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Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott

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Die Hütte - Ein Wochenende mit Gott ist ein emotional sehr anrührender Film, der die Formen der Liebe zu Gott und der eigenen Person erforscht.
 
Ob das für einen gelungenen Kinoabend ausreichend ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
 
In jedem Leben gibt es einen Schicksalsschlag
 
Jeder Mensch erlebt irgendwann in seinem Leben Momente, die zu Verzweiflung und Weltschmerz führen. Wenn zum Beispiel die eigenen Eltern irgendwann sterben. Oder noch schlimmer, das Kind vor den Eltern von dieser Erde gehen muss. In diesen dunklen Stunden fragt man sich oft, warum diese Dinge geschehen. Und wenn man religiös veranlagt ist, stellt sich die Frage warum der Gott, oder die Götter so etwas zulassen. Gerade in der christlichen Tradition ist diese Frage bereits vielfach diskutiert und wird unter dem Begriff der Theodizee (in etwa: Gerechtigkeit Gottes) zusammengefasst. Sehr subjektiv und gefühlvoll setzt sich auch dieser Film damit auseinander.
 
Mackenzie Phillips (Sam Worthington) verliert bei einem Wochenendausflug mit seinen Kindern seine kleinste Tochter aus den Augen, woraufhin diese entführt und in eine Hütte verschleppt wird. Trotz etlicher Suchaktionen bleibt sie verschollen, vermutlich wurde sie vergewaltigt und dann umgebracht. Das stürzt den Vater in tiefe Selbstzweifel, er gibt sich die Schuld an diesem Unglück. Das Familiengefüge bricht darüber langsam auseinander, als er ein mysteriöses Schreiben bekommt. Dieser Brief enthält die Einladung in ebendiese Hütte in der nachweislich seine Tochter gefangen war. Mack fasst den Entschluss, dieser Spur nachzugehen, er vermutet fast den Entführer dort vorzufinden, doch letztlich trifft er: Gott.
 
Es beginnt eine Erkundungsreise zu seiner eigenen Befindlichkeit, zu seinem seelischen Zustand, seinen offenen Fragen und seiner Beziehung zum Leben und eben zu Gott. Dabei versucht er zu verstehen wie die Welt funktioniert und warum man sie nicht besser machen kann als sie ohnehin schon ist. Ob er jedoch auch dem Peiniger seiner Tochter vergeben kann? Diese schweren philosophischen Fragen werden auf eine so bildhafte und einfühlsame Weise aufgearbeitet, dass einem vielleicht sogar ein paar Tränen über die Wangen kullern, wenn man sensibel für diese Themen ist. Gerade auch als Mann.
 
Wie sieht so ein allmächtiger Gott eigentlich aus
 
Es ist ziemlich schnell klar, dass dieser Film einen christlichen Gott im Blick hat, wenn auch mit leichten Modernisierungsansätzen. Sowohl Jesus als auch der Heilige Geist werden als eigene Figuren dargestellt und bilden zusammen mit dem Gottvater die Dreifaltigkeit. Wobei in diesem Fall meistens eher eine Gottmutter zugegen ist, sehr souverän verkörpert von Octavia Spencer. Der heilige Geist ist ebenfalls weiblich (Sumire) und hat asiatische Wurzeln, Jesus wird dagegen ganz biblisch korrekt gespielt von dem israelischen Darsteller Avraham Aviv Alush. Diese drei bilden also die Bewohner des Wochenendhauses und geben abwechselnd gute Ratschläge.
 
Es erschließt sich nicht ganz der Nutzen dieser dreifachen Anwesenheit Gottes, vor allem wenn man gewohnt ist, dass normalerweise Morgan Freeman im Alleingang für diese Aufgaben im Film zuständig ist. Doch gerade in seiner direkten Tonalität und emotionalen Reise nimmt man doch Anteil an diesem Schicksal, vergleichbar vielleicht mit Filmen wie Hinter dem Horizont mit Robin Williams. Manchmal wirken die Bilder (Kamera: Declan Quinn) jedoch auch zu weichgespült und die ganze Thematik wird streckenweise sehr kindlich verpackt (Regie: Stuart Hazeldine).
 
 
Die ganze Geschichte basiert auf einem Bestseller aus Amerika, geschrieben von William Paul Young. Was man dadurch natürlich berücksichtigen muss und oftmals ganz offensichtlich zu Tage tritt, ist die spezielle amerikanische Sicht auf christliche Religion. Diese direkte Vermenschlichung Gottes und auch die bildhafte Sprache sind hierzulande wohl nicht denkbar, ohne zumindest einen ironischen Unterton mit einzuflechten. Doch dieser Film nimmt sich durchgehend sehr ernst und wirkt damit auf europäische Zuschauer eventuell teilweise befremdlich.
 
Was will uns dieser Film nun beibringen
 
Mal abgesehen davon, dass die bildliche Darstellung Gottes in der muslimischen Welt ohnehin als Sünde angesehen wird, fragt man sich doch, warum in diesem Roman und dem darauf basierenden Film so explizit ein christlicher Gott zitiert wird. Gerade aus einer kritischen Haltung heraus ist dieser Film gefährlich nahe an den kreationistischen Tendenzen, die in den USA zur Zeit vielerorts beliebt scheinen. Diese fundamentalistische Ausprägung des christlichen Glaubens hat teilweise bereits zu Lehrplanänderungen geführt, mit dem Ziel zum Beispiel Sexualkunde und Evolutionstheorie aus den Schulbüchern zu verbannen.
 
Gleichzeitig verliert sich der Film endgültig in seinen Metaphern, wenn der Protagonist einen Berg besteigt und dabei die personifizierte Weisheit antrifft. Obwohl der Film auf einer emotionalen Ebene über weite Strecken also durchaus funktioniert, bleibt er inhaltlich und logisch sehr schwammig. Neben grundsätzlicher Empathie gibt es aus diesem Film schlicht keine Lehren zu ziehen die uns die Religionen nicht schon in viel schöneren Bildern gezeigt haben. Doch der durchschlagende Erfolg scheint William Paul Young zumindest zu einer Art modernen Apostel zu machen. Ob er damit auch offiziell in den Bibelkanon aufgenommen wird, bleibt abzuwarten.
 
 
Fazit
 
Ein gefühliger Film in bunten Bildern mit bewegenden Momenten und einer Botschaft christlicher Vergebung. Für religiöse Menschen interessant und Leute mit persönlichen Schicksalsschlägen anrührend. Manchmal etwas sehr kindlich und einfach erzählt.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Stuart Hazeldine
  • Drehbuch: John Fusco
  • Stars: Sam Worthington, Octavia Spencer
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