Der Wunderweltenbaum - Kinostart: 30.04.2026

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Nach “Paddington 1-3“ “Peter Rabbit 1-2“ und „Wonka“ kommt nun eine weitere ...
 
... Verfilmung eines britischen Kinderbuchklassikers ins Kino …
 
Trees? Literally the most boring things in the world?
 
Okay, fassen wir mal die Story zusammen: Wie in fast jedem britischen Kinderbuchklassiker und wie in jedem einzelnen von Enid Blyton verfassten Buch, sind die Eltern der kindlichen Protagonisten ahnungslose, weitgehend lebensunfähige Simpel, die man besser nicht frei rumlaufen lassen sollte. Und natürlich spielt alles in einer Welt, die nur eine vage Ähnlichkeit mit der Realität hat.
 
Zu Beginn des Film erfahren wir, der Arbeitgeber der Mutter spioniert die Familie seit Monaten durch eine geheime Überwachungskamera am Kühlschrank aus. Was in der Realität eine Klage gegen den Arbeitgeber nach sich ziehen würde, von deren Klagesumme die Familie sorgenfrei leben könnte, führt in diesem Film zum augenblicklichen Verlust des Jobs der Mutter und der familiären Wohnung.
 
Natürlich gibt es weder Ersparnisse noch andere Reserven. Deshalb und weil dem Vater aufgefallen ist, dass er die Stimme seiner jüngeren Tochter Fran schon lange nicht mehr gehört hat, muss die ganze Familie in eine Bruchbude am Rande eines verzauberten Waldes irgendwo in der tiefsten britischen Provinz ziehen (ich wäre mit dem Kind ja zu einem Facharzt gegangen).
 
Nachdem eine Reihe von unlustigen Culture-Clash- und anderen Klischees abgearbeitet wurden, marschiert die kleine Fran in den Wald, um den Wunderweltenbaum zu finden. Und wer nicht absehen kann, dass Fran sich mit dessen wundersamen und wunderlichen Bewohnern anfreundet und die Kinder nicht nur Abenteuer erleben sondern auch das neugegründete Familienunternehmen retten werden, kann noch nie eine Verfilmung eines britischen Kinderbuchklassikers gesehen haben.
 
Drehbuchautor Simon Farnaby hat sowohl an den Drehbüchern von zwei der drei „Paddington“-Filme als auch „Wonka“ mitgearbeitet (dessen Fortsetzung übrigens bereits angekündigt wurde. Man darf sich also auf noch mehr Singerei von Timothée Chalamet freuen.). Und man darf wohl sagen, der Mann bleibt seinem Stil treu. Die ganze Handlung ist nicht bloß naiv sondern einfältig, sämtliche Figuren sind reine Klischees und natürlich geht am Ende alles gut aus. Irgendjemand muss Autoren wie Herrn Farnaby mal den Unterschied zwischen „kindlich“ und „kindisch“ erklären.
 
Das Beste, das man über die Regie von Ben Gregor sagen kann, ist, dass sie ganz hervorragend zum Drehbuch passt. Gregor, der bisher vor allem für das Fernsehen gearbeitet hat, geht bei der Inszenierung seines ersten Spielfilms kein Risiko ein, lässt keine einzige originelle Idee erkennen und so erinnert „Der Wunderweltenbaum“ daran, was der großartige Autor und Comedian Richard Ayoade einmal über „Flight Girls“ mit Gwyneth Paltrow zu sagen hatte: „If you’ve seen any film, you’ve seen this film. It is very similar to all films.“.
 
Für Kinder ist dieses vorhersehbare, wenig originelle Machwerk noch halbwegs unterhaltsam ausgefallen. Filmfans, die nicht mehr über Gags wie eine Gießkanne mit Loch im Boden lachen können, dürfen sich die Zeit damit vertreiben, die vielen, vielen sehr viel besseren Filme zu zählen, bei denen sich die Macher von „Der Wunderweltenbaum“ bedient haben. Das skurrilste Beispiel ist sicher die, … naja, … nennen wir es „Hommage“ an „Die Ritter der Kokosnuss“, für die man doch tatsächlich den greisen Michael Palin aus dem Ruhestand geholt hat.
 
