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X-Men: Dark Phönix - Kinostart: 30.05.2019

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Die X-Men wurden zwar von Marvel erfunden, trotzdem sind die Filme rund ...
 
... um die Mutantentruppe keine Marvelfilme, weil sie von 20th Century Fox produziert werden. Mittlerweile gehören aber beide Studios zum Disney-Konzern. Ob man davon im neuesten Film der Serie schon etwas merkt …?
 
By the time I get to Phoenix …
 
Die kleine Mutantin Jeane Grey wird nach dem Tod ihrer Eltern von Professor Xavier in seiner Schule für ganz besondere Kinder aufgenommen. Siebzehn Jahre später ist sie zur mächtigsten aller Mutanten herangewachsen. Während einer Mission zur Rettung einer Space-Shuttle-Crew wird sie von einer kosmischen Energiewolke verschluckt und als noch mächtigere „Phoenix“ wieder ausgespuckt. Und weil allzu viel ungesund ist und das auch für die Kräfte von Mutanten gilt, bedeutet das natürlich Schwierigkeiten …
 
Ende der 90er Jahre hatten die Marvel Studios nur zwei Filme alleine produziert. „The Punisher“ von 1989 war ein billig produzierter Action-Reißer mit Dolph Lundgren. Und „Captain America“ von 1990 war so schlecht, dass er bei uns nur auf Video erschienen ist. Also verkaufte man die Filmrechte an den „X-Men“ an 20th Century Fox und dieses große, finanzkräftige Studio brachte im Jahr 2000 den ersten Film rund um die Mutantenhelden in die Kinos. Es folgten Teil zwei und drei, dann der erste Film um Wolverine, dann kam das Reboot der Serie mit jüngeren Darstellern, noch ein Wolverine-Film und ein zweiter Teil der neuen Serie bevor „Deadpool“ frischen Wind in die etwas angestaubte Welt der „X-Men“ brachte.
 
Dieser frische Wind war auch dringend nötig, denn der im gleichen Jahr erschienene „X-Men: Apocalypse“ war ein eher durchwachsener Film voller Effekte aber bar jeder Spannung. Erst „Logan – The Wolverine“ zeigte wieder, dass man bei 20th Century Fox auch aus seinem Trott ausbrechen konnte. Zu schade, dass der mittlerweile vierte Teil der neuen Filmreihe rund um Professor Xaviers Heldentruppe wieder so unoriginell ausfallen musste.
 
Rise like a Phoenix
 
Aber “X-Men: Dark Phoenix“ ist nicht nur unoriginell. Der ganze Film wirkt furchtbar altmodisch. Wir haben in den letzten Jahren zu viele Filme gesehen, in denen auch Superhelden als komplexe Charaktere gezeigt wurden, um die schablonenhaften Figuren dieses Films interessant finden zu können. Der Professor meint es nur gut. Seine Schwester meint es noch besser. Jeder ist bereit sich für seine Freunde zu opfern und/oder diese zu rächen. Und böse sind überhaupt nur noch die Außerirdischen, die dafür aber so richtig. Nicht mal Magneto ist noch ein ambivalenter Charakter.
 
Mit solchen klischeehaften Protagonisten kann man natürlich nur schwer eine interessante Handlung entwickeln. Trotzdem hätte sich Drehbuchautor Simon Kinberg („X-Men: Apocalypse“, „Fantastic Four“) sehr viel mehr Mühe geben müssen. Das bisschen Handlung wird fast nie gezeigt, immer nur erzählt. Das dafür aber ausgiebig. Auch die Entwicklung der Figuren wird immer nur erklärt, kaum jemals von den Schauspielern dargestellt. Dieser Film ist voll mit Dialog. Und nichts davon ist gut geschrieben.
 
Die armem Darsteller müssen Klischee über Klischee von sich geben, einen Allgemeinplatz nach dem anderen herunterleiern. Zeilen wie „Manchmal möchte man glauben, dass Menschen nicht so sind wie sie zu sein scheinen. Und wenn man dann die Wahrheit erkennt, ist es zu spät“ müssen den Schauspielern doch bereits bei den Dreharbeiten Kopfschmerzen verursacht haben. Und warum lässt man einen großartigen Künstler wie Michael Fassbender minutenlang Sachen sagen, wie „Ich habe Menschen getötet weil ich dachte, der Schmerz würde dann aufhören.“? So erzeugt man im Film weder Spannung noch Stimmung. Kein Wunder, wenn uns die Heldentode kalt lassen.
 
Aber dem Film fehlt es nicht nur an Spannung. “X-Men: Dark Phoenix“ ist auch der erste Film seiner Art, der praktisch komplett ohne Humor auszukommen versucht. Gut, nach einer halben Stunde muss Storm auf einer Party Eiswürfel erzeugen. Aber das war dann auch schon der einzige kleine Scherz mit dem Regisseur Simon Kinberg die dröge Handlung aufzulockern versucht. Ach ja, ganz am Schluss ermahnt Quicksilver die Schüler am Flur nicht zu laufen. Quicksilver, der schnellste der Mutanten, warnt davor zu schnell zu sein. Na, wenn das nicht witzig ist …
 
 
Flight of the Phoenix
 
Die Handlung und die Figuren hinterlassen also wenig Eindruck. Vermag der Film denn wenigstens visuell zu beeindrucken? Leider nein. Visuell bietet “X-Men: Dark Phoenix“ wenig bis gar nix. Die Verwandlung der Titelheldin wird durch leuchtende Risse im Gesicht vermittelt. Eine Rettungsmission im All funktioniert so halbwegs. Die Bösewichtin tötet Menschen indem sie ihnen aus einer Entfernung von zwei Metern den Bauch faltet, was ungefähr so doof aussieht wie es klingt. Ein Kampf um einen Hubschrauber wäre im Jahr 2000 gar nicht schlecht gewesen Leider haben wir 2019 und vergleichbares allzu oft besser gesehen. Ein Schlafzimmer, das sich auflöst und zum Weltall wird, wirkt eher lahm. Beasts Herumgehüpfe in Ney York sieht lächerlich aus. Der Endkampf bietet dann auch nichts Sehenswertes.
 
X-Men and X-Women
 
James McAvoy und Michael Fassbender gehören zu den besten Darstellern ihrer Generation. Sowohl Jennifer Lawrence als auch Nicholas Hoult haben bereits in jungen Jahren Großartiges geleistet. Keiner von ihnen wirkt in diesem Film irgendwie gefordert.
 
Die große Jessica Chastain („Molly’s Game“) wirkt in diesem Film nicht einfach nur unterfordert. Sie die lächerliche Nicht-Rolle der bösen Außerirdischen spielen zu lassen, ist so als hätte man sich von Dr. Christiaan Barnard einen Pickel ausdrücken lassen oder als hätte man Stephen Hawking als Nachhilfelehrer für einen Erstklässler beschäftigt.
 
Sophie Turner spielt meines Wissens in der Serie „Game of Thrones“ mit. Ich habe diese Serie noch nie gesehen und weiß daher nur, dass es darin irgendwie um Drachen, nackte Frauen und Kaffeebecher geht, nicht aber, ob Frau Turner dort darstellerisch mehr leistet als in ihren bisher zwei „X-Men“-Filmen. Man kann es nur hoffen.
 
 
Fazit
 
Wer sich von einem sehr mittelmäßigen Superheldenfilm ohne jede Spur von Humor ein bisschen runterziehen lassen möchte, sollte sich sofort auf dem Weg zum Kino seiner Wahl machen. Alle anderen warten erstmal in Ruhe ab. 20th Century Fox gehört nämlich seit einigen Monaten genauso wie die Marvel Studios zu Disney. Das bedeutet, einem Neustart der X-Men und einer Zusammenarbeit mit den Avengers steht nun nichts mehr im Wege.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Simon Kinberg
  • Drehbuch: Simon Kinberg
  • Besetzung: Jennifer Lawrence, Michael Fassbender