Tom Hanks im Grantelmodus: Als todessehnsüchtiger Nachbarschaftsschreck ...
... sorgt der zweifache Oscar-Preisträger für einige Lacher. Der Film als Ganzes ist aber eine höchst durchwachsene Angelegenheit.
Keine Freude mehr
Warmherzig-sympathische Töne kann er im Schlaf anschlagen. Als Griesgram ist Tom Hanks allerdings auch nicht schlecht. Das beweist der stets so unprätentiös auftretende Kinostar in Marc Forsters Romanadaption „Ein Mann namens Otto“, die auf dem schon einmal verfilmten internationalen Bestseller „Ein Mann namens Ove“ aus der Feder des schwedischen Schriftstellers Fredrik Backman basiert.
Dass es für eine gelungene, emotional mitreißende Tragikomödie jedoch mehr braucht als einen gut aufgelegten Hauptdarsteller, zeigt die Hollywood-Version sehr deutlich. Auch wenn Ecken und Kanten im Protagonisten angelegt sind – eine oft uninspirierte Inszenierung und ein mitunter arg formelhaftes Drehbuch sorgen für so manche Ernüchterung.
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Der von Hanks gespielte Otto Andersen hat nach dem Tod seiner geliebten Ehefrau alle Lebensfreue verloren – was er seine Nachbarschaft, die Bewohner einer kleinen Privatstraße in einem Vorort von Pittsburgh, bei jeder Gelegenheit spüren lässt. Wie ein Sheriff patrouilliert er um den Block und achtet darauf, dass alle Regeln eingehalten werden.
Ein nettes Wort hat er für niemanden mehr übrig, beschimpft seine Mitmenschen stattdessen andauernd als Idioten. Mit einem derart auf Krawall gebürsteten Pedanten möchte man eigentlich nichts zu tun haben. Im Grunde ist er aber ein armer Tropf, der, das scheint bei einem Sympathieträger wie Hanks schon früh durch, natürlich einen verschütteten weichen Kern besitzt.
Schablonenhafte Erzählung
Als Otto sich, fein säuberlich vorbereitet, erhängen will, kommen ihm die neuen Nachbarn Marisol (Mariana Treviño) und Tommy (Manuel Garcia-Rulfo) in die Quere, die sich beim Einparken ihres Anhängers, nun ja, wie Idioten anstellen. So sieht es der übellaunige Rentner zumindest und packt daher genervt an. Obwohl er sich auch in dieser Situation keine Mühe gibt, freundlich zu sein, lässt Marisol fortan nichts unversucht, um ihn ins Leben zurückzuholen.
Welche Richtung die Erzählung nehmen wird, ist sehr schnell klar. Kleine überraschende Schlenker könnte man dennoch einbauen, um das Publikum zu packen. „Ein Mann namens Otto“ hangelt sich jedoch meistens von einem erwartbaren Handlungsschritt zum nächsten und scheut vor allem in den regelmäßig eingestreuten, mit klebriger Musiksoße übergossenen Rückblenden nicht vor happigen Kitschanfällen zurück.
Truman Hanks, Sohn des Hauptdarstellers, verkörpert darin eine jüngere Version Ottos, mit der wir einige markante Stationen in der großen Liebesgeschichte des Protagonisten abklappern. Ein weiteres Zeichen für den mangelnden Esprit des Drehbuchs von David Magee: Die Erfahrungen einer Transfigur werden eher hastig in das Geschehen integriert, und einige Bewohner der von Otto bewachten Privatstraße kommen etwas comichaft daher.
All diese Schwachpunkte machen einen wirklich guten Film unmöglich. Zu einer Katastrophe verkommt Forsters Bestselleradaption allerdings nicht – aus dreierlei Gründen. Der Humor nimmt manchmal schrägere Formen an, wobei die Macher mit den mehrfach scheiternden Selbstmordversuchen auf einem äußerst schmalen Grat wandeln, Gefahr laufen, das ernste Thema zu trivialisieren.
Tom Hanks liefert, wie eingangs erwähnt, eine souveräne Performance ab, die zunächst häufig daraus besteht, das Gesicht angewidert zu verziehen und Ruppigkeiten durch die Gegend zu bellen. Die verletzliche Seite Ottos arbeitet er ebenso überzeugend heraus und ist wohl Garant dafür, dass einen die Tragikomödie im letzten Akt, allen plumpen Sentimentalitäten zum Trotz, nicht völlig kaltlässt.
Eine lobende Erwähnung verdient sich darüber hinaus die mexikanische Schauspielerin Mariana Treviño, die mit ihrer quirlig-liebenswerten Art eine gute Sparringspartnerin für Hanks abgibt. Szenen zwischen Otto und Marisol haben eine gewisse Dynamik und gehören zu den lustigsten des gesamten Films.
Fazit
Die Ein-Miesepeter-taut-auf-Geschichte hat ihre Momente, ist aber zu mechanisch und phasenweise zu melodramatisch, um ein emotional durchweg fesselndes Kinoerlebnis zu bieten.
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