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Scream 5 - Kinostart: 13.01.2022

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Die von Wes Craven und Kevin Williamson begründete „Scream“-Reihe ...
 
... geht in ihre fünfte Runde: Elf Jahre nach dem letzten Teil landet ein neuer Meta-Slasher in den Kinos, der sich in erster Linie auf den einflussreichen Ursprungsfilm bezieht.
 
Neue Protagonisten
 
Mit seinem pfiffig-wendungsreichen Schocker „Scream – Schrei!“ gab Schreckensexperte Wes Craven („Nightmare – Mörderische Träume“) dem wenig geschätzten Subgenre des Teenager-Horrors Mitte der 1990er Jahre frische Impulse. Der filmische Gesetze und Konventionen offen thematisierende, sie teilweise augenzwinkernd unterlaufende und für einige handfeste Spannungsmomente sorgende Schlitzerstreifen wurde von vielen Kritikern für seine gewitzte Konstruktion gelobt, traf den Nerv des Publikums und trat eine Welle ähnlicher Arbeiten los, die jedoch meistens kläglich daran scheiterten, Komik und Grauen wirkungsvoll zu verbinden.
 
Den Innovationsgehalt des Films erreichten auch die drei Fortsetzungen und die gleichnamige Fernsehserie nicht. Nach Cravens Tod im Jahr 2015 durfte man bezweifeln, dass die Reihe über den 2011 veröffentlichten „Scream 4“ hinauswachsen würde, da der Verstorbene zuvor bei allen Kapiteln am Steuer gesessen hatte. Nichtsdestotrotz erscheint elf Jahre später unter der Regie des Duos Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillet (gemeinsam verantwortlich für den sarkastischen Horrorthriller „Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“) nun ein fünfter Teil, der mit seinem schlichten offiziellen Titel „Scream“ bereits andeutet, wo sein wichtigster Bezugspunkt liegt: beim gefeierten Ursprungswerk.
 
Frisches Blut wollen die kreativen Köpfe, zu denen auch die Drehbuchautoren James Vanderbilt („Murder Mystery“) und Guy Busick („Castle Rock“) gehören, ihrem Beitrag durch das Auftreten neuer Hauptfiguren einimpfen. Bekannte Gesichter aus den vorangegangenen Filmen tauchen zwar auf, stehen aber nicht im Zentrum des Geschehens. Ort der Handlung ist die beschauliche Kleinstadt Woodsboro, in der 1996 die Jugendliche Sidney Prescott (Neve Campbell) ins Visier eines maskierten Killergespanns geriet. Im Hier und Jetzt erhält die Teenagerin Tara Carpenter (Jenna Ortega) eines Abends einen mysteriösen Anruf und wird von der durch einen voice changer verzerrten Stimme am anderen Ende (im Original einmal mehr: Roger L. Jackson) mit dem Tod bedroht und zu einem Horrorquiz gezwungen.
 
Alle Fragen drehen sich um den Slasher „Stab“, der auf Sidneys grauenhaften Erfahrungen beruht und in „Scream 2“ in das Reihenuniversum eingeführt wurde. Nach dem semierfolgreichen Ratespiel steht Tara plötzlich einer mit einem Messer bewaffneten Person in der ikonischen Ghostface-Verkleidung gegenüber.
 
Erinnerungen an den Einstieg von „Scream – Schrei!“, wo eine von Drew Barrymore verkörperte Schülerin brutal ermordet wird, stellen sich bei Franchise-Kennern sofort ein. In diesem Fall erliegt das Opfer seinen Verletzungen allerdings nicht. Als die vor einiger Zeit aus Woodsboro geflüchtete Sam Carpenter (Melissa Barrera) erfährt, dass ihre Schwester Tara im Krankenhaus liegt, kehrt sie zusammen mit ihrem Freund Richie (Jack Quaid) in ihre Heimatstadt zurück. Bevor das große Morden losgeht, weiht sie Tara in einer erstaunlich berührenden Szene in ein düsteres Geheimnis ein: Als Kind brachte Sam durch Zufall in Erfahrung, wer ihr wirklicher Vater ist: Kein Geringerer als der erste Ghostface-Killer Billy Loomis (Skeet Ulrich), der mit seinem durchgeknallten Kumpel Stuart Macher einst Sidney Prescott das Leben zur Hölle machte und seiner Tochter regelmäßig in Visionen erscheint.
 
