Ein Fest fürs Leben - Kinostart: 19.10.2023

Artikel bewerten
(6 Stimmen)
Eins gleich mal vorweg. EIN FEST FÜRS LEBEN ist eine wirklich spritzige, ...
 
... vergnügliche Komödie. Noch dazu natürlich eine deutsche, aber das ganz ohne typisch deutschen Humor. Das mag vor allem daran liegen, dass der Film ein Remake des französischen DAS LEBEN IST EIN FEST aus dem Jahr 2017 ist.
 
Ein Tag im Chaos
 
Dieter Salzmann (Christoph Maria Herbst) richtet große, luxuriöse Hochzeiten aus, was aber auch mit immensem Stress verbunden ist. Darum überlegt er, den Laden zu verkaufen, was er seinen Angestellten aber nicht sagt. Ein Interessent kommt an diesem Tag auch, um zu sehen, wie das Geschäft läuft.
 
Das könnte kaum chaotischer sein. Der Bräutigam ist viel zu früh da und nervt jeden, der eigentliche Sänger fällt aus, weswegen schnell ein neuer verpflichtet werden muss, der Fotograf hängt am liebsten am Buffet herum, die Lebensmittel sind vergammelt und ein Teil des Teams fällt wegen Lebensmittelvergiftung aus. Kann man da eine Hochzeitsfeier überhaupt noch erfolgreich ausrichten? Da hilft nur Augen zu und durch. Irgendwie muss es ja weitergehen …
 
Nah am Original
 
EIN FEST FÜRS LEBEN ist mal wieder so ein Film, bei dem es einfach sehr stark davon abhängt, ob man das Original gesehen hat oder nicht. Hat man es, gibt es hier nicht viel zu entdecken. Klar, die Schauspieler sind natürlich anders, ein paar Eigenheiten gibt es auch, aber letztlich sieht man doch denselben Film. Das lässt dem Ganzen etwas die Luft raus.
 
Außer natürlich, man kennt den französischen Film nicht. Dann präsentiert sich die deutsche Variante als humorvolles Ensemble-Stück, das herrlich mit dem sich ausbreitenden Chaos des Tages spielt und viele sehr vergnügliche Momente bieten kann. Dabei kommt praktisch kein Schauspieler und keine Figur zu kurz.
 
Man muss aber auch sagen: Ein klein wenig Originalität hätte nicht geschadet. Bei der deutschen Version sind durchwegs ähnliche Typen wie beim Original besetzt – ein Christoph Maria Herbst ist praktisch die 1:1-Besetzung von Jean-Pierre Bacri. Auch die anderen Figuren haben ein Analog erhalten – bis hin zur Ethnie. Freuen darf man sich neben Herbst unter anderem auf Jörg Schüttauf (Stasikomödie), Wotan Wilke Möhring (Caveman), Bettina Lamprecht (Kohlrabenschwarz), Rainer Bock (Atlas) und Ernst Stötzner (Nächste Ausfahrt Glück).
 
 
Herbst in seinem Element
 
Zumeist spielt Christoph Maria Herbst eher griesgrämige Burschen, sein Dieter ist ein solcher aber nicht. Im Gegenteil, er ist recht positiv und versucht, aus dem, was da ist, das Beste zu machen. Und doch ist es herrlich, ihn rotieren zu sehen. Oder auch ganz nonchalant zum Bräutigam zu sagen, dass er ihm gar nicht zuhöre, nachdem dieser ihn wegen seiner Rede, die er vor der Hochzeitsgesellschaft hat, zugetextet hat.
 
Es sind die vielen kleinen Momente, die den Film zum Erfolg machen. Der Streit zwischen dem Sänger und Dieters rechter Hand, der Angestellte, der ständig das Offensichtliche ausspricht, die Kellner, die sich weigern, die Perücken zu tragen (weil der Bräutigam will, dass sie wie Lakaien von vor ein paar hundert Jahren aussehen), oder auch der Fotograf, der jedem auf die Nerven geht – auch seinem Praktikanten. Jede dieser Figuren ist liebevoll gestaltet, sie fühlen sich alle rund und lebendig an und bereichern den Film dadurch auch.
 
Der Film ist dabei unprätentiös gefilmt. Keine Sperenzchen, keine visuellen Gags, einfach solide und immer so, dass die Schauspieler ganz im Vordergrund stehen.
 
 
Fazit
 
EIN FEST FÜRS LEBEN ist ein sehr amüsanter Film, der nicht die großen Schenkelklopfer-Gags hat, aber ständig mit dem Schalk im Nacken für herrliches Amüsement sorgt. Die Schauspieler sind perfekt gewählt und gehen alle in ihren Rollen auf, allen voran natürlich Christoph Maria Herbst.
 
Der heimliche Star des Films ist jedoch Marc Hosemann, der dieses Jahr mit SOPHIA, DER TOD UND ICH so etwas wie seine Breakout-Rolle hatte und seitdem nicht nur damit auffällt, sondern auch sonst reichlich gute Rollen abgestaubt hat. Wie beispielsweise als Darsteller in der Prime-Video-Serie LAST EXIT SCHINKENSTRASSE und der Serie LEGEND OF WACKEN.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Nicht Ohne Eltern - Kinostart: 21.06.2018
Nicht Ohne Eltern - Kinostart: 21.06.2018 Die französische Komödie legte schon immer wenig Wert auf politische Korrektheit ...   ... und kann es sich zudem nicht verkneifen, die Gepflogenheiten der Trikolor-Gesellschaft genüsslich aufs Korn zu nehmen. Auch „Nicht ohne Eltern“ reiht sic...
A Rainy Day in New York - Kinostart: 05.12.2019
A Rainy Day in New York - Kinostart: 05.12.2019 Nie zuvor war das schillernde Bild des Starregisseurs Woody Allen ...   ... derart mit Schatten versehen. Der in Europa nun mit reichlich Verspätung startende „A Rainy Day in New York“ erzählt in Anbetracht der Schlagzeilen fast schon beil&au...
Rate Your Date - Kinostart: 07.03.2019
Rate Your Date - Kinostart: 07.03.2019 Niemand sieht sich romantische Komödien wegen der spannenden Handlung an.   Aber was, wenn die Handlung komplett vorhersehbar ist? Und weder witzig noch besonders romantisch?   Hot Summer   Teresa ist jung und attraktiv aber verwirrt. Deshalb schlä...
Im Taxi mit Madeleine - Kinostart: 13.04.2023
Im Taxi mit Madeleine - Kinostart: 13.04.2023 Dany Boon und Line Renaud nehmen uns mit auf eine Fahrt ...   ... durch Paris und durch ein aufregendes Leben. „Im Taxi mit Madeleine“ bietet bittersüße Unterhaltung der nicht zu kitschigen Art.   Lebhaft und gesprächig   Im Kino hat das Taxi seinen festen ...

Weitere Informationen

  • Autor:in: Peter Osteried
  • Regie: Richard Huber
  • Drehbuch: Richard Huber
  • Besetzung: Christoph Maria Herbst, Cynthia Micas