Es ist heutzutage schon ungewöhnlich, wenn es neun Jahre dauert, bis zu einem Film ...
... eine Fortsetzung kommt. So lange dauerte es bei THE ACCOUNTANT 2, dessen erster Teil bereits 2016 in die Kinos kam. Bereits seit 2020 hieß es, dass ein Sequel in Entwicklung wäre, das Finden der richtigen Geschichte erwies sich jedoch als schwierig. Angesichts des zweiten Teils fragt man sich: Wieso? Denn als Actionfilm ist er gut, eine besonders eindrucksvolle Handlung hat er aber nicht.
Ein neues Abenteuer
Christian Wolff ist ein mathematisches Genie, ein Autist, jemand, der weiß, wie man tötet. Als Ray King, der ihm freundschaftlich gesonnen war, ermordet wird, ermittelt dessen Protegé Marybeth Medina und kommt auf Wolff, der ihr hilft, Ordnung ins Chaos dessen zu bringen, bei dem Ray ermittelt hat. Es geht um eine Familie aus El Salvador, die vor sieben Jahren verschwunden ist. Wolff ermittelt nun auch, holt dabei die Hilfe seines Bruders Braxton, eines Auftragskillers ein und sucht nach einer Frau, die ein Geist zu sein scheint.
Sie ist eine Killerin, aber es ist unklar, in welcher Verbindung sie zu Ray King stand.
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Nach dem ersten Teil
Eines gleich vorweg: Man kann THE ACCOUNTANT 2 ansehen, ohne den ersten Film gesehen zu haben, oder auch, wenn man sich kaum erinnert, was damals passiert ist. Aber: Es ist hilfreich, den ersten Teil noch einmal vorab anzusehen, weil dabei die Figuren Ray King und Marybeth Medina ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Ohne Vorkenntnis oder nur mit nebulöser Erinnerung findet man sich im Sequel ebenfalls zurecht, es wirkt aber oft so, als hätte man einfach viel Exposition nötig, wenn man nicht weiß, was im ersten Teil geschah.
Gleich gut ist die Chemie von Ben Affleck und Jon Bernthal als ungleiche Brüder. Von Vorteil für den Zuschauer: Seit dem ersten Teil haben sich beide nicht mehr gesehen. Weil Afflecks Figur eben ist, wie sie ist. „Weird“, sagt sein Bruder, „ich bin eben ich“, sagt Christian. Wie das aussieht, zeigt auch seine erste Szene, als er bei einer Art Speed-Dating-Wettbewerb nach einer Frau sucht, denn vom Alleinsein hat er im Grunde genug. Das ist witzig, aber auch ein wenig tragisch, denn natürlich läuft es nicht so, wie erhofft. Gleiches gilt für den Bruder Braxton, der auch alleine ist und von einem Auftragsmord zum nächsten weitergeht, ohne je zurückzublicken. Beide sind Verlorene, die einander brauchen.
Hanebüchen
Schon der erste Teil hatte eine Geschichte, die immer abstruser wurde (und das sogar am Ende durch Christian Wolff kommentierte). Im zweiten Film