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Chaos im Netz - Kinostart: 24.01.2019

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Vor sechs Jahren hat es Ralph schon mal gereicht. Damals hat er die Videospiele ...
 
... in seiner Spielhalle aufgemischt. Aber jetzt hat die Spielhalle Anschluss an das Internet. Und so können er und seine Freundin Vanellope das worldwideweb unsicher machen …
 
Immer die gleichen drei Rennstrecken
 
Sechs Jahre nach den Ereignissen des ersten Films ist Ralph mit seinem Leben zufrieden. Tagsüber gibt er brav den Bösewicht in seinem Computerspiel und nachts zieht er mit seiner Freundin Vanellope durch die anderen Spiele von Mr. Litwaks Spielhalle. Aber Vanellope will mehr. Der rennfahrenden Prinzessin reicht es nicht mehr, immer auf den gleichen drei abgesteckten Strecken ihres altmodischen Spiels zu gewinnen. Als Ralph versucht seiner Freundin zu helfen, führt das zu einer Beschädigung am Lenkrad ihres Spiels. Ein neues Lenkrad für das altmodische Spiel gibt es – natürlich – nur noch auf ebay. Also machen sich Ralph und Vanellope auf die Reise ins Internet. Und das ist für die beiden tatsächlich Neuland …
 
Schon der erste Teil „Ralph reichts“ war ein ungewohnt schräger Disney-Film. So herrlich abgedreht war die Ausgangssituation, so voller wunderbar skurriler Einfälle war die Handlung, dass man ihn eher für ein Produkt aus dem Hause Pixar halten könnte. Und auch die Fortsetzung hat wieder mehr von einem Pixar- als von einem Disney-Film.
 
Die Drehbuchautoren Pamela Ribon („Vaiana“) und Phil Johnston („Zoomania“ „Ralph reichts“) haben die Story nicht einfach bloß sechs Jahre nach den Ereignissen des ersten Films angesetzt. Ähnlich wie bei vielen Fortsetzungen aus dem Hause Pixar und ganz anders als bei Disney üblich, haben sie den ganzen Film eine Nummer „erwachsener“ gestaltet. So kommen die Filmemacher auch Kindern entgegen, die den ersten Teil vielleicht mit sechs oder sieben Jahren gesehen haben und mittlerweile zwölf oder dreizehn Jahre alt sind.
 
Das merkt man zunächst an den vielen Gags, die man nur zu würdigen weiß, wenn man über Kenntnisse der modernen Medienwelt verfügt. Der Film macht sich über reale Internetseiten wie ebay, google und amazon lustig. Andererseits wird aber auch einiges gut erfunden. Ein wesentlicher Teil des Films spielt in einem online-Spiel namens „Slaughter Race“ und der Zuseher kann gut nachvollziehen, was Vanellope in diese Welt zieht.
 
 
„bedeutsames Wasser“
 
Viele Gags nehmen aber auch populäre Filme aufs Korn. Da haben es die Filmemacher natürlich leicht, gehören doch praktisch alle großen Franchises mittlerweile dem Disney-Konzern. An einer Stelle wird auf die notorisch miese Zielgenauigkeit der Sturmtruppen aus Star Wars angespielt. Und dann dürfen Fans einen der Stars aus „Guardians oft the Galaxy“ interviewen. Zu den Höhepunkten des Films gehört aber die Sequenz, in der die kleine Prinzessin Vanellope auf die versammelten Disney-Prinzessinnen trifft. Selten hat Disney so viel Sinn für Ironie bewiesen. Und selten hat man in einem Disney-Film so deutlich vermittelt bekommen, wie antiquiert viele Elemente ihrer Klassiker sind.
 
Die Dialoge sind köstlich. An einer Stelle hört man die Frage „Warum bist Du auf die Pizza sauer?“ und jeder internet-user erinnert sich sofort, wie oft er schon die Pizza verflucht hat. Und selbstverständlich ist „Lies niemals die Kommentare!“ absolut zu Recht die erste Regel des Internets. Hoffentlich werden Geschwindigkeiten unter 3 MBit tatsächlich bald unter Strafe gestellt.
 
Die Regisseure Phil Johnston und Rich Moore („Zoomania“ „Ralph reichts“) hätten den Film an manchen Stellen etwas straffer gestalten können. Ein rigoroserer Schnitt hätte vor allem einige Längen gegen Ende des Films vermeiden können. So kommen einem die 112 Minuten dann vor allem in den Actionszenen ein bisschen lang vor.
 
 
„Das ist jetzt echt gruselig“
 
Wir haben es bereits angedeutet; dieser Film ist für Kinder am unteren Rand der Altersfreigabe kaum geeignet. Wer seinen Sechsjährigen unbetreut in den Film setzt, um sich einstweilen in einem der anderen Kinosäle zu überzeugen, wie viel Sex tatsächlich in „Maria Stuart, Königin von Schottland“ zu sehen ist, darf sich nicht wundern, wenn der Stammhalter Alpträume bekommt. Einiges aus der Welt von „Slaughter Race“ aber vor allem die Szenen im „Darknet“ zeigen wieder mal, wie lächerlich grob die Abstufungen des FSK-Systems sind.
 
Aber auch die Handlung selbst ist um einiges erwachsener als man es von den meisten Disney-Filmen gewohnt ist. Geht es in den meisten Filmen des Konzerns darum, Freunde oder Paare zusammenzuführen, sodass diese auf ewig unzertrennlich bleiben können, bietet uns dieser Film eine viel subtilere und reifere Sicht auf Freundschaften, Beziehungen und selbst Familie. Wer also meint, seinem Erstklässler eine Karte für diesen Film kaufen zu müssen, sollte bereit sein, anschließend mit dem Kind darüber zu sprechen, warum eine der Figuren „unsicher, anhänglich und selbstzerstörerisch“ war. Anschließend darf er dann erklären, warum ein Adoptivelternpaar sich übernommen hat.
 
 
Fazit
 
Die Fortsetzung von „Ralph reichts“ ist ein wunderbar komischer, erstaunlich reifer Film für Filmfans, die besser nicht erst 6 Jahre alt sein sollten.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Rich Moore
  • Drehbuch: Phil Johnston