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Star Wars: Die letzten Jedi

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„Star Wars“ ist schon lange keine Filmreihe mehr. „Star Wars“ ist ein ...
 
... Phänomen. Daher stellt sich auch gar nicht die Frage, ob Episode 8 nun ein guter oder schlechter Film ist. Die Frage lautet, ist Episode 8 ein guter oder schlechter „Star Wars“-Film?
 
Neues Licht in alten Schwertern
 
Wir erinnern uns: Am Ende des Films hat Rey den alten Luke Skywalker in seinem selbstgewählten Exil aufgespürt und ihm sein verlorenes Lichtschwert hingehalten (irgendwann muss mal geklärt werden, warum Jedis sich immer irgendwo jahrelang verstecken, nachdem sie den Karren so richtig in den Dreck gefahren haben). Wie Luke auf das alte Lichtschwert seines Vaters reagiert, ist eine der wenigen echten Überraschungen des Films.
 
Und das ist der Punkt, der vor allem die älteren Kinogänger beschäftigen wird. Praktisch nichts in diesem Film ist irgendwie neu. Nichts kommt irgendwie überraschend. Dieser Film ist wie ein Konzert der Rolling Stones. Die Stones spielen bei Konzerten auch immer all ihre Hits. Und sie spielen sie besser als je zuvor. Kein Wunder; die Bühnentechnik ist auf dem neuesten Stand und die Back-up-Musiker sind besser als es die alten Herren selbst jemals waren. Man hört also nicht bloß alle alten Hits, wegen derer man überhaupt zum Konzert gekommen ist. Man hört all diese alten Hits in besserer Qualität als man sie je zuvor hätte hören können. Und trotzdem ist das einfach nicht die Berliner Waldbühne 1965. Und auch nicht der Madison Square Garden 1969.
 
Und ähnlich geht es uns bei „Die letzten Jedi“. Die Raumschlacht am Anfang ist „Start me up“. Und genauso wie Keith Richards immer nur 5 Saiten auf seine Gitarren aufzieht, haben die Rebellen noch nie einen Schlachtplan gehabt, der nicht lächerlich gewesen wäre. Und so vertraut geht es mehr als zwei Stunden weiter. Wie man bei den Stones nicht lange auf die „Jumpin‘ Jack Flash“, „Gimme Shelter“ und die anderen Hits warten muss, so folgt auch in Episode 8 ein Klassiker auf den nächsten. Wir erinnern uns noch wie in „Das Imperium schlägt zurück“ der junge Jedi-Adept den Meister in seinem Exil aufgespürt hat.
 
Daher können wir den Text in einigen Szenen zwischen Luke und Rey auch fast mitsingen. Und wer weiß nicht mehr, wie Luke sich anschließend auf den Weg machte, um mit Vader zu kämpfen, obwohl er seine Ausbildung kaum begonnen hatte? Hör, sie spielen unser Lied. Wer war nicht begeistert, als der Falke in „Rückkehr der Jedi-Ritter“ durch die Tunnel des halbfertigen Todessterns geflogen ist und die viel kleineren Tie-Fighter dauernd gegen die Wände prallten? Gegen Ende des Films einfach von der Stimmung mitreißen lassen und mitklatschen.
 
Und wer könnte die putzigen Ewoks vergessen? Holt schon mal die Feuerzeuge raus, es gibt nun komische kleine Hamstervögel, von denen einer Chewbaccas neuer Kopilot wird. So weit so bekannt. Und gerade weil fast alles sehr vertraut wirkt, erkennt man schnell die hervorragende Qualität vieler Szenen. Der Look des Films ist einfach großartig. Angefangen bei dem Landeplatz von Lukes X-Flügler, über die Höhle die von der dunkles Seite der Macht erfüllt ist, bis zu Snokes Thronraum und den imperialen Kriegsgeräten sieht alles besser aus als man es je gesehen hätte.
 
Die Story ist natürlich hanebüchen und voller Lücken. Wie gelangt Rey eigentlich im dritten Akt wieder an Bord des Falken? Und wer war jetzt Snoke und wo kam er her? General Leia zeigt einen Stunt, bei dem man sich nur fragt, „Ach, seit wann funktioniert denn sowas?“. Später wird das von Luke sogar noch übertroffen. Je weniger man darüber nachdenkt, umso besser. „Star Wars“ sehen wir uns nicht wegen der Logik der Handlung an. Wir kaufen ja auch keine Karten für ein Stones-Konzert, um Mick Jagger tanzen zu sehen. Beides nimmt man einfach in Kauf.
 
 
Rebellenabschaum
 
Der Heldin dieser Geschichte ist ganz klar Rey. Und ihre Darstellerin Daisy Ridley ist die Heldin der Serie. Mehr noch als im letzten Film, ist es ihre Darstellung die der Geschichte die Glaubwürdigkeit verleiht, die sie so dringend braucht. Sie verkörpert naive Ehrlichkeit ebenso wie Entschlossenheit und Kraft.
 
Mark Hamill hatte schon in der ersten Trilogie eine undankbare Rolle. Daran hat sich nicht viel geändert. In einer Szene gegen Ende wirkt er plötzlich athletischer als je zuvor während der letzten 34 Jahre. Das ergibt dann aber danach sogar einen Sinn. Naja, irgendwie …
 
Oscar Isaac spielt wieder den Piloten Poe Dameron. Auch wenn er diesmal ein bißchen mehr zu tun hat als im letzten Film, wird aus ihm kein Held. Wir lernen seinen Charakter auch einfach nie kennen. John Boyega kann einem fast leidtun. Hatte er im letzten Film als Finn noch wirklich etwas zur Handlung beizutragen, hätte man seine Rolle in Episode 8 auch ersatzlos streichen können. Der Film hätte dadurch deutlich an Tempo gewonnen.
 
Die verstorbene Carrie Fisher ein letztes Mal als Leia zu sehen, ist natürlich etwas Besonderes. Aber über weite Strecken übernimmt dann doch Laura Dern ihren Job. Warum sie dabei aussieht als würde sie gleichzeitig in „Sunset Boulevard“ und „101 Dalmatiner“ mitspielen, bleibt unklar.
 
Die dunkle Seite der Macht
 
Das größte Problem von „Das Erwachen der Macht“ waren die schwachen Schurkenrollen. Adam Drivers Rolle als zorniges ADHS-Kind Kylo Ren hat Episode 7 nicht aufgewertet. Im neuen Film hat er zwar gleich zu Beginn wieder einen Wutanfall, im Lauf der Handlung wird sein Part aber doch noch interessant. An sein Vorbild Darth Vader reicht er trotzdem niemals heran.
 
Den von Andy Serkis im Motion-Capture-Verfahren dargestellten Supreme Leader Snoke schließt man zwar bald ins Herz, weil er als einziger ausspricht, was die ganze Galaxis über Kylos Maske denkt. Mit dieser Figur hätten sich die Drehbuchautoren aber sehr viel mehr Mühe geben müssen.
 
Domhall Gleesons Rolle als General Hux ist wieder kaum der Rede wert.
 
 
Fazit
 
„Die letzten Jedi“ ist deutlich besser als sein Vorgänger „Das Erwachen der Macht“. Leider ist der Film nicht annähernd so ausgereift und erwachsen wie „Rogue One“, der vorerst den Standard für die neuen „Star Wars“-Filme gesetzt hat. Aber Ende 2018 kommt ja der „Han Solo“-Film ….
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Rian Johnson
  • Drehbuch: Rian Johnson
  • Stars: Mark Hamill, Carrie Fisher
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