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IP Man 4: The Finale - Kinostart: 05.03.2020

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Der vierte Film über das Leben des legendären Kung-Fu-Lehrers ...
 
... Ip Man erinnert an einen Oscar-prämierten Filmklassiker. Das klingt zunächst mal nach guten Nachrichten …
 
Ode an den Frühling
 
1964 ist Ip Man (Donnie Yen) im Herbst seines Lebens angekommen. Aber es ist kein goldener Herbst. Seine geliebte Frau ist bereits verstorben, er selbst hat Krebs. Und sein jüngster Sohn wird wegen disziplinärer Probleme der Schule verwiesen. Also beschließt der Kampfkunstlehrer zum ersten Mal in seinem Leben China zu verlassen. Er folgt der Einladung seines berühmten Schülers Bruce Lee nach San Francisco um dort eine Schule für seinen Sohn zu finden. Aber auch dort erwarten ihn Probleme …
 
Die meisten Martial-Arts-Filme sind, wie überhaupt die meisten Genrefilme, nicht besonders gut gemacht. Die Filme von Regisseur Wilson Yip gehören zu den seltenen Ausnahmen. Wilson hat selbst mit billigen Kung-Fu-Filmen angefangen. Aber spätestens mit seiner Serie nach Motiven aus dem Leben des historischen Vorbilds Ip Man hat er den engen Rahmen dieses Genres längst verlassen. Und auch der vierte und voraussichtlich letzte Teil der Serie zeigt nicht nur Martial-Arts auf allerhöchstem Niveau. Der Film funktioniert auch als anspruchsvolles Drama vor historischem Hintergrund.
 
Kamera, Ton und Licht arbeiten in diesem Film hervorragend. Die Ausstattung ist fast ein bisschen zu schön. Wie in so vielen Filmen, die in vergangenen Jahrzehnten spielen, sind zum Beispiel die Autos allesamt auf Hochglanz polierte Sammlerstücke. Die Kampfszenen des Films sind hervorragend choreografiert. Yuen Woo-Ping war unter anderem für die Kampfszenen in der „Matrix“-Trilogie und „Kill Bill 1 & 2“ aber auch in „Tiger and Dragon“ und „Hero“ verantwortlich. Man wird in diesem Jahr keine hochwertiger inszenierten Kampfkunstsequenzen im Kino zu sehen bekommen als in diesem Film.
 
Auch als Drama funktioniert der Film erstaunlich gut. Obwohl die meisten Rollen pure Klischees sind und die Handlung absolut vorhersehbar ausfällt, erreicht uns der Film emotional. Und der großartige Donnie Yen liefert eine der besten Leistungen seiner Karriere. Warum also bereitet mir dieser Film solche Probleme?
 
I like to be in America
 
Während des Films fühlte ich mich an die großen Filmmusicals der Vergangenheit erinnert. Vor allem „West Side Story“ ging mir immer wieder durch den Kopf. Nicht bloß, weil dieses Musical ungefähr zu der Zeit entstanden ist, in der „Ip Man 4“ spielt. Auch „West Side Story“ war damals extrem hochwertig inszeniert. Der Film bot ebenfalls eine klischeehafte vorhersehbare Handlung und hat das Publikum doch tief berührt. Auch damals wurde das Drama von hervorragend choreografierten Szenen unterbrochen. Bloß waren es an New Yorks West Side eben Tanz- und Gesangsszenen und hier in San Francisco sind es Kampfszenen.
 
Und auch „West Side Story“ bereitet dem aufmerksamen Betrachter mittlerweile Probleme. 1961 war es schon eine Besonderheit, die Nebenrolle einer Puerto-Ricanerin tatsächlich von der aus Puerto-Rico stammenden Rita Moreno spielen zu lassen. Aber nicht nur die Hauptdarstellerin Natalie Wood (eine Amerikanerin russischer Abstammung), sondern auch Moreno mussten damals mit lächerlich übertrieben braun geschminkten Gesichtern spielen. „Fremde“ hatten zu dieser Zeit im Film gefälligst auch eindeutig „fremd“ auszusehen. Da hilft auch die reichlich plumpe völkerverbindende Botschaft nichts mehr. Das „brownfacing“ und andere rassistische Klischees bringen „West Side Story“ auf die lange Liste von Klassikern, die den „test of time“ leider nicht bestanden haben.
 
