Arielle, die Meerjungfrau - Kinostart: 25.05.2023

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Und wieder beschert uns Disney eine Realverfilmung eines ihrer Klassiker.
 
Nun stellt sich bloß die Frage, kann „Arielle“ den Erfolg von „Die Schöne und das Biest“ wiederholen oder bekommen wir eher so etwas wie den letztjährigen „Pinocchio“?
 
I know something’s starting now
 
An der Geschichte hat sich seit 1989 nicht viel geändert. Arielle, die jüngste Tochter Königs Tritons zieht es in die Welt der Menschen. Sie rettet Prinz Erik vor dem Ertrinken, verliebt sich in ihn, geht mit der bösen Meerhexe einen Handel ein, der ihr zunächst die Stimme kostet und später das Leben kosten kann und so weiter und so fort. Was hat die Realverfilmung also Neues zu bieten? Oder was ist an der Realverfilmung anders?
 
Die gute Nachricht zuerst: Die Musik ist immer noch hervorragend. Der großartige Alan Menken hat die Musik für fast alle Erfolgsfilme aus Disneys „Renaissance-Ära“ geschrieben. Nicht nur „Arielle, die Meerjungfrau”, sondern auch “Die Schöne und das Biest“, „Aladdin“, „Pocahontas“ „Der Glöckner von Notre Dame“ und weitere Filme wurden vor allem wegen seiner Musik schnell zu Klassikern. Menken hat seine eigene Musik für den neuen Film an manchen Stellen behutsam bearbeitet und zusammen mit Lin-Manuel Miranda („Encanto“) sogar einige neue Songs komponiert.
 
Und die Musik wird hervorragend interpretiert. Halle Bailey singt wunderschön. Sie klingt in der Rolle wirklich wie eine träumende, sehnende und liebende junge Frau. Wenn sie in einer Szene von Jodi Benson, Arielles Originalstimme von 1989, eine Gabel bekommt, wird damit praktisch ein Staffelstab weitergereicht. Daveed Diggs hat mit Lin-Manuel Miranda bereits bei „Hamilton“ zusammengearbeitet und lässt „Under the Sea“ absolut authentisch klingen.
 
Der Klang der neuen Version wird also dem Klassiker von 1989 absolut gerecht. Aber wie steht es darum, was man auf der Leinwand zu sehen bekommt? Vieles was in einem Animationsfilm funktioniert, muss in einem Realfilm nicht unbedingt funktionieren. Manches was in animierter Form eine bestimmte Wirkung erzielt, wirkt im Realfilm vielleicht ganz anders? Natürlich sind die (computer-)technischen Möglichkeiten der letzten Jahre mit den Beschränkungen von 1989 nicht zu vergleichen. Aber muss man alles machen, was man kann, bloß weil man es kann?
 
 
Someday I'll be Part of your World
 
So sieht die „reale“ Unterwasserwelt im direkten Vergleich einfach nicht so bunt aus wie die wunderschön gemalte Version von 1989. Das ist sicher nicht beabsichtigt und auch gar nicht möglich und macht den Vergleich unzulässig. Aber erzählen sie das mal einem kleinen Mädchen (gleich welchen Alters), dessen Lieblingsfilm die Zeichentrickversion ist.
 
Vieles, was im Animationsfilm für kleiner Kinder bloß ein bisschen gruselig war, könnte sie in der aktuellen Version überfordern. Dazu gehören Szenen mit Folter durch Stromschläge von Zitteraalen die wie besessene Monstermuränen aussehen. Das Meerjungfrauenskelett hätte kein Zuseher so realistisch gezeigt bekommen müssen. Vielleicht hätten die Filmemacher besser ganz darauf verzichtet. Man muss sich Sorgen machen, was alles in der geplanten Realverfilmung von „Der Glöckner von Notre Dame“ zu sehen sein wird.
 
Aber nicht alles wirkt gruselig. Eine Kutschfahrt mit Slapstick-Einlage wirkt vor allem ungeschickt. Hier hätte Regisseur Rob Marshall („Into the Woods“) für mehr Action oder für mehr Lacher sorgen müssen. Javier Bardem wirkt als Triton selbst unter Wasser niemals so majestätisch, wie sein gezeichnetes Vorbild. Wenn der Meeresgott aber halb aus dem Wasser ragt, sieht er aus wie ein etwas verzweifelter, alter Cosplayer.
 
 
Auch Melissa McCarthy („Brautalarm“) tut sich als Ursula schwer. Ihre animierte Vorgängerin hat große Fußstapfen bzw. Tentakelspuren hinterlassen. Die neue computergenerierte Form überzeugt. Das kann man von McCarthys Darstellung leider nicht in jeder Szene behaupten.
 
Der großartige Art Malik („Der Hauch des Todes“) vermittelt eine stille Würde und ein tiefes Verständnis als Berater des Prinzen. Die britische Theaterschauspielerin überzeugt als Königin und als Mutter. Die Stimmen von Daveed Diggs, Awkwafina und vor allem Jacob Tremblay („Raum“) erwecken allerlei Getier zum Leben.
 
Der noch recht unbekannte Brite Jonah Hauer-King wirkt ebenso agil wie sympathisch als Prinz Erik. Und er sieht seinem Vorbild sogar recht ähnlich. Halle Bailey ist bezaubernd. Mit ihrer Darstellung werden sich nicht nur kleine Mädchen weltweit jederzeit identifizieren können.
 
Zum Ende noch eine Frage an die geneigten Leser*innen: Bin ich der einzige, der mehr als dreißig Jahre lang der Meinung war, der Film würde „Arielle, die kleine Meerjungfrau” heißen?
 
 
Fazit
 
Großartige Musik und eine zum großen Teil hervorragende Besetzung stehen einigen ungeschickt gestalteten Elementen in einem etwas zu langen Film gegenüber. Der Film ist aber sicher kein Fehlschlag, wie zuletzt „Pinocchio“.
 
 
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Link zum Film >> dplus b
 
 

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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Rob Marshall
  • Drehbuch: Jane Goldman
  • Besetzung: Halle Bailey, Melissa McCarthy