Alle Auswege sind zu! In „21 Bridges“ erlebt Manhattan, so scheint ...
... es zumindest, einen Ausnahmezustand. Nach einem katastrophal verlaufenen Überfall wird das Herz New Yorks komplett abgeriegelt, um die flüchtigen Täter zu fassen.
Protagonist mit zweifelhaftem Ruf
Viel Zeit wollen Regisseur Brian Kirk und die Drehbuchautoren Adam Mervis und Matthew Michael Carnahan offenbar nicht verschwenden. Kurz und knapp erfahren wir in den ersten Minuten, dass Protagonist Andre Davis (Chadwick Boseman) nicht zuletzt wegen seines im Dienst ermordeten Vaters, der als Ordnungshüter tätig war, den Polizeiweg eingeschlagen hat. Er selbst gilt als schießfreudiger Cowboy und muss sich, da er bei der Arbeit schon diverse Menschen getötet hat, vor einem internen Untersuchungsausschuss erklären.
Seine Ermittlerfähigkeiten darf Davis nur wenig später unter Beweis stellen, als nach einem missglückten Überfall und einer wilden Schießerei mehrere Polizisten ihr Leben lassen. Die beiden Gangster, der spürbar überforderte Michael Trujillo (Stephan James) und der abgebrühte Ray Jackson (Taylor Kitsch), flüchten nach Manhattan, werden dabei von einem Blitzer erwischt und sollen mit einer drastischen Maßnahme in die Enge getrieben werden. Das Zentrum New Yorks wird auf Andres Drängen bis zum Morgengrauen vollständig abgeriegelt. Nicht nur die titelgebenden 21 Brücken, sondern auch alle anderen Abfahrtswege sind für einige Stunden gesperrt.
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Grundidee halbherzig ausgebaut
Angesichts dieser explosiven Ausgangslage sind Hoffnungen auf einen packenden Nervenkrieg und einen mitreißenden Wettlauf gegen die Uhr durchaus berechtigt. Umso bedauerlicher ist es, dass „21 Bridges“ die aufgebauten Erwartungen nur bedingt erfüllen kann. Der Druck, den die radikale Entscheidung eigentlich auf die Kriminellen auslösen müsste, kommt nur sporadisch zum Tragen. Und insgesamt schafft es der Film nicht, die Extremsituation konkret spürbar zu machen. Das Herz der Metropole, die bekanntlich niemals schläft, wird durch den weiträumigen Polizeieinsatz lahmlegt. Unruhe oder Angst wollen sich allerdings in der Bevölkerung überhaupt nicht ausbreiten. Hier und da sausen Hubschrauber durchs Bild. Und gelegentlich fällt der Blick auf aktuelle Fernsehberichte. Im Grunde ist es aber eine Nacht wie jede andere auch.
Erschwerend kommt hinzu, dass das Drehbuch einige nicht besonders glaubwürdige Entwicklungen nimmt und in seinem zeitlichen Ablauf manchmal etwas zu konstruiert erscheint. Der Plot, den Mervis und Carnahan entworfen haben, ist schlichtweg nicht raffiniert genug, um den geübten Zuschauer zu überraschen. Die Verschwörung, über die Davis während der Suche nach den Tätern stolpert, riecht man beispielsweise kilometerweit gegen den Wind. Um den geradlinigen Großstadtreißer etwas aufzupeppen, streuen die Autoren vereinzelte Kommentare zum harten, undankbaren Polizeialltag in das Geschehen ein. Mehr als Plattitüden sind dabei allerdings nicht drin.
Obwohl „21 Bridges“ viele sattsam bekannte Erzählmuster aufgreift, ohne sie mit einem kleinen Dreh zu versehen, geht die Spannungskurve in machen Phasen stärker nach oben. Zu verdanken ist dies vor allem dem Regisseur, der die Actionsequenzen kompetent aufzuziehen weiß. Dass man heutzutage einmal nicht mit digitalen Effekten zugeballert wird, sondern handgemachte Schießereien und Verfolgungsjagden zu sehen bekommt, ist ein echter Segen. Chadwick Boseman schlägt sich als angezählter Cop überdies absolut wacker und demonstriert trotz seiner wenig ausdifferenzierten Rolle Leinwandpräsenz. Gleiches würde man gerne auch über Knautschgesicht J. K. Simmons (oscarprämiert für „Whiplash“) sagen, der ab und an vorbeischaut und knurrige Bemerkungen von sich gibt. Seine Figur ist am Ende jedoch zu klischeehaft, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Fazit
„21 Bridges“ ist ein handwerklich solider, mittelmäßig spannender Polizeithriller, der es versäumt, aus seiner vielversprechenden Prämisse den nötigen Saft zu pressen.
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