Neue und alte Kräfte verbünden sich auch in „Ghostbusters: Frozen Empire“,
... um einer bösen Macht Einhalt zu gebieten. Richtig beglückend ist das, was der vierte Teil der originalen Geisterjägersaga auf den Tisch bringt, allerdings nicht.
In Gedenken an Ivan Reitman
Lustige Sprüche, engagierte Darsteller, ein cooler Titelsong und Trickeffekte, die zur Entstehungszeit für große Augen sorgten – Ivan Reitmans „Ghostbusters“ gehört sicher zu den Komödienklassikern der 1980er-Jahre. Nach Veröffentlichung der Fortsetzung „Ghostbusters II“ von 1989 passierte jedoch lange Zeit wenig, kam das begonnene Franchise nicht recht voran.
Erst 2016 erblickte mit dem ebenfalls „Ghostbusters“ benannten Reboot ein frischer Beitrag das Licht der Welt, der anstelle eines männlichen Hauptcasts eine Frauentruppe auf Geisterjagd schickte. Schon vorab massiv angefeindet, ging der Film dann an den Kinokassen baden, weshalb Sony Pictures von einem Ausbau dieses Universums Abstand nahm und sich auf die Ursprungsreihe besann. 2021 erschien mit „Ghostbusters: Legacy“ ein Sequel zum zweiten Teil, das diverse neue Figuren in das Franchise einführte und im Finale auch die alten Recken auflaufen ließ.
Seit den Anfängen stets involviert war Ivan Reitman, der die ersten beiden Kapitel inszenierte und alle Titel, selbst das gefloppte Reboot, als Produzent betreute. Obwohl der Hollywood-Routinier im Februar 2022 verstarb, taucht er auch in „Ghostbusters: Frozen Empire“ im Abspann als einer der Wegbereiter auf. Ihm ist der Film gewidmet, der fast genau 40 Jahre nach dem Original in die Kinos kommt und unter der Regie Gil Kenans („Ein Junge namens Weihnacht“) entstand. Für das Drehbuch zeichnete neben diesem erneut Ivan Reitmans Sohn Jason verantwortlich. Größer könnte familiäre Kontinuität wohl nicht sein!
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Nach den Ereignissen im Vorgänger, der in der Provinz Oklahomas spielte, kehren wir nun wieder nach New York zurück. Konkreter: in die ikonische Feuerwache, in der 1984 alles begann. Das Gebäude bewohnen nun Callie Spengler (Carrie Coon), die Tochter von Ur-Ghostbuster Egon Spengler, ihre Kinder Phoebe (Mckenna Grace) und Trevor (Finn Wolfhard) und ihr neuer Lebensgefährte Gary Grooberson (Paul Judd), die sich im Big Apple als Geisterjäger versuchen.
Zu viel Personal
Gleich in den ersten Minuten sorgt eine spektakuläre Verfolgungsjagd durch die Straßen des Big Apples für knallige Unterhaltung. Spaßige Sprüche, handgemachte Action und Digitaleffekte werden hier geschickt kombiniert. Das durch die Hatz entstandene Chaos bringt unserer Helden mal wieder in Schwierigkeiten und führt sie geradewegs in das Büro von Walter Peck (William Atherton), der den Geisterjägern des Ursprungsfilms als nerviger Beamter das Leben schwer machte. Inzwischen zum Bürgermeister aufgestiegen, liest er den Spenglers und Grooberson die Leviten und versichert ihnen, ihrem Treiben ein Ende zu setzen.
Seine Drohungen beeindrucken Callie so weit, dass sie ihre minderjährige Tochter Phoebe vorübergehend aus dem aktiven Dienst ausschließt. Eine neue Bedrohung zieht auf, als der alte Ghostbuster Ray Stantz (Dan Aykroyd) in seinem Buchladen von Nadeem Razmaadi (Kumail Nanjiani) ein seltsames Artefakt erwirbt, dem eine finstere Entität entweicht und eine Eiszeit heraufbeschwören will.
Ein neuer Gegner, launige Sprüche, nostalgische Leckerli für große Fans der Reihe, Action, Geistereffekte und Emotionen – „Ghostbusters: Frozen Empire“ scheint alles mitzubringen, was es für einen knackigen Blockbuster braucht. Und doch gerät das Ganze stellenweise zu leblos, zu mechanisch, um wirklich mitreißen zu können. Die Idee, erneut Phoebe in den Mittelpunkt zu stellen, sie auf den Geist einer jungen Frau (Emily Alyn Lind) treffen zu lassen, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, ist reizvoll. Bedauerlicherweise dekliniert der Film diesen Gedanken aber nicht konsequent genug durch. Ähnlich halbherzig ist der Versuch, die familiäre Dynamik über Gary zu verhandeln, der als Callies neuer Partner Phoebes und Trevors Anerkennung sucht.
Auch wenn dieses Mal ein anderer Widersacher bezwungen werden muss, folgt „Ghostbusters: Frozen Empire“ auf Handlungsebene zumeist den reihentypischen Mustern. Einfälle mit echter Überraschungskraft sucht man vergeblich. Nicht zuletzt beim neuen Gegner, dessen Hintergründe weder originell noch spannend sind. Als handfestes Problem erweist sich vor allem die Fülle an Figuren, die Gil Kenan und Jason Reitman in den Ring schicken.
Paul Rudds Grooberson und Kumail Nanjianis verpeilter Razmaadi haben dank sympathisch-witziger Schauspieldarbietungen gute Momente. Viele Charaktere kommen indes nicht über den Mitläuferstatus hinaus, betreten dann und wann die Bühne, können aber keine Duftmarken setzen. Zu den Personen, mit denen die Macher wenig anzufangen wissen, gehören neben Trevor und Callie auch die Geisterjägerhaudegen Winston Zeddemore (Ernie Hudson) und Peter Venkman (Bill Murray). Vor allem Letzterer wirkt in seinen beiden Kurzauftritten regelrecht verschenkt.
„Ghostbusters: Frozen Empire“ ist sicher keine Vollkatastrophe, kommt durchaus ohne großen Leerlauf aus, macht es sich jedoch in der Blockbuster-Beliebigkeit bequem. Dass man sich mehr Leinwandzeit für die kleinen anarchischen Marshmallow-Männchen wünschen würde und stattdessen auf manch andere paranormale Kreatur verzichten könnte, sagt viel über den neuen Reihenbeitrag aus…
Fazit
Ein sporadisch launiges, aber nie vollends mitreißendes Geisterspektakel, dem es an kreativem Eifer mangelt.
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