 
Metaspiele gehen weiter
 
„Scream“ anno 2022 versucht durchaus, Elemente und Muster, die im ersten Teil etabliert wurden, aufzubrechen. Siehe Tara, die nicht ins Gras beißen muss. Häufig folgen die Macher aber auch den von Craven und Williamson vorgegebenen Leitplanken. Immer mal wieder schaltet das Drehbuch in den Copy-und-Paste-Modus, stellt Szenen aus dem Original fast deckungsgleich nach. Und natürlich diskutieren die Protagonisten ständig über die Regeln des Horrorgenres, deren Kenntnis ihnen bei der Suche nach dem Täter helfen könnte.
 
Besonders selbstreflexiv wird es in der Szene, in der Taras Freundin Mindy (Jasmin Savoy Brown), die obligatorische Expertin in Sachen Schreckenskino, über die ärgerliche Formen annehmende „Stab“-Reihe referiert und dabei das Wesen ihres eigenen Films erklärt. Kapitel fünf in der Ghostface-Saga ist nämlich ein als Requel bezeichneter Hybride: kein hundertprozentiges Sequel, aber auch kein echtes Remake oder Reboot. In den Blick nimmt der neue „Scream“ nicht nur die Entwicklungen des Horrorschaffens seit dem vierten Teil und erwähnt dabei anspruchsvollere, tragische Geschichten erzählende Titel wie „Der Babadook“, „Hereditary – Das Vermächtnis“ und „The Witch“. Hier und da lassen die Regisseure und ihre Mitstreiter außerdem durchblicken, wie einfallslos Hollywood geworden sei. Bei aller Begeisterung für die munteren Metaspielereien – nach vier Kapiteln hat sich das Konzept doch ein wenig abgenutzt.
 
Wie gewohnt schlägt die Handlung einige Haken, die schließlich auf eine das Verhältnis zwischen Film und Publikum thematisierende, nicht unbedingt vorhersehbare Auflösung hinauslaufen. Erwartungsgemäß verquer sind wieder einmal die Tätermotive für das in Woodsboro angerichtete Blutbad. Um das große Finale auf den Weg zu bringen, braucht es ein paar forcierte Wendungen. Dabei fällt vor allem auf, dass die in den Vorgängern bedrängte Sidney, die inzwischen mit Mann und Kindern ihr Glück gefunden hat, und ihre alte Bekannte Gale Weathers (Courteney Cox) eher halbherzig in die Suche nach dem Killer eingebunden werden. Das Auftauchten vertrauter Figuren – auch Ex-Polizist Dewey Riley (David Arquette) gibt sich die Ehre – ist nicht zwingend erforderlich, sondern eher ein Service für die eingefleischten Fans der Reihe. Wenig Profil erhalten übrigens die Mitglieder von Taras Clique, weshalb man ihr Ableben nicht sonderlich bedauert.
 
Handwerklich geben sich Bettinelli-Olpin und Gillett keine Blöße. „Scream“ sieht vernünftig aus. Und die Mordszenen präsentieren sich teilweise erstaunlich deftig. Originelle Qualitäten kann man den zum Einsatz kommenden Schockeffekten jedoch nicht bescheinigen. Die Einlagen sind solide. Um erprobte Horrorzuschauer von Kopf bis Fuß durchzuschütteln, braucht es aber schon ein bisschen mehr.
 
 
 
Fazit
 
Die Fortführung der „Scream“-Reihe bietet passable Spannungsunterhaltung mit den üblichen Metakommentaren, klammert sich unter dem Strich allerdings zu sehr an das kultisch verehrte Original.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Christopher Diekhaus
  • Regisseur: Matt Bettinelli-Olpin
  • Drehbuch: James Vanderbilt
  • Besetzung: Melissa Barrera, Mason Gooding