Ein Schmelztiegel, in dem unterschiedliche Meinungen und Egos aufeinandertreffen und...
... sich verbal beharken können, ist fast immer für Top-Unterhaltung gut. Man denke nur an Filme wie DER VORNAME, in denen die Figuren aufeinanderprallen und sich die pointierten Dialoge um die Ohren hauen.
Nicht anders verhält es sich bei EXTRAWURST, dem neuen Film von Marcus H. Rosenmüller, der auf dem gleichnamigen, sehr erfolgreichen Bühnenstück basiert. Dessen Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob haben auch selbst das Drehbuch verfasst.
Im Tennis-Club
Die Vereinssitzung des Tennis-Clubs ist in vollem Gange. Heribert wird wieder als Präsident bestätigt, die Sitzung ist fast vorüber, aber einen Punkt gibt es noch: Sonstiges. Unter dem möchte Melanie, aus Berlin, mit Großstadt-Sensibilität und erst seit zwei Jahren im Club, etwas anregen. Wenn schon ein neuer Grill gekauft wird, dann doch bitte auch einen zweiten Grill für Erol kaufen. Er ist das einzig muslimische Mitglied des Clubs und darf die Schweinewürste nicht essen. Es wäre doch eine freundliche Geste, einen zweiten Grill anzuschaffen.
Aber der Grill wird zum Politikum. Weil der erste Vorsitzende keinen zweiten Grill will, weil Erol erst auch keinen will, dann aber so beleidigt wird, dass er seine Meinung ändert, weil der tolerante Großstädter dem Provinzler braunes Gedankengut vorwirft, weil alte Rivalitäten aufbrechen, weil Eifersucht im Spiel ist, kurz: weil die Kacke am Dampfen ist.
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Tolles Ensemble
Hape Kerkeling ist Heribert, ein kleiner Diktator, der auf Einigkeit setzt, aber gerne die letzte Entscheidung hat, bei diesem Thema aber kein Machtwort sprechen kann. Fahri Yardim ist Erol, der nicht anecken will, aber es leid ist, obwohl er in Deutschland geboren und deutscher als so mancher Biodeutsche ist, immer als „der Türke“ gesehen zu werden. Anja Knauer ist die es nur gutmeinende, aber auf eine Testosteronwand stoßende Anja, Christoph Maria Herbst spielte ihren Mann Thorsten, der sich für einen toleranten Weltbürger hält, aber schnell dabei ist, andere in die Nazi-Schublade zu verfrachten.
Es sind vor allem die Wortgefechte zwischen diesen fünf Figuren, die bestens unterhalten. Die anderen Figuren kommen nebenbei hin und wieder vor (mit einer hübschen Altersrolle für Gabi Dohm), vor allem aber sind es Kerkeling und Co., die den Film tragen. Das fällt ihnen auch leicht, sie haben ein feines Drehbuch zur Hand.
Pointierte Dialoge
Ein Film wie dieser steht und fällt damit, dass nicht nur die Dialoge immer auf den Punkt sind und sowohl anecken, als auch vergnüglich sind, sondern auch, dass die Geschichte mit größter Rasanz vorangetrieben wird. Es darf niemals Stillstand geben, und hier ist das auch nicht der Fall, weil die Autoren es verstehen, immer wieder ein neues Fass aufzumachen. Gerade, wenn man denkt, dass die Diskussion sich jetzt totläuft, finden sie einen neuen Ansatz, der das Ganze noch einmal befeuert.
Marcus H. Rosenmüller versucht, das visuell interessant zu gestalten, wechselt die Locations, setzt eine recht dynamische Kamera ein und bleibt doch immer nah am Geschehen. Es ist fast so, als wäre man der sechste Mann, der einfach nur zusieht, aber sonst nichts zu dieser Diskussion beizutragen hat.
Gelungen ist der Film auch, weil er es schafft, wirklich keinen gut aussehen zu lassen. Hier bekommt jede Figur und jede Fraktion ihr Fett weg, seien es die Braunangehauchten, die integrierten Bürger mit Migrationshintergrund, die Woken und die Toleranten, die Pedanten und die Wichtigtuer. Bei EXTRAWURST ist niemand sicher, und das ist gut so.
Fazit
Wer Kammerspiele im Stil von DER VORNAME mag, der ist auch bei EXTRAWURST richtig. Die Geschichte ist durchgehend sehr amüsant, die Lacher kommen in Hülle und Fülle und die Dialoge sind pures Gold. Nur am Ende entgleist das Ganze ein wenig, aber das kann man dem ansonsten sehr gelungenem Film nachsehen .
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