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Mein neues bestes Stück

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Mein neues bestes Stück ist eine schräge französische Komödie über eine Frau, der ...
 
... über Nacht ein Penis wächst. Ob dieser Film das Zeug zum Sommerhit hat, darf allerdings eher bezweifelt werden.
 
Der ewige Kampf der Geschlechter geht weiter
 
Nachdem der Feminismus mittlerweile im Mainstream angekommen ist, diskutieren Männer und Frauen recht offen über ihr jeweiliges Rollenbild. Dennoch ist ein Ende dieses Jahrtausende alten Konflikts nicht abzusehen. Zu viel Zündstoff liegt nach wie vor in dem jeweiligen sozialen Geschlechter-Verhalten. Das merkt auch in diesem Film die Hauptfigur Jeanne, die plötzlich ohne Mann dasteht und trotzdem ihre zwei Kinder und ihren Job als Architektin irgendwie auf die Reihe kriegen muss. Ausgerechnet jetzt steht ihr großes Bauprojekt kurz vor der Fertigstellung.
 
Zu allem Überfluss bekommt sie als Partner ihren Kollegen Merlin an die Seite gestellt, mit dem sie auf einer Betriebsfeier bereits eine flüchtige Affäre hatte. Bei der gemeinsamen Besichtigung der Baustelle merkt die Protagonistin, dass man es als Mann gerade im Berufsleben oft einfacher hat.
 
Aus ihrem Wunsch männlicher zu werden, wird im nächtlichen Gewitter schließlich Realität. Am nächsten Morgen hat sie nämlich einen Penis. Gemeinsam mit ihrem Frauenarzt versucht sie nun dieses medizinische Mysterium zu ergründen, während der Alltag natürlich knallhart weiter läuft.
 
In dieser turbulenten Zeit lernt sie auch den Kollegen besser kennen und beginnt hinter seiner männlichen Fassade einen weichen, fast femininen Kern zu entdecken. Es stellt sich heraus dass auch er ein alleinerziehend ist und durchaus Gefühle für sie hegt. Ob er jedoch von einer Frau mit Penis begeistert ist, scheint mehr als zweifelhaft. Was also tun? Selbst die beste Freundin ist bei diesen Problemen mit ihren Ratschlägen am Ende und der Frauenarzt scheint sie vor allem als faszinierendes medizinisches Testobjekt zu sehen.
 
Warum Männer gerne Frauen wären und umgekehrt
 
Vor allem dem unsäglichen System der menschlichen Fortpflanzung ist es geschuldet dass wir immer versuchen in die Gedankenwelt des anderen Geschlechts einzudringen um uns einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, im Rennen um den richtigen Partner zum Kinderzeugen. Aus dieser Thematik hat Hollywood bereits etliche romantische Komödien gestrickt und damit fast alle witzigen Facetten bereits beleuchtet. Nun stellt sich also die Frage was dieser Film überhaupt noch dazu beitragen kann, ohne ein flaches Plagiat seiner Vorgänger zu werden.
 
Der gewählte Ansatz, die sexuelle Identität nicht komplett zu tauschen, sondern vielmehr beide Geschlechter in einer Person zu vereinen, mag in der Theorie ganz spannend klingen. Doch leider bleibt die Motivation der Hauptdarstellerin dadurch über weite Strecken sehr konfus und der Zuschauer hat große Mühe ihren Entscheidungsprozessen inhaltlich folgen zu können. Vor allem die Panikattacken der Protagonistin wirken übertrieben sowie ihre plötzliche Hilflosigkeit im Alltag, trotz einiger Jahre Erfahrung als berufstätige Mutter.
 
 
In Zeiten wo Transsexualität offen gelebt werden kann und durch Filme wie The Danish Girl bereits sehr ernsthaft und erfolgreich erkundet wurden, wirkt dieser Stoff seltsam prüde und unzeitgemäß umgesetzt. Dabei wechselt der Film zwischen flachen Geschlechter-Klischees deren komödiantisches Potential auf teilweise sehr brachialem Weg erkundet wird und dann manchmal doch ein paar treffsicheren und feinen Beobachtungen, die aber im Restrauschen untergehen. Viele Handlungsstränge können dadurch kaum erkundet werden, wie zum Beispiel die aufkeimenden Gefühle für die beste Freundin, oder auch ihre nächtlichen Erkundungstouren als Mann.
 
Manchmal sind es die einfachen Dinge im Leben
 
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Film viel zu viel will und sich dabei immer wieder verzettelt. Man kann keine leichte Sommerkomödie machen, die sich gleichzeitig ernsthaft mit dem Thema Transgender auseinandersetzt und dann auch noch eine klassische Love-Story erzählt. Dazwischen wuseln auch noch Kinder umher, und ein ökologisch gebautes Schulgebäude soll finalisiert werden.
 
Durch dieses bunte Treiben bleibt selbst beim geneigten Zuschauer irgendwann die emotionale Bindung auf der Strecke, weil die Figuren einfach zu fragmentarisch bleiben. Auch die Schauspieler wirken seltsam unterfordert in ihren jeweiligen Rollen, sie haben zu wenig Raum und Zeit auf der Leinwand ihre einzelnen Charaktere zu erkunden. Auch die sehr märchenhafte Ausgestaltung der Umwandlung ist irgendwie eher einem Kinderfilm oder einer Teenagerkomödie zuzuordnen und sorgt für Befremden. Das ist vielleicht nur die vorurteilsbehaftete und zugegebenermaßen männliche Sicht auf diesen Film, der von drei Frauen geschrieben wurde, wovon eine auch Regie führt und gleich noch die Hauptrolle spielt. Aber womöglich können eben auch Frauen nicht immer alles gleichzeitig.
 
 
Fazit
 
Nicht die neue französische Sommerkomödie die man sich erhoffen würde. Ein bisschen lustig, ein bisschen tiefgründig aber manchmal auch einfach nur infantil. Kein Film den man sich zwingend im Kino anschauen muss, lieber warten bis er auf Netflix läuft.
 
 
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  • Kritik-Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Audrey Dana
  • Drehbuch: Audrey Dana
  • Besetzung: Alice Belaïdi, Christian Clavier
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