Dad is making a fool of the whole family
 
Neben dem Stunt-Casting von Sir Michael lässt man sowohl Claire Foy („All of us Strangers“) als auch Alt-Spiderman Andrew Garfield („We live in time“) ihr Talent verschwenden. Foy und Garfield waren vor einigen Jahren bereits in der lächerlich unrealistischen dramatischen Schicksalsgeschichte „Solange ich atme“ gemeinsam unterfordert worden. Und nun geht es den beiden in dieser lächerlich unrealistischen Verfilmung eines britischen Kinderbuchklassikers wieder ganz ähnlich. Foy wirkt bezaubernd und kompetent. Garfield wirkt sympathisch wie immer, selbst wenn er ein peinliches Familienlied singt. Aber beide wirken vor allem verloren in diesem Film, der nichts mit ihnen anzufangen weiß.
 
Die kindlichen Helden werden von den Nachwuchstalenten Billie Gadsdon, Delilah Bennett-Cardy und Phoenix Laroche dargestellt. Billie Gadsdson vermittelt als Fran eine zauberhafte Ernsthaftigkeit und Begeisterungsfähigkeit, die an die junge Abigail Breslin oder Mckenna Grace erinnern. Wenn dieser Film für Kinder halbwegs unterhaltsam geraten ist, dann auch weil es dem jungen Publikum leicht fallen wird, sich mit ihrer Figur zu identifizieren. Delilah Bennett-Cardy gelingt es leider kaum, gegen die klischeehafte Rolle der älteren Schwester anzuspielen. Und der junge Phoenix Laroche bekommt in der Rolle des Bruders praktisch nichts zu tun und kann daher kaum einen Eindruck hinterlassen.
 
Die Irin Nicola Coughlan wurde auf den britischen Inseln mit der TV-Serie „Derry Girls“ und weltweit mit der TV-Serie „Bridgerton“ bekannt. Hier wirkt sie als Fee durchaus sympathisch, aber wenn dieser Auftritt den Auftakt zu einer erfolgreichen Filmkarriere darstellen sollte, muss die junge Frau dringend mal mit ihrem Agenten sprechen. Einige mehr oder weniger bekannte britische Schauspieler*innen und Comedians bemühen sich in Nebenrollen, halblustige Gags abzuliefern. So hat neben Michael Palin mit Jennifer Saunders eine weitere britische Comedy-Legende hier den am wenigsten witzigen Auftritt ihrer Karriere. Und das will etwas heißen, die Frau hat schließlich in „Spiceworld – Der Film“ mitgespielt.
 
Noch vor einigen Jahren habe ich anlässlich ihrer Darstellung als durchgeknallte Hexe in „Wenn Du König wärst“ gemutmaßt, Rebecca Ferguson hätte den Part bekommen, weil Eva Green zu teuer war. Aber seither hat sie in so unterschiedlichen Filmen wie „Dune 1&2“, „Reminiscence“, „Greatest Showman“ oder auch „Doctor Sleep“ stets voll überzeugen können. So gesehen stellt ihre unergiebige Rolle als durchgeknallte Lehrerin einer Fantasie-Schule in „Der Wunderweltenbaum“ einen doppelten Rückschritt dar. Es würde mich nicht wundern, wenn auf dem Drehbuch, das man Rebecca Ferguson geschickt hat, noch die Fingerabdrücke von Eva Green zu sehen gewesen wären.
 
 
Fazit
 
Und wieder eine Verfilmung eines britischen Kinderbuchklassikers. Diesmal nach einer Vorlage von Enid Blyton. Ein Film für alle, denen die Figuren in „Peter Rabbit“ zu realistisch, die Handlung von „Wonka“ zu logisch und die Gesangseinlage in „Paddington 3“ nicht peinlich genug waren.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Ben Gregor
  • Drehbuch: Simon Farnaby
  • Besetzung: Claire Foy, Andrew Garfield