Ein Film, der beginnt, wie wenn man ein Poesie Album aufschlägt.
Einfühlsam, gefühlvoll und warmherzig. Aber auch mit einer Botschaft, wie wir lernen können mit Schicksalen im positiven Sinne umzugehen. „Radiance“ handelt von einem verbitterten Fotografen, Mr. Nakomori, der allmählich sein Augenlicht verliert. Sowie einer Journalistin, die ebenfalls mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen hat. Und wie die beiden schließlich zueinander finden und sich neuen Lebensmut geben.
Aber zunächst lernen wir Mr. Nakomori kennen. Ein ehemals angesehener, aber jetzt fast erblindeter Fotograf, der eine Einrichtung besucht, in welcher er unter Gleichgesinnten über seine Probleme im Alltag sprechen kann. Mrs. Misako Ozaki arbeitet dort und führt den Blinden Filme vor, die sie mit eigens verfassten Texten kommentiert, um ihnen so deren Inhalte zu vermitteln.
Das wiederum stellt der verbitterte Mr. Nakomori ziemlich in Frage. Und lässt dadurch Misako immer mehr an ihren Texten und sich selbst zweifeln. Denn auch ihr fehlt es an Stärke, weil ihr das Schicksal ihrer demenzkranken Mutter und der frühe Tod ihres Vater ziemlich zu schaffen macht.
Zwei Schicksale
Eine Figur die also ebenso unter Depressionen und Minderwertigkeitskomplexen leidet, wie der erkrankte Fotograf. Dennoch haben diese recht unterschiedlichen Schicksalsträger aber trotzdem eines gemeinsam.
Beide Charaktere leben nämlich in der Vergangenheit und kommen mit der Gegenwart nicht zurecht. Denn während sich Misako an Kindheitserinnerungen klammert, definiert sich Nakomori nur durch seine Kamera. Dadurch schottet er sich von der Außenwelt immer mehr ab und reagiert auf Misakos Versuche ihm zu helfen mit Ablehnung.
Wie in Trance Bis Nakomori sein Augenlicht komplett verliert und schließlich doch Misako sein Herz öffnet. Und plötzlich sogar Halt und Nähe bei ihr sucht und nicht mehr bei seiner Kamera.
In seinen Bildern entdeckt sie wiederum eine seltsame Verbindung zu ihrer Vergangenheit – und gemeinsam entdecken die beiden eine strahlende Welt, die für Misakos Augen bislang unsichtbar war. Gefühlswelten, die dem Zuschauer durch Musik und Metaphern einfühlsam vermittelt werden. Und uns dadurch eins mit den Protagonisten werden lassen.
Erzählt in ruhigen Bildern mit warmer Farbgebung. Fast wie in Trance.
Fazit
„Radiance“ ist ein Film über zwei Menschen, die lernen müssen mit ihrem Schicksal umzugehen. Ergreifend und mit viel Gefühl von der japanischen Regisseurin Naomi Kawase („Still the Water“, „Kirschblüten und rote Bohnen“) inszeniert.
Ihr bildgewaltiges, poetisches Drama sorgte für große Aufmerksamkeit und Presseresonanz an der Croisette. „Radiance“ war außerdem auf dem diesjährigen Filmfest München in der Reihe Spotlight zu sehen.
Kein Massenkino, aber für Cineasten vor allem wegen seiner starken Bildsprache, die perfekt mit der musikalischen Untermalung harmoniert, in jedem Fall empfehlenswert.
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