28 Years Later: The Bone Temple - Kinostart: 15.01.2026

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Letztes Jahr kam nach 18 Jahren der dritte Teil der „28 Zeiträume später“-Reihe ins Kino.
 
Mit Teil Vier, der eigentlich mehr Teil 2 des dritten Teils ist, hat man sich nun kaum mehr als ein halbes Jahr Zeit gelassen …
 
Girls on Film (SPOILERS)
 
Ein paar Zeilen zur Handlung von „28 Years Later: The Bone Temple“, … von mir aus, … einen Moment, …. nicht ganz einfach, … das war alles so, … naja, … also, die Story des neuen Films setzt mehr oder weniger unmittelbar nach dem Ende des Vorgängers vom letzten Jahr ein, … und die zweifellos merkwürdigste Entscheidung eines Drehbuchautors in diesem Filmjahr beschert uns eine Bande von Satanisten, die im postapokalyptischen Großbritannien mit seinen schwindenden Ressourcen einen ziemlichen Aufwand betreiben, das äußere Erscheinungsbild von Jimmy Savile zu kopieren und die einander zu Ehren ihres großen Vorbilds nur mit Variationen des Vornamens „Jimmy“ ansprechen.
 
Ich kann mir nicht vorstellen, wie die vielen Hundert Opfer von Jimmy Savile mit dem Folgen des Missbrauchs durch dieses Monster leben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie sie mit der jahrzehntelangen Verschleierung durch die BBC und andere Institutionen und dem Versagen der Polizei zurechtkommen. Aber ganz sicher kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie sich die Opfer fühlen müssen, wenn sie im Kino oder im Internet einen Trailer sehen und erkennen müssen, wie Filmemacher es für rasend komisch und originell halten, die Bösewichte im bestenfalls passablen vierten Teil einer Reihe von Zombiefilmen nach dem Vorbild ihres Peinigers zu gestalten. Was mag sich Drehbuchautor Alex Galand bloß dabei gedacht haben?
 
Zurück zur Handlung dieses bestenfalls passablen Films: der junge Spike, die Hauptfigur des letzten Films, ist also an die „Jimmys“ geraten, wird zu einer grausamen Initiation gezwungen, wird so selbst zu einem „Jimmy“ und muss an einem Überfall auf eine Gruppe Überlebender inklusive ausgedehnter Gewaltorgie teilnehmen. Anschließend wird seine Figur vom Drehbuchautor über weite Strecken des Films einfach links liegen gelassen, weil Alex Garland dann einen noch unsinnigeren Handlungsfaden zusammenspinnt.
 
Wir sehen nun den von Ralph Fiennes dargestellten Doktor aus dem letzten Film nach 28 Jahren sich plötzlich mit einem der „Alphas“ anfreunden. Zur Erinnerung, diese „Alphas“ sind gefährliche, zweieinhalb Meter große, muskelbepackten Superzombies, die einen Trick drauf haben, bei dem sie gesunden Menschen den Kopf auf eine ganz spezielle Art und Weise abreißen (ausführliche Beschreibung in der Rezension zum Vorgängerfilm). Im Zuge dieser sich schnell entwickelnden neuen Freundschaft macht der Onkel Doktor das Monster zunächst mal abhängig von Morphium bevor das Ganze dann komplett absurd wird und auf ebenso doofe wie unergiebige Art und Weise mit dem Handlungsfaden rund um die „Jimmys“ zusammengeführt wird.
 
Falls ich die Botschaft bisher nicht verständlich genug vermitteln konnte, fass ich hier bitte in aller Deutlichkeit zusammen: Das Drehbuch zu „28 Years Later: The Bone Temple“ ist unsensibler, hanebüchener Unsinn und man kann nur hoffen, der Therapeut von Alex Garland hat sich bereits eine Kopie besorgt.
 
In Garlands Drehbüchern ging es praktisch immer um den Zusammenbruch von Zivilisation, den drohenden Verlust von Menschlichkeit und natürlich um Gewalt. Und lange Zeit hat Garland mit diesen Themen die Vorlagen für extrem interessante Filme geliefert. „28 Days Later“, „Sunshine“, „Alles was wir geben mussten“ aber auch der unterschätzte „Dredd“, waren alles überdurchschnittliche, intelligente Filme. Aber im Laufe der letzten 10 Jahre hat die Qualität von Garlands Arbeit leider allmählich nachgelassen. „Ex Machina“ und „Auslöschung“ waren nicht so schlau, wie sie gern gewesen wären. Und bereits bei „Civil War“ fragte man sich, worum es hier ging und wozu das alles gut war? Das schlampige Drehbuch für den Vorgängerfilm „28 Years Later“ hat für einen ähnlichen Eindruck gesorgt, der sich jetzt bei „28 Years Later: The Bone Temple“ nur noch verstärkt. Worum geht es hier? Wozu soll dieser ganze Aufwand gut gewesen sein?
 
