Before I Wake

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Mit gleich zwei Filmen ist Regisseur Mike Flanagan dieser Tage im Kino vertreten. „Quija – Ursprung des Bösen“ ist der größere von beiden, „Before I Wake“ sicherlich der persönlichere.
 
Als Autor hat er aber an beiden mitgewirkt. Zudem hat sich Flanagan schon mit den Genre-Filmen „Absentia“ und „Oculus“ bewährt.
 
Wenn Träume wahr werden
 
Für Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Jane) ist das Leben nicht mehr, wie es einmal war, seit sie ihren kleinen Sohn Sean verloren haben. Sie entscheiden sich nun jedoch, ihre Liebe einem anderen Kind zu schenken und nehmen den kleinen Cody (Jacob Tremblay) als Pflegekind auf. Der Junge hat schon einiges durchgemacht und verschiedene Pflegeeltern gehabt. Den Grund hierfür finden Jessie und Mark in der ersten Nacht heraus. Doch in dieser Nacht passiert noch Wundervolles.
 
Denn die Schmetterlinge, von denen Cody träumt, tauchen urplötzlich im Wohnzimmer auf, verschwinden aber auch so schnell, wie sie gekommen sind, als der kleine Junge erwacht. Das ist die schöne Seite an Codys Träumen. Aber Cody hat nicht nur gute Träume. Er hat auch Albträume, die einen Schrecken manifestieren, der Menschen verschwinden lässt.
 
Mehr als Horror
 
Den Filmen von Mike Flanagan ist gemeinsam, dass sie in der Regel mehr als einfachen Horror bieten. Der Mann ist ein Fan des Genres, versucht aber auch, Grenzen auszuloten. Das merkt man besonders schön an „Before I Wake“, der zwar als reinrassiger Horrorfilm beworben wird, aber weit mehr als das ist. Tatsächlich handelt es sich im Grunde um ein Drama mit übernatürlichen Momenten.
 
Ohne dieses Element würde die Geschichte nicht funktionieren, aber davon abgesehen konzentriert man sich vor allem auf die drei Hauptfiguren und das, was sie verbindet: Verlust. Die Eltern haben den Sohn, das Kind seine Mutter verloren. Sie alle ersehnen sich das, was sie nicht länger haben, und gehen dabei sehr unterschiedlich vor.
 
Natürlich ist Codys Albtraumgestalt das ideale Monster, aber weit interessanter als das ist, wie sich Vater und Mutter benehmen. Denn Codys Träume bieten ihnen etwas, das sie nicht mehr für möglich gehalten hätten: eine Begegnung mit ihrem toten Sohn. Daraus entsteht ein moralischer Konflikt, der zwischen den beiden Erwachsenen ausgetragen wird, aber auch in der Mutter selbst vorherrscht. Denn sie muss der Eigensuch widerstehen, den Jungen nur noch am Schlafen zu halten, um so die kostbaren Momente mit ihrem eignen Fleisch und Blut zu erhalten.
 
Man hätte das noch etwas vertiefen können, der Ansatz ist aber schon ausreichend genug, um „Before I Wake“ zum emotional und intellektuell spannenden Film werden zu lassen.
 
Ein beängstigendes Monster
 
Interessant ist auch die Gestaltung des Monsters. Mit diesem hat es mehr auf sich, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Rein visuell ist es prickelnd erschreckend, aber der Unterbau, der mit ihm einhergeht, ist noch bemerkenswerter. Weil er dem Zuschauer ganz plötzlich und sehr unmittelbar den Blickwinkel eines kleinen Jungen verleiht, der Dinge nicht immer so wahrnimmt, wie sie sind. Oder anders gesagt: Aus Kindersicht kann die Realität weit schöner oder gruseliger sein, als sie es wirklich ist.
 
Bemerkenswert ist, dass Flanagan sich eines reinen Happyends verwehrt. Aber er findet eines, das eine Form von Glückseligkeit mit sich bringt, wenn auch gepaart mit tiefem Schmerz und echter Traurigkeit. Aber es ist mehr als angemessen für einen Film wie diesen.
 
Fazit
 
„Before I Wake“ ist ein schöner Film, aber längst kein reinrassiger Vertreter des Horror-Genres. In der Beziehung erinnert er mehr an den australischen „Der Babadook“, der es ebenfalls verstanden hat, die Grenzen zwischen Horror und Drama fließend zu halten. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass „Before I Wake“ hoffnungsvoller erscheint, da er noch einen Hauch von Fantasy einfließen lässt, der dem australischen Kollegen einfach fehlt.
 
Sehenswert ist Mike Flanagans Geschichte auf jeden Fall – wenn man unter Horror mehr versteht als nur Schockmomente und reichlich Splatter.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Peter Osteried
  • Regie: Mike Flanagan
  • Drehbuch: Mike Flanagan, Jeff Howard
  • Besetzung: Kate Bosworth, Thomas Jane