu Elvis Presley überflogen oder den letzten Film von Bazz Luhrmann gesehen hat, wird nach diesem Film schlauer sein als zuvor.
 
Aber wie so oft bei Baz Luhrmann ist alles wirklich sehr schön geraten. Ich möchte die vielen fleißigen kreativen Menschen, die diese Unmengen an Archivmaterial gesichtet, visuell und akustisch nachbearbeitet und dann montiert haben gerne mit der „TCB Band“ und den „Sweet Inspirations“ vergleichen. Die „Taking Care of Business“-Band, war die Gruppe von großartigen Musikern und die „Sweet Inspirations“ der Chor von Backgroundsängerinnen, die gemeinsam Elvis in der späten Phase seiner Karriere ab 1969 bis zu seinem Tod unter anderem auf seinen vielen Live-Konzerten begleitet und den für diesen Abschnitt seines Schaffens so typischen Sound überhaupt erst möglich gemacht haben.
 
Im ersten Teil der legendären „An American Trilogy“ werden wir vom großartigen Chor nach „Dixieland“ entführt, nicht von Elvis. Und nachdem das liebliche Zwischenspiel der Querflöte erst von drohenden Trommeln abgelöst wurde, war es die Fanfare der Blechbläser und nicht der übergewichtige Sänger im Vordergrund, die uns die ganze Wucht der „Battle Hymn of the Republic“ vermittelte. Es waren die „Sweet Inspirations“ und die „TCB Band“, die dafür sorgten, dass das ewige Outro von „Suspicious Minds“, das bei manchen Konzerten beinahe länger dauern konnte als das eigentliche Lied, nie langweilig wurde.
 
Und weil diese Leute im Hintergrund des größten Stars seiner Zeit so enorm wichtig waren, sagt es auch einiges über den neuen Film von Baz Luhrmann aus, wenn ihre Namen nicht ein einziges Mal während der gesamten 97 Minuten Laufzeit des Films erwähnt werden. Und wenn ich schreibe, ihre Namen würden nicht erwähnt, dann meine ich nicht, Namen wie Cissy Houston (jawohl, die Mutter von Whitney, war die Sängerin, die einfach weitergesungen, während sich Elvis bei „Are you lonesome tonight?“ halb totgelacht hat) oder James Burton. In Luhrmanns Film werden nicht einmal die Namen der beiden Gruppen erwähnt, obwohl man minutenlang Elvis‘ Sonnenbrille mit dem „TCB“-Logo im Bild sieht.
 
Und daher möchte ich an dieser Stelle die vielen, vielen Profis würdigen, die hinter den Kulissen dafür gesorgt haben, dass „EPiC: Elvis Presley in Concert“ eine wirklich coole, flotte Clip-Show werden konnte. Technische Assistenten, Praktikanten in der Recherche, Tontechniker, Schnittassistenten und noch viele mehr: Ihr seid die Besten! Ihr habt für „Sweet Inspirations“ gesorgt! You were „Taking Care of Business“! Ohne Euch würden Bazz Luhrmann und das Studio ganz schön alt aussehen. Vielen Dank an Euch alle!
 
 
Fazit
 
Diese Konzertfilm/Doku-Mischung als Fortsetzung einer Filmbiografie eines Musikers bietet außer dem ungewöhnlichen Ansatz und den beträchtlichen Schauwerten des Archivmaterials nichts wirklich Neues. Als Konzertfilm funktioniert das Ganze so halbwegs, als Doku gar nicht.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Baz Luhrmann
  • Besetzung: Elvis Presley