The Number of the Beast Der Aufwand war nämlich nicht unbeträchtlich. Auch wenn diesmal nicht Altmeister Danny Boyle sondern Nia DaCosta Regie geführt hat, so passt der visuelle Stil durchaus zum Vorgänger, hat aber auch Eigenes zu bieten. Kameramann Sean Bobbitt („Judas and the Black Messiah“) und Editor Jake Roberts (“Hell or High Water”) vermitteln das Bedrohliche einer postapokalyptischen aber nicht leeren Landschaft. Hildur Guðnadóttir (Oscar für „Joker“) liefert einen passenden Soundtrack, der sich an einzelnen Stellen vielleicht ein bisschen zu sehr in den Vordergrund drängt.
 
Nia DaCosta kombiniert die Arbeit der Künstler*innen vor und hinter der Kamera zu einem Film, der seinem misslungenen Drehbuch nicht entkommen kann, weil es leider keinen Sinn ergibt, nie richtig interessant wird und in dem Figuren eingeführt werden, deren Geschichten keinen rechten Abschluss finden, weil sie ganz offensichtlich erst im nächsten Film weiter erzählt werden. Wie auch bereits bei „The Marvels“ kann DaCosta als Regisseurin den Darsteller*innen auch in „28 Years Later: The Bone Temple“ nicht bei der Gestaltung von Rollen helfen, die im Drehbuch einfach nicht fertig ausgearbeitet wurden.
 
Am meisten erfahren wir noch über den von Jack O’Connell („Unbroken“) dargestellten Anführer der „Jimmys“. Aber die wieder sehr plumpe religiöse (oder antireligiöse, wasweißdennich) Symbolik aus dem Vorgängerfilm plus ungeschickter Passions-Parallelen lassen die Wirkung dieser Figur zu oft vom Bedrohlichen ins Lächerliche kippen.
 
Der gerade mal vierzehnjährige Alfie Williams hat im Vorgängerfilm eine beeindruckende Leistung gezeigt. In diesem Film darf er vor allem verschreckt dreinschauen. Auch die Darsteller*innen der anderen „Jimmys“, wie etwa Erin Kellyman („Solo – A Star Wars Story“) oder Emma Laird („A Haunting in Venice“) haben Mühe gegen ihre merkwürdigen Outfits und vor allem das noch merkwürdigere Drehbuch anzuspielen.
 
Der 206 cm große und an den Schultern fast ebenso breite Chi Lewis-Parry durfte bereits in „Gladiator II“ die Leinwand füllen. Hier spielt er mit vollem Körpereinsatz die Rolle des Alphas, dem der Doktor den Namen „Samson“ gibt (ja, Alex Garland hat mal eine Bibel quergelesen). Man möchte dem unbekannten Darsteller seine Rolle vom Herzen gönnen, die trotzdem besser vor Drehbeginn gestrichen worden wäre. Und ja, vermutlich soll die Geschichte seiner Figur – ebenso wie die mehrerer anderer Figuren – im nächsten Teil weiter erzählt werden. Das macht das Alles nicht besser und wirft nur die Frage auf, warum dieses ganze Projekt nicht gleich als Fernsehserie verwirklicht wurde.
 
Wie man mit vollem Körpereinsatz in einem schwachen Film gegen ein misslungenes Drehbuch anspielt, zeigt uns Ralph Fiennes. Die Jüngeren mögen ihn nur als den Kerl kennen, der mal bei „Jetzt-hab-ich-Deine-Nase!“ verloren hat und darüber so wütend wurde, dass er jahrelang die Schüler einer schwer zu erreichenden Internatsschule terrorisieren musste. Doch die meisten von uns wissen längst, das miese Drehbuch gegen das Ralph Fiennes nicht anspielen kann, das muss erst noch geschrieben werden. Fiennes liefert hier nicht nur eine Master-Class in „übers Material hinausspielen“, sondern den einzigen echten Grund, sich diesen Film überhaupt anzusehen. Ob das den Preis einer Kinokarte wert ist oder ob man einige Wochen auf den Streaming-Einsatz warten kann, müssen die werten Leser*innen selbst entscheiden.
 
 
Fazit
 
Wie bereits bei Teil Drei kann sich die kompetente Arbeit fast aller Beteiligten auch hier wieder kaum gegen die diesmal noch schwächere und unsinnigere Handlung durchsetzen. So wird mit viel Aufwand leider nicht viel erreicht. Das alles erzeugt zusammen mit dem Cameo einer Figur aus Teil Eins nur wenig Hoffnung für den unvermeidlichen fünften Teil. Vielleicht einfach wieder ein bisschen mehr Zeit zwischen den Filmen verstreichen lassen?
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor:in: Walter Hummer
  • Regie: Nia DaCosta
  • Drehbuch: Alex Garland
  • Besetzung: Alfie Williams, Ralph Fiennes