 
„Ip Man 4“ will uns eine fast ebenso plumpe Botschaft gegen Rassismus vermitteln. Und bedient sich dazu furchtbar rassistischer Mittel. Nicht eine einzige amerikanische Figur in diesem Film ist kein Klischee. Die Weißen sind alle Rassisten. In ihrem Rassismus scheuen sie auch nicht vor Amtsmissbrauch oder Körperverletzung zurück. Keine der weißen Figuren sieht jemals einen Fehler ein. Der einzige schwarze Amerikaner in diesem Film ist ungebildet (er lernt zwar Kung-Fu, weiß sich aber in China überhaupt nicht zu benehmen) und trägt einen lächerlichen Afro wie ihn 1964 kein Regierungsbeamter tragen durfte.
 
Zu den offensichtlichen rassistischen Klischees dieses Films kommen noch einige subtilere hinzu. Ein wichtiger Punkt des Films ist die Überlegenheit des chinesischen Kung-Fu gegenüber Karate. Wenn man weiß, aus welchem Inselstaat im Pazifik Karate stammt und wie viele Kriege China bereits gegen diesen Erzfeind geführt hat, sieht man diesen Konflikt des Films mit ganz anderen Augen. Dazu passt auch, dass der asiatische Karate-Ausbilder ebenso aggressiv und sadistisch ist wie sein weißer Vorgesetzter.
 
Natürlich gab und gibt es in den USA Rassismus. Und Minderheiten hatten und haben furchtbar unter Benachteiligung und Feindseligkeit zu leiden. Aber müssen wir uns diese Botschaft mit rassistischen Klischees vermitteln lassen? Die Art wie die Brutalität der US-Behörden im Film gezeigt wird, bereitet Bauchschmerzen. Noch mehr, wenn man weiß, dass Demonstranten in Hong Kong 2019 zum Boykott dieses Films aufgerufen haben weil Produzenten und Darsteller immer wieder offene Unterstützung für die chinesische Regierung in ihrem brutalen Kampf gegen sie geäußert haben. Wie diese Regierung auch heute noch mit Minderheiten umgeht, zeigen aktuelle Berichte über Umerziehungslager für Uiguren und andere religiöse und ethnische Minderheiten in Xinjang.
 
Wir haben hier also einen Film der Rassismus anprangert, in dem er sich rassistischer Klischees bedient und der Verständnis für Minderheiten und Veränderung predigt, obwohl seine Macher eine autoritäre Regierung unterstützen, die Minderheiten und Veränderungen bekämpft. Das macht es schwer, diesen ansonsten hervorragenden Film zu genießen. Das ist schade, denn der Look des Films ist großartig und der Hauptdarsteller leistet erstaunliches.
 
Donnie Yen ist einer der größten Filmstars Chinas. Bei uns ist er vor allem bekannt, weil er es in „Star Wars: Rogue One“ geschafft hat, uns „die Macht“ nach mehr als Dreißig Jahren wieder als metaphysisches Konzept zu vermitteln. Er spielt den Kung-Fu-Lehrer am Ende eines langen Lebens mit einer stillen Würde, die uns tief berührt. Gleichzeitig vermittelt er eine tiefsitzende Kraft, die seiner Figur dann auch in den Kampfszenen eine enorme Glaubwürdigkeit verleiht. In seinen besten Momenten lässt Yen beinahe alle Schwächen dieses Films vergessen.
 
 
Fazit
 
„Ip Man 4“ ist einer der besten Martial-Arts-Filme der letzten Jahre. Leider vermittelt er eine anti-rassistische Botschaft mit rassistischen Mitteln und erinnert mit diesem Konzept unangenehm an altmodische Filme der Vergangenheit. Vor allem Donnie Yens Darstellung macht den Film trotzdem sehenswert.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Wilson Yip
  • Drehbuch: Edmond Wong
  • Besetzung: Donnie Yen, Vanness Wu