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Verpiss Dich, Schneewittchen!

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Bei manchen Comedians kann man sich über eine witzige Nummer amüsieren, ...
 
... ohne dass man gleich ein ganzes Programm sehen müsste. Dann gibt es solche, deren Programme man sich im Fernsehen ansieht, ohne gleich Tickets für eine ihrer Shows kaufen zu wollen. Nun hat Bülent Ceylan seinen ersten Kinofilm gemacht.
 
Spieglein, Spieglein an der Wand ….
 
Sammy arbeitet im Hamam seines Bruders. Dabei will er doch Rockstar sein. Also meldet er sich bei einer Casting-Show an. Dort dürfen aber nur Bands mitmachen. Aus der Not macht er seine kleine Schwester zum ersten Bandmitglied. Für den Rhythmus sorgt der greise Aushilfsmasseur Wolle, der auf dem ausladenden Bauch seines Badgastes Mahmut trommelt. Die schräge Combo qualifiziert sich für das Finale. Aber dann gibt es Ärger …
 
Seit es Fernsehen gibt, dürfen Komiker dort auftreten. Und immer wieder sind Comedians die wir aus dem Fernsehen kennen, dann auch in Kinofilmen zu sehen. Otto Waalkes und Michael „Bully“ Herbig haben mit ihren ersten Filmen jeweils Zuschauerrekorde aufgestellt. Die alten Filme von Dieter Hallervorden waren teilweise witzig, aber es gibt Gründe, warum sie heute kaum noch gezeigt werden. Die Filme, in denen Karl Dall in den 80er-Jahren mitgewirkt hat, sind heute aus gutem Grund praktisch vergessen: Sie waren alle furchtbar. Dall war kein Schauspieler. Und die Filme waren schlecht produziert. „Verpiss Dich, Schneewittchen“ mit Bülent Ceylan erinnert leider an diese Filme.
 
Ich erinnere mich an eine Szene in einem Film mit Karl Dall, in der er sich als Kellner ausgeben musste. Die Szene passte nicht zum Rest der Handlung, ergab überhaupt keinen Sinn und hatte nur einen Zweck: Dall konnte so minutenlang eine ganze Reihe von schlechten Kellnerwitzen (gibt es überhaupt gute Kellnerwitze?) darstellen. Ähnliches muss Bülent Ceylan in seinem ersten Film leisten. In einer der … ähm … interessantesten Szenen des Films, sehen wir eine Art Männerballett in einem Hamam. Wieso? Schwer zu sagen. Dann sehen wir, wie Ceylan den Gästen des Hamams beibringt, ihre Handtücher selbst zu falten. Weshalb? Weiß niemand. In einer anderen Szene lädt er potentielle Bandmitglieder zum Vorspielen in eine Kapelle ein, in der ein offener Sarg steht. Warum? Keine Ahnung. Naja, tatsächlich kann man sich denken, warum: Irgendwie mussten die Drehbuchautoren doch die Laufzeit des Films füllen. Handlung gibt es nämlich fast keine.
 
 
Das bisschen Handlung dreht sich hauptsächlich um Sammys Teilnahme an einer Casting-Show. Zusammen mit Regisseur Cüneyt Kaya haben mit Rainer Bender, Stefan Höh und Mathias Brod insgesamt vier Autoren an diesem Drehbuch geschrieben. Und keiner von ihnen kann jemals eine Casting-Show gesehen haben. Die Show im Film funktioniert ganz ohne Castings. Nach dem ersten Auftritt darf ein anwesendes Publikum per Handzeichen abstimmen, ob die Teilnehmer ins Finale kommen.
 
Es gibt also keine Recalls, kein Telefonvoting, keine Mottoshows, … nichts von dem, was Casting-Shows ausmacht. Zusätzlich legen die Macher dieser Show großen Wert darauf, keine peinlichen Teilnehmer zu zeigen. Der Produzent betont einmal sogar ausdrücklich, dass er „keine Skandale“ brauchen kann. Ja genau. Skandale bei einer Casting-Show, soweit kommt’s noch. Das wäre ja wie ein Dschungelcamp bei dem wegen des Essens gestritten wird. Oder ein Umstyling bei GNTM, bei der eine der Damen heult, weil ihr die Haare abgeschnitten werden.
 
 
Die Dramaturgie der Casting-Show in diesem Film ist bloß ungeschickt. Die Nebenhandlung um eine Gruppe Neonazis hingegen ist einfach furchtbar. Liebe Drehbuchautoren, bitte aufpassen: Bösewichter in Komödien dürfen niemals tatsächlich böse sein. Verstanden? Sie dürfen alles Mögliche sein: peinlich, lächerlich oder übertrieben dämlich, aber niemals wirklich böse. Neonazis sind im wahren Leben zwar natürlich allesamt dämlich, aber eben leider auch eine echte Gefahr. Es ist einfach nicht lustig, wenn sie den Deutschtürken im Film um sein Leben laufen lassen oder sein Geschäft verwüsten und mit Hakenkreuzen beschmieren. Und zwar weil das so oder so ähnlich leider tagtäglich tatsächlich passiert.
 
Das Drehbuch ist also nicht die stärkste Seite dieses Films. Regie, Schnitt und Kameraarbeit fallen im Vergleich dazu nicht unangenehm auf. Die Darsteller stehen im Licht. Niemand ist unscharf zu sehen. Die Szenen folgen halbwegs logisch aufeinander. Und die Tonspur ist weitgehend frei von störenden Nebengeräuschen. Das war es dann aber auch schon.
 
… wer ist der Schönste im ganzen Land?
 
Bülent Ceylan als Schauspieler erinnert an alternde Sänger oder Moderatoren bei „Let’s Dance“. Man merkt, wie sie sich Mühe geben und kann ungefähr erkennen, was gemeint ist.
 
Mit Josefine Preuß als kleine Schester Jessi, Paul Faßnacht als Masseur Wolle und Özgur Karadeniz als „Trommel“ Mahmut wirken hier Schauspieler mit, die in anderen Filmen bereits gezeigt haben, was sie können. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
 
Sabrina Setlur spielt das einzige Mitglied der Jury und Mirjam Weichselbraun die Moderatorin der Show. Beide sollten also wissen was sie da tun. Das wirkt aber leider gar nicht so.
 
 
Fazit
 
Am Ende einer Kritik sollte man immer versuchen, zumindest irgendetwas Positives an einem Film zu finden. Also bitteschön: „Verpiss Dich, Schneewittchen“ dauert bloß 88 Minuten.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Cüneyt Kaya
  • Drehbuch: Cüneyt Kaya
  • Besetzung: Bülent Ceylan, Josefine Preuß
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