Die Goldfische - Kinostart: 21.03.2019

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Die Newcomerin Alireza Golafshan befasst sich in ihrem ersten Langfilm ...
 
... mit einem Thema, das sie auch schon in ihrem während des Studiums an der HFF entstandenen Kurzfilm „Behinderte Ausländer“ beschäftigte: Das Leben mit Behinderung. Für „Die Goldfische“, mit dem sie ihr Langfilmdebüt gibt, hat sie auch das Drehbuch geschrieben. In erster Linie ist das eine Komödie, es gibt aber auch dramatische Ansätze – nur in der Kombination mag das alles nicht so recht funktionieren.
 
Behinderte Schmuggler
 
Durch einen selbstverschuldeten Unfall wird der Hedgefonds-Manager Oliver (Tom Schilling) so schwer verletzt, dass er von der Hüfte abwärts gelähmt ist. Aber dabei hatte er noch Glück im Unglück. Es hatte nicht viel gefehlt, und er hätte nur noch den Kopf bewegen können. Drei Monate nach dem Unfall findet er sich in einer Reha-Einrichtung wieder und versucht, mit dem ständig zusammenbrechendem WLAN seinen Job irgendwie weiterzumachen. Da erfährt er von seinem Banker in Zürich, dass die Steuerfahndung hinter ihm her ist und schon bald sein Schließfach öffnen lassen wird. In dem liegt immerhin mehr als eine Million Euro Schwarzgeld.
 
Oliver hat nicht viele Möglichkeiten, an sein Geld heranzukommen. Da ihn niemand fahren will, kommt er auf die grandiose Idee, einer Behinderten-Gruppe, die er wegen des besseren WLANs in ihrer Wohnung kennen gelernt hat, einen Trip zur Kameltherapie in der Schweiz zu finanzieren. Während die anderen mit den Kamelen unterwegs sind, will er sich nach Zürich zur Bank fahren lassen und dann sein Geld im Behindertenbus nach Deutschland schmuggeln. Eigentlich ein guter Plan, aber wie das mit guten Plänen halt so ist – meistens hebeln Komplikationen sie komplett aus.
 
Die Balance fehlt
 
Im Grunde leidet „Die Goldfische“ daran, dass die breite Komik, die hier geboten ist, nur bedingt funktioniert. Natürlich soll der Film komisch und kein emotional bedrückendes Drama sein, aber dennoch bügelt er zu sehr darüber hinweg, wie sich die Hauptfigur Oliver nur drei Monate nach diesem lebensverändernden Unfall fühlt. Hier hätte man eine bessere Balance finden müssen, die den Humor mit dem Drama kombiniert, ohne ins Peinliche abzugleiten – wie z.B. beim französischen Hit „Ziemlich beste Freunde“.
 
Einige Elemente des Films funktionieren, es sind aber mehrheitlich die, die aus den typischen Klischees bestehen. Da wäre zum Beispiel die Läuterung der Hauptfigur vom Saulus zum Paulus, da der Karriere-Mensch erkennt, dass es noch anderes im Leben gibt. Aber wirklich neu ist daran halt auch nichts.
 
 
Merkwürdiger Humor
 
Manche Gags funktionieren, andere sind schlichtweg peinlich. Und manches wirkt sogar irritierend, weil der Lacher da auf Kosten der Behinderten geht. Das zeigt sich bei keiner Figur besser als bei dem von Axel Stein gespielten Rainman. Ja, so nennen die Pfleger den behinderten Mann und sagen ihm das auch direkt ins Gesicht. Das mag lustig gemeint sein, wirkt jedoch respektlos und wird noch dadurch unterstützt, dass Stein sich in einer Darstellung müht, zu der er einfach nicht fähig ist. Er kann komisch sein, aber er hat nicht das schauspielerische Format, eine Behinderung wie diese zu spielen, ohne in peinliches Chargieren zu verfallen.
 
Das schadet dem Film noch mehr, da mit etwas Zurückhaltung und anderer Fokussierung durchaus mehr drin gewesen wäre. Immerhin gibt es ein paar wahrhaftige Momente, die mit echter Emotion punkten können. Es sind nur viel zu wenige.
 
 
Fazit
 
DIE GOLDFISCHE ist ein halbgarer Film, der vor allem komisch sein will, daran aber oft scheitert, weil der Humor außer Rand und Band ist und die Figuren nicht liebevoll unterstützt, sondern ganz und gar verrät. Daran ändern dann auch die mehrheitlich guten Schauspieler nicht. Tom Schilling, Jella Haase (diesmal mit kurzem Haar) und Birgit Minichmayr sind zu nennen, während Axel Stein sich in die Riege derer einreiht, die daran gescheitert sind, behinderte Menschen zu spielen.
 
Darum ist der Film leidlich unterhaltsam. Hier und da kann man mal schmunzeln, mehrheitlich schüttelt man aber einfach den Kopf. Hier wäre sehr viel mehr drin gewesen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Peter Osteried
  • Regie: Alireza Golafshan
  • Drehbuch: Alireza Golafshan
  • Besetzung: Tom Schilling, Jella Haase