Mit dieser deutschen Origin Serie wagt sich Disney Plus nach ...
... SAM - EIN SACHSE erneut an ein gesellschaftlich relevantes Thema. Mit einem beeindruckenden Schauspieler-Ensemble. Aber zieht uns die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte auch in den Bann?
Bedrückende Dystopie
Die junge Eva Bruhns (Katharina Stark), eine Dolmetscherin für polnische Sprache, lebt bei ihren Eltern (Anke Engelke und Hans-Jochen Wagner), welche die Gaststätte "Deutsches Haus" betreiben. Alle erwarten Evas bevorstehende Verlobung mit dem wohlhabenden Versandhauserben Jürgen Schoormann (Thomas Prenn).
Doch plötzlich wird Eva gebeten, kurzfristig bei Gericht zu übersetzen. Es ist der erste Strafprozess, bei dem ehemalige SS-Offiziere für ihre Verbrechen im Konzentrationslager Auschwitz angeklagt werden. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, spürt eine innere Verpflichtung und nimmt die Aufgabe gegen alle Widerstände an. Erst während ihrer Übersetzungsarbeit erfasst Eva das ganze Ausmaß der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten – und erkennt so die verlogene Gemütlichkeit, die sie umgibt.
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Bedrückendes Zeitzeugnis
Es erwartet uns also eine Serie, welche die Vergangenheit des immer noch dunklen Deutschlands unmittelbar nach der Nazi-Ära aufarbeitet. Und dessen Inszenierung die Autorin, sowie Show-Runnerin Annette Hess den beiden Regisseurinnen Isa Prahl und Randa Chahoud anvertraut hat. Zwei jungen, aber dennoch bereits renommierten Nachwuchs-Regisseurinnen mit Tatort - Erfahrung.
Inszeniert mit einem Ensemble, welches sich sehen lassen kann. Denn für die fünfteilige Mini-Serie konnte nahezu alles Verpflichtet werden, was in Deutschland derzeit Rang und Namen hat. Angeführt von Nachwuchsschauspielerin Katharina Stark (u.a. Tatort – KI) als Eva Bruhns. Sowie in weiteren Rollen Alice Dwyer, Max von der Groeben, Henry Hübchen, Heiner Lauterbach, Thomas Prenn und Sabin Tambrea. Aber auch auf eine temperamentvolle Iris Berben als polnische Kronzeugin darf man sich freuen.
Außerdem in einer ungewohnten Rolle auf Anke Engelke als Edith, die Mutter von Eva. Vor allem deshalb, weil sie hier einen ernsten Charakter spielt, fernab von jeglichem Klamauk.
Etwas, dass die Serie generell ausmacht. Bedrückende Atmosphäre, entsättigte Farben, kaum Musik und bis auf bei den Gerichtsverhandlungen, eher ruhige Töne. Die von den Angeklagten verübten Grausamkeiten der Vergangenheit schwingen dabei durch jede Szene. Kein Wunder, denn die Greueltaten bei der Verlesung dieser Schriften prägen sich ein. Unterschwellig untermalt durch das Ticken der Uhr aus der Wohnstube von Eva Bruhns.
Besonders auffällig ist dabei auch der Detailreichtum der Sets. Von den Kissenbezügen bis zur Tapete der einzelnen Örtlichkeiten wurde alles so gewählt, dass es nicht nur in die Zeit, sondern ebenfalls zur bedrückenden Grundstimmung der Geschichte passt. Dennoch zieht einen Geschichte sofort in den Bann. Dialoge ergeben Sinn und sind meist kein Füllwerk, ergänzt durch eine dramaturgisch Dichte in der Erzählweise.
Showrunnerin und Autorin Annette Hess dazu: „Wir nehmen hier die große Herausforderung an, sensibel, aber auch schonungslos von einem Jahrhundertprozess zu erzählen. Anfang der 60er Jahre erfuhren die ahnungslosen oder sich ahnungslos gebenden Deutschen und die Welt aus dem Mund hunderter Zeuginnen und Zeugen zum ersten Mal umfassend und radikal von einem der größten Verbrechen der Menschheit, das mit dem Wort Auschwitz für alle Zeit beschrieben ist. Dieser Prozess bildet den ersten Meilenstein in der Aufarbeitung, die bis heute andauert und andauern muss. Never forget!“
Fazit
Mit DEUTSCHES HAUS wagt Disney Plus im deutschsprachigen Raum erneut ein Experiment. Nämlich ein gesellschaftlich-relevantes Thema verpackt als Serie im Umfeld von MARVEL und STAR WARS zu platzieren. Und der sollte man unbedingt Beachtung schenken. Denn das Ergebnis ist nicht nur hochwertig produziert und packend erzählt, sondern auch ein äußerst wichtiger Beitrag, damit sich dieser dunkle Teil deutscher Geschichte nicht mehr wiederholt.
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