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Isle of Dogs - Kinostart: 10.05.2018

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Isle of Dogs ist eine verrückte Geschichte und bereits der zweite Stop-Motion-Film ...
 
... von Wes Anderson. Wieder einmal erschafft er ein skurriles Universum voller Poesie und Einfalt.
 
Wenn das ganze Leben vor die Hunde geht
 
Die Stop-Motion Technik mutet in Zeiten computeranimierter Filme seltsam altmodisch an und passt genau deshalb so perfekt zu Wes Anderson, der all seinen Filmen immer einen sehr speziellen Retro-Look verleiht. Etwa vier Jahre hat es gedauert dieses neue Meisterwerk auf die Leinwand zu bannen indem jeder einzelne Frame fotografisch festgehalten wurde, was bei 25 Bildern pro Sekunde eine enorme Fleißarbeit ist. Wes Anderson hat sich bei Der fantastische Mr. Fox bereits mit dieser Technik auseinandergesetzt und nun eine Geschichte über die besondere Freundschaft von Menschen und Hunden verwirklicht.
 
In der etwas dystopisch angelegten japanischen Stadt Megasaki werden per Dekret alle Hunde verbannt, da sie im Verdacht stehen, mehrere gefährliche Krankheitserreger in sich zu tragen. Als erstes deportiert der Bürgermeister symbolisch den Wachhund seines Adoptivsohnes Atari auf die abgelegene Müllinsel Trash Island. Der Hund heißt Spots und ist auch der Grund warum einige Zeit später der junge Atari mit einem Flieger auf diese Insel flüchtet, um seinen tierischen Freund zu suchen. Im Laufe der Zeit haben sich dort etliche andere verbannte Hunde im Überlebenskampf zu kleinen Gruppen zusammengefunden und ein Rudel unter der Leitung des Straßenköters Chief hilft dem Jungen bei der Suche.
 
Dafür müssen sie allerdings die komplette Insel durchqueren, einige Gefahren überstehen und vor allem Chief muss entgegen aller bisherigen Instinkte lernen, zumindest diesem kleinen Jungen zu vertrauen. Währenddessen wird in der Stadt nach einem Serum gesucht, dass die Hundeseuche bekämpfen kann, doch der verantwortliche Wissenschaftler wird nach einem erfolgreichen Test ermordet. Die junge amerikanische Austauschschülerin Tracy beschließt, im Auftrag der Schülerzeitung in diesem Fall zu ermitteln und ist bald einer groß angelegte Verschwörung gegen die Hunde auf der Spur. Auch das Schicksal des jungen Atari spielt dabei eine große Rolle.
 
Wie der Hund so sein Herrchen
 
Es gibt bereits einige Filme über Hunde und deren besondere Beziehung zu Menschen wurde auch schon vielfach gezeigt. Doch dieser Film ist sowohl formal als auch inhaltlich etwas anders. Wes Anderson spielte bereits bei Grand Budapest Hotel mit verschiedenen Formaten für verschiedene Zeitebenen, diese Formenspielerei betreibt er auch hier und hat sich scheinbar intensiv mit der japanischen Bildsprache auseinandergesetzt. Die ersten Minuten des Films ist man daher erst einmal überfordert von dem was da auf einen einprasselt. Doch bald schon nimmt man diese Sehgewohnheiten an und kann sich ganz auf die ebenfalls fordernde Handlung konzentrieren.
 
Die Dramaturgie arbeitet mit einer komplexen Rahmenhandlung, die sich um einen Jahrhunderte alten Kampf zwischen Hunden und Katzen dreht. Vor allem funktioniert die Geschichte aber als Metapher mit Parallelen zu diktatorischen Machtergreifungen und ethnischen Säuberungen. Auch der teilweise rabiate Umgang mit Straßenhunden in Spanien, Südkorea, Osteuropa und China kommt einem sofort in den Sinn. Obwohl also eine klassische Heldenreise erzählt wird und auch dank der Stop-Motion-Technik das Ganze im Gewand eines Kinderfilms daher kommt, drängen sich aktuelle politische Vergleiche geradezu auf und sorgen zusammen mit den teilweise brutalen Szenen für eine ungeheure Brisanz.
 
 
Diese Schnittstelle zwischen kindlicher Fantasie und erwachsener Grausamkeit ist seit jeher das Spielfeld von Wes Anderson und seinen etwas verschrobenen Figuren. Diese Charaktere werden im Original von einigen bekannten Hollywoodstars verkörpert, wenn auch diesmal nur stimmlich. So ist Bill Murray zum wiederholten Male mit von der Partie, sowie Scarlett Johansson, Edward Norton, Bryan Cranston, Liev Schreiber und Greta Gerwig. Dazu kommt dass alle menschlichen Figuren japanische sprechen, und dabei nicht synchronisiert, sondern nur untertitelt werden, was dem Film eine spannende erzählerische Tiefe und der Geschichte Authentizität verleiht.
 
Eine filmische Hommage an japanische Meister
 
Die Handlung spielt also ausschließlich in Japan, hat viele japanische Sprecher, japanischeTexttafeln, die ebenso nur untertitelt werden und bedient sich ganz allgemein bei der japanischen Bildsprache und Filmtradition. Es gibt wohl wenige Regisseure auf der Welt die stilistisch so weit gehen würden und diesen Spagat zwischen klassischem Hollywood und japanischem Arthouse trotzdem dermaßen elegant auf die Leinwand bringen. Doch Wes Anderson gelingt erneut ein ganz eigener Film, ein weiteres Kleinod für seine wachsende Fangemeinde.
 
Eher unbedarfte Kinobesucher werden dahingegen streckenweise überfordert sein, vor allem wenn sie es nicht gewohnt sind Untertitel zu lesen. An anderen Stellen wiederum ist das westlich geprägte Publikum gefordert die Langsamkeit der Erzählung auszuhalten, wenn Wes Anderson sich Zeit nimmt, seine symmetrischen Bilder zu komponieren und wirken zu lassen. Sehr viel mehr gibt es nicht zu bemängeln und einmal mehr verblüfft uns Wes Anderson mit einer seiner extrem verspielten und dabei erstaunlich detailreichen Geschichten.
 
 
Fazit
 
Ein klassischer Wes Anderson Film, mit allen bekannten Zutaten, aber doch immer wieder überraschend. Für alle Cineasten, Japanologen und Hundeliebhaber.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Wes Anderson
  • Drehbuch: Wes Anderson
  • Besetzung: Bryan Cranston, Edward Norton