Jedes Jahr, so Ende November/Anfang Dezember, teilt sich die Bevölkerung ...
... in zwei Gruppen: die einen freuen sich und den anderen kommen die Zimtsterne wieder hoch, wenn zum ersten Mal in der Vorweihnachtszeit „Last Christmas“ von Wham erklingt.
Last Christmas, I gave you my heart …
Kate (Emilia Clarke) ist egozentrisch und verantwortungslos. Wenn sie nicht gerade Kerle in Bars aufreißt, nutzt sie ihre Freunde aus, enttäuscht ihre Arbeitgeberin oder geht ihrer Mutter aus dem Weg. Da lernt sie eines Tages den sympathischen Tom kennen. Nach einem holprigen Start, kommen die beiden einander näher. Aber Kates Herzensangelegenheiten sind in doppelter Hinsicht kompliziert …
Jeder von uns kennt diese Art von Film: Die Hauptfigur ist am Anfang des Films eine furchtbar unangenehme Person. Würde sie nicht von einem bekannten Hollywoodstar gespielt, wäre sie unerträglich unsympathisch. Aber dann lernt er oder sie den richtigen Menschen kennen, überwindet mit Hilfe dieser Person eine Krise und rechtzeitig zum Ende des Films ist die Hauptfigur dann ein besserer Mensch geworden. Nach diesem Muster funktionieren Filme wie „Bad Teacher“, „Love & other Drugs“ und praktischer jeder von Adam Sandlers Erfolgsfilmen.
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Wenn die großartige Emma Thompson, die ja immerhin einen ihrer Oscars für das beste adaptierte Drehbuch für „Sinn und Sinnlichkeit“ bekommen hat, so eine zuckersüße, formelhafte und vorhersehbare Geschichte schreibt, darf man ja wohl erwarten, dass wir hier eine besonders gut geschriebene zuckersüße, formelhafte und vorhersehbare Geschichte zu sehen bekommen. Oder zumindest eine besonders originelle zuckersüße, formelhafte und vorhersehbare Geschichte. Leider werden die Erwartungen weitgehend enttäuscht.
But the very next day, you gave it away … (Spoiler)
Die Geschichte folgt zwar der bekannten Formel, funktioniert aber leider nicht richtig. Die Hauptfigur ist am Anfang des Films einfach zu egozentrisch und zu verantwortungslos. Der große Sinneswandel am Ende des zweiten Akts kann dann nicht mehr wirklich überzeugen. Nachdem Adam Sandler in „Happy Gilmore“ auf jemanden der sich über ihn lustig gemacht hatte mit einer abgebrochenen Flasche losgegangen ist, war mir auch wurscht, ob er das Haus seiner Großmutter retten konnte. Und genauso ist mir am Ende von „Last Christmas“ ziemlich gleichgültig, was für eine nette und fürsorgliche Person Kate innerhalb von wenigen Filmminuten geworden ist.
Und noch etwas hätten Drehbuchautorin Emma Thompson und Regisseur Paul Feig („Brautalarm“, „Taffe Mädels“) wissen müssen: überraschende Wendungen in Filmen sind mittlerweile einfach durch. Deshalb geht uns M. Night Shyamalan auch seit Jahren auf die Nerven. Und eine überraschende Wendung, die bereits in der ersten Zeile des Titelsongs vorweg genommen wird, ist eben leider auch nicht wirklich überraschend.
This year, to save me from tears …
Dabei hätte der Film so viel Potential gehabt. Thompson selbst spielt Kates Mutter. Die Geschichte dieser Frau, die Jahre zuvor mit ihrer Familie vor dem Krieg im damaligen Jugoslawien nach Großbritannien geflüchtet ist und nun die offene Fremdenfeindlichkeit im Zuge der Brexit-Hysterie erlebt, hätte einen sehr viel interessanteren Film abgegeben. Thompsons Figur ist viel zu schade, um in einigen wenigen Szenen als Stichwortgeberin für die Heldin verschwendet zu werden. Auch die Obdachlosen in einer Armenspeisung dienen nur als komische Komparserie. Sie werden nie als echte Menschen mit echten Problemen gezeigt.
Kates Schwester und ihre Partnerin bilden ein politisch korrektes und daher ziemlich klischeehaftes lesbisches Paar. Über ihr Leben erfahren wir nichts. Michelle Yeoh muss als Inhaberin eines Geschäftes für Weihnachtsdekoration einige billige Lacher liefern. Wenn die Asiatin in ihrem Laden besonders geschmacklose Weihnachtsartikel anbietet, ist das beim ersten Mal nicht witzig und spätestens beim zweiten und dritten Mal kann man leider nicht mehr ignorieren, wie rassistisch das ist. Und selbst über die männliche Hauptfigur erfahren wir buchstäblich nichts, außer eben dass er letzte Weihnachten sein Herz verschenkt hat.
I’ll give it to someone special
Stattdessen konzentriert sich der Film immer und immer wieder nur auf die Hauptfigur. Die Rolle der Kate ist aber leider weder facettenreich noch sympathisch geschrieben. Es gibt einige wenige Darstellerinnen, die so eine Rolle trotzdem interessant und liebenswert gestalten könnten. Anne Hathaway fällt mir spontan ein. Emma Watson käme auch noch auf diese recht kurze Liste. Emilia Clarke zählt nicht dazu.
Warum man Emilia Clarke in diesem Film besetzt hat, kann ich nicht beantworten. Ich versuche ja immer noch zu verstehen, warum sie überhaupt berühmt ist. Ich weiß, sie war in dieser Serie zu sehen, in der es um nackte Brüste, Drachen und Kaffeetassen geht. Aber im Kino war sie zunächst als junge Sarah Connor in „Terminator Genisys“ komplett überfordert. Anschließend war sie in „Solo: A Star Wars Story“ komplett fehlbesetzt.
Hier ist sie überfordert und fehlbesetzt. Sicher, Clarke hat einen gewissen „nettes-Mädchen-von-nebenan“-Charme. Aber den hat jedes nette Mädchen von nebenan auch. Deshalb muss ich die aber nicht alle im Film sehen. Clarke hat ein breites Lächeln und so eine Art, sich wie eine ungeschickte Zwölfjährige zu bewegen. Beides bekommt man in diesem Film oft und ausgiebig zu sehen. Zu oft und zu ausgiebig. Ich weiß nicht, wie oft sie in diesem Film stolpert, stürzt oder sich falsch hinsetzt. Wenn sie beim kitschigen Finale wieder einmal einen ungeschickten Knicks macht und breit grinst, möchte man ihr einen Tritt verpassen, damit sie sich endlich zusammenreißt.
Fazit
„Last Christmas“ ist gar kein so furchtbares Lied. Man bekommt es jeden Dezember einfach nur viel zu oft zu hören. Die Handlung dieses Films ist gar nicht so furchtbar, sie ist bloß viel zu zuckersüß und vorhersehbar. Emilia Clarke ist gar keine so furchtbare Darstellerin, man bekommt in dem Film nur viel zu viel von ihr zu sehen.
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