Bodies Bodies Bodies - Kinostart: 27.10.2022

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Im Grunde hätte man bei BODIES BODIES BODIES einen handelsüblichen ...
 
... Slasher-Film erwarten können. Als solcher hatte er ursprünglich auch begonnen – in der Ur-Form des Drehbuchs. Doch als das Produktionsstudio A24 das Projekt übernahm, musste auch mehr daraus werden. A24 hat sich einen Namen mit Genre-Filmen gemacht, die Grenzen ausloten und überwinden, z.B. HEREDITARY oder GREEN KNIGHT, und das geschieht nun auch bei diesem Film, der mit einem Kinderspiel beginnt.
 
Wer ist der Mörder?
 
Einige junge Leute beschließen, einen Hurricane in einem herrschaftlichen Anwesen zu verbringen. Sie kommen aus reichen Familien und hatten ein behütetes Leben, das in den meisten Fällen jedoch kräftig durchgerüttelt wurde. Entsprechend sind auch nicht alle froh, als Sophie (Amandla Stenberg) unerwartet mit ihrer Freundin Bee (Maria Bakalova) auftaucht. Alte Animositäten brechen wieder auf und werden noch forciert, als sie sich entscheiden, Bodies Bodies Bodies zu spielen. Im Dunkeln ist einer der Mörder, der die anderen nach und nach abklatschen muss, bevor er entlarvt wird. Das Spiel endet meistes in Tränen, sagt eine der Freundinnen. So auch hier.
 
Als wenig später wirklich einer von ihnen tot ist, fragen sie sich, wer der Mörder im Spiel war und ob dieser nun versucht, das Spiel Realität werden zu lassen. Der Verdacht fällt auf den deutlich älteren Greg (Lee Pace), den eine der jungen Frauen erst seit Kurzem kennt. Aber das wäre doch zu offensichtlich, nicht?
 
Mehr als nur ein Slasher-Film
 
Eine Geschichte wie diese kann man ganz gängig als Slasher-Film abarbeiten, hier wird aber mehr daraus. Denn der Film funktioniert auch als soziale Satire, wenn er zeigt, wie die Reichen auf die Armen reagieren - denn in deren Augen geht von den weniger Privilegierten die klare Gefahr aus. Ebenso geht es um Klassenunterschiede anderer Art. Wenn der Geldadel auf jene mit Geld herabblickt, die als „gehobene Mittelklasse“ herabgewürdigt werden.
 
Man hat hier Freunde, die sich schon ewig kennen, aber längst nicht alles übereinander wissen. Hier brodelt es, und im Verlauf der Geschichte kommen Wahrheiten ans Tageslicht, die die meisten am liebsten verborgen gehalten werden. Damit werden Freundschaften auf die Probe gestellt. Mehr noch: Es wird gefragt, ob diese eigentlich je existiert haben.
 
 
Selbstverleugnung
 
Der Film ist ein cleverer Kommentar darauf, wie sehr manche Menschen vor der Realität die Augen verschließen. Sie haben etwas getan, sie haben gesehen, was das Ergebnis ihrer Tat ist, und verleugnen sie doch. Es ist nie passiert – ein Kommentar auf die moderne, amerikanische Gesellschaft, in der alternative Fakten längst auch zu einem Lebensstil geworden sind. Wie Pippi Langstrumpf macht man sich die Welt, wie sie einem gefällt. Bis eine Extremsituation eintritt und alle Masken fallen.
 
Das ist die eigentliche Stärke des Films, der als Slasher-Streifen durchaus funktioniert, aber eben auch tief in die Welt dieser Figuren eindringt. Der Film hätte genauso gut als Drama funktioniert, aber dass er ein Spannungsfeld rund um die Suche nach einem Mörder aufbaut, macht ihn natürlich noch zugänglicher.
 
Das Ende nimmt dann eine wunderbare Wendung. BODIES BODIES BODIES verleugnet sich dem typischen Ende, sondern stellt alles auf den Kopf, womit er nur noch mehr unterstreicht, wie weit die Figuren von dem entfernt sind, was man gemeinhin als Realität ansieht.
 
BODIES BODIES BODIES ist durchwegs hervorragend besetzt, eine Offenbarung ist wieder mal die durch BORAT: ANSCHLUSS MOVIEFILM bekannt gewordene Maria Bakalova, die als Neue in diesem Kreis auch in Verdacht gerät – ein Verdacht, der sich nicht nur ergibt, weil sie arm ist, sondern eben auch keine Amerikanerin, und auch nicht heterosexuell. Im Grunde ist sie das Porträt der maximalen Ausgrenzung, zu dem das reiche, weiße Amerika fähig ist.
 
 
Fazit
 
Ein gelungener Slasher-Film mit hervorragenden Schauspielern, guten Dialogen und gleich mehreren Metaebenen. Schön ist auch die Inszenierung, da nach dem Stromausfall auf noch funktionierende Lichtquellen gesetzt wird. Das verleiht dem Film reichlich Wirkung, ohne dass es aber so wäre, dass man nichts mehr erkennen würde.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Peter Osteried
  • Regie: Halina Reijn
  • Drehbuch: Sarah DeLappe
  • Besetzung: Amandla Stenberg, Maria Bakalova