Die Familie Lambert hat ihre Schuldigkeit getan.
Viermal wurde ihre Geschichte zwischen 2010 und 2023 erzählt, hinzu kam ein Prequel um die Parapsychologin Elise Rainier. Finanziell hat sich der Horror für das Studio mehr als ausgezahlt: Die fünf bisherigen INSIDIOUS-Filme kosteten zusammen nur gut 42 Millionen Dollar und spielten weltweit mehr als 730 Millionen Dollar ein. INSIDIOUS: THE RED DOOR wurde 2023 sogar zum erfolgreichsten Beitrag der Reihe. Entsprechend wenig überrascht es, dass Sony das Ewigreich nicht aufgeben möchte.
Mit INSIDIOUS: OUT OF THE FURTHER beginnt nun jedoch praktisch eine neue Ära. Die Lamberts sind Geschichte, stattdessen übernimmt Gemma (Amelia Eve) die Hauptrolle. Ob man den sechsten Teil als Neustart oder als Beginn eines neuen Ablegers betrachtet, macht dabei kaum einen Unterschied: Er soll neue Möglichkeiten für das Franchise eröffnen.
Das Erbe der Mutter
Gemmas Verbindung zum Übernatürlichen reicht bis in ihre Kindheit zurück. Damals musste sie erleben, wie ihre Mutter sich das Leben nahm, nachdem diese sich zuvor zunehmend verstörend verhalten hatte. Zwei Jahrzehnte später zieht Gemma mit ihrer eigenen Tochter in das Haus zurück, das sie geerbt hat. Dort beginnen Albträume, die sich immer weniger von der Realität unterscheiden lassen.
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Schließlich erkennt Gemma, dass sie nicht nur Zugang zum Ewigreich besitzt. Sie kann Gegenstände und sogar Wesen von dort in die wirkliche Welt bringen. Das macht sie für die Kreaturen der Zwischenwelt besonders interessant. Der Dämon Cyrus Lam möchte Gemmas Fähigkeit nutzen, um gemeinsam mit seinesgleichen dauerhaft auf die andere Seite zu gelangen.
Damit variiert der Film zumindest die bekannte INSIDIOUS-Formel. Nicht mehr allein das Eindringen eines Menschen ins Ewigreich steht im Mittelpunkt, sondern die Gefahr, dass dessen Bewohner den umgekehrten Weg nehmen. Cyrus bleibt als Bösewicht allerdings deutlich weniger eindrucksvoll als der rotgesichtige Dämon der frühen Filme, der hier einen kurzen Cameo-Auftritt erhält.
Elise kehrt zurück
Neben Amelia Eve sind Island Austin, Sam Spruell, Laura Gordon, Brandon Perea und Maisie Richardson-Sellers zu sehen. Auch Lin Shaye ist wieder als Elise Rainier dabei. Da Elise inzwischen selbst im Ewigreich existiert, kann sie trotz ihres Todes weiterhin auftauchen. Diesmal bleibt ihre Screentime allerdings auf weniger als zehn Minuten beschränkt.
Regie führte Jacob Chase (THE GIRL IN THE WOODS). Sony-Vertriebschef Adam Bergerman bezeichnete das Ergebnis im Vorfeld sogar als den furchteinflößendsten Teil der gesamten Reihe. Eine Einschätzung, die der Film kaum rechtfertigt.
Das beginnt bei den Jump-Scares. Gerade diese vergleichsweise einfache Disziplin beherrscht Chase erstaunlich schlecht. Manche Szenen kündigen einen Schreckmoment geradezu an, doch anstatt ihn wirkungsvoll auszuspielen, passiert nichts und die Handlung läuft einfach weiter.
Noch stärker belastet den Film sein Aufbau. Während der ersten Hälfte geschieht wenig, das man innerhalb der Reihe nicht schon in ähnlicher Form gesehen hätte. Die Geschichte benötigt rund 45 Minuten, bevor sie zu ihrem eigentlich interessanten Kern gelangt. Eine Straffung wäre dringend nötig gewesen: Hätte man die Einführung auf etwa 15 Minuten reduziert, hätte Gemmas ungewöhnliche Begabung wesentlich stärker ins Zentrum rücken können.
Denn sobald INSIDIOUS: OUT OF THE FURTHER seine neue Idee ausspielt, gewinnt der Film durchaus an Reiz. Dass Gemma als Verbindung zwischen den Welten dienen kann und die Dämonen dadurch plötzlich eigene Pläne für einen Übergang entwickeln, bietet Stoff für weitere Geschichten.
Fazit
Ein weiteres Spin-off befindet sich bereits in Entwicklung, und der sechste Film soll zeigen, ob INSIDIOUS auch ohne die Lamberts funktioniert. Nach mehr als 730 Millionen Dollar Gesamteinspiel ist das Franchise zu wertvoll, um es vorschnell aufzugeben. Findet Gemma ihr Publikum, kann das Ewigreich noch lange geöffnet bleiben. Scheitert der Neustart, könnte dagegen auch die Zukunft weiterer Ableger unsicher werden.
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