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Honest Thief - Heimkino-Start: 28.01.2021

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Das im Herbst seiner Karriere aufgebaute Image als schlagkräftiger Recke pflegt ...
 
... der gebürtige Nordire Liam Neeson auch in „Honest Thief“ – dieses Mal allerdings gepaart mit romantischen Untertönen. Eine gute Mischung?
 
Liebe auf den ersten Blick
 
„Hard Powder“, „The Commuter“, „Run All Night“, um nur drei Beispiele zu nennen. Immer wieder tauchte der Hüne Liam Neeson in den letzten Jahren in Actionthrillern auf und spielte dort stets einen in die Enge getriebenen Mann, der zu drastischen Mitteln greift, um seine Haut zu retten oder erlittenes Unrecht zu rächen. Große Kinokunst durfte man dabei nie erwarten, in manchen Fällen aber sehr wohl solide, wendungsreiche Spannungskost samt charismatischem Hauptdarsteller.
 
Mit seiner zweiten Regiearbeit „Honest Thief“ will der bislang vor allem als Produzent tätige Mark Williams (unter anderem beteiligt am Ben-Affleck-Vehikel „The Accountant“) offenkundig an dieses Muster anknüpfen, ergänzt es jedoch auch um eine romantische Note, die man aus Neesons vorangegangenen Reißern eher nicht kennt. Den eigentlich ganz netten Gedanken setzen Williams und Koautor Steve Allrich allerdings mit einem frustrierend überraschungsarmen und arg konstruierten Drehbuch in den Sand.
 
Die Misere beginnt schon im ersten Akt, der kein Gespür für eine saubere, den Zuschauer packende Figureneinführung erkennen lässt. Eine einzige Begegnung zwischen dem gewieften Ganoven Tom Dolan (Liam Neeson) und der im Büro eines Mietlagers arbeitenden Annie Wilkins (Kate Walsh) reicht den Machern aus, um eine große Liebe zu etablieren. Dank der Schauspieler liegt in dieser Szene zwar ein Knistern in der Luft. Dass der Film anschließend jedoch sofort ein Jahr weiterspringt und die beiden als überglückliches Pärchen zeigt, ist, wie sich bald herausstellt, ein ärgerlicher Schnellschuss. Zumindest etwas Einblick in ihr Kennenlernen hätte es gebraucht, um ihre Zuneigung wirklich nachvollziehen und im Fortgang noch stärker mit ihnen mitfiebern zu können. Vor allem Annie bleibt ein leeres Blatt, obwohl sie im Dialog mehrfach als besondere Frau bezeichnet wird. Woran genau sich dies festmachen lässt, verraten Williams und Allrich leider nicht.
 
Wenig Dynamik
 
Tom scheint dennoch hin und weg zu sein. Warum sonst sollte der auf den Namen „In-and-Out-Bandit“ getaufte, bislang unerkannte gebliebene Räuber, der sich auf Einbrüche in kleine Banken spezialisiert hat, seinem illegalen Treiben plötzlich abschwören wollen. Während Annie nichts von seiner kriminellen Laufbahn ahnt, wendet er sich an das FBI, um das gestohlene Geld zurückzugeben und einen für ihn möglichst günstigen Deal auszuhandeln. Der erfahrene Ermittler Samuel Baker (Robert Patrick) hält den Anrufer allerdings für einen der üblichen Spaßvögel und verdonnert genervt zwei jüngere Kollegen, die Angaben zu überprüfen. Beim Anblick der stattlichen Beute sieht der Polizist John Nivens (Jai Courtney) seine große Chance gekommen, weshalb er seinen von Gewissensbissen geplagten Partner Ramon Hall (Anthony Ramos) bearbeitet, den Fund gemeinsam zu unterschlagen. Ein Treffen mit Dolan endet kurz darauf in einer blutigen Entgleisung, nach der Tom und Annie die Flucht ergreifen müssen.
 
 
„Honest Thief“ gibt sich keine große Mühe, die eigene Fantasielosigkeit zu kaschieren. Toms Motiv für sein Verbrecherdasein ist platt und haarsträubend. Statt ihre Beziehung zu hinterfragen, wischt Annie, als sie von den Taten ihres Partners erfährt, seine Unehrlichkeit rasch beiseite und schaut mit immer größerer Bewunderung zu ihm auf. Die korrupten Cops benehmen sich erschreckend kopflos. Gerade Nivens ist in seiner Rambo-Manier als skrupelloser Gegenspieler nur schwerlich ernst zu nehmen.
 
Und noch dazu lassen sich die meisten Handlungsschritte treffsicher vorhersagen. Dass Annie in Gefahr geraten und Hall von seinen Schuldgefühlen irgendwann erdrückt wird, riecht man mehrere Kilometer gegen den Wind. Für leichte Verblüffung sorgen lediglich das frühe Ableben einer der auftretenden Figuren und der skurrile Running Gag rund um den FBI-Beamten Sean Meyers (Jeffrey Donovan), der nach der Trennung von seiner Frau den gemeinsamen Hund behalten hat und den Vierbeiner nun fast überall mit hinschleppt. Treiben in anderen Neeson-Thrillern die Actionszenen oft den Puls nach oben, liefert „Honest Thief“ auch in dieser Hinsicht nur selten ab. Einige routiniert arrangierte Verfolgungsjagden bringen etwas Schwung in das Geschehen. Die rar gesäten Kampfmomente wirken dafür aber meistens seltsam schwerfällig. Wenn so viel im Argen liegt, kann selbst der Hauptdarsteller mit seiner markanten Ausstrahlung herzlich wenig reparieren.
 
TRAILER
 
Fazit
 
Ein Liam-Neeson-Streifen, der lediglich eine Heimkinoauswertung erfährt, auf der großen Leinwand allerdings auch nichts verloren hätte. Erzählerisch und inszenatorisch gibt es hier wenig Positives zu vermelden.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Christopher Diekhaus
  • Regisseur: Mark Williams
  • Drehbuch: Steve Allrich
  • Besetzung: Liam Neeson, Kate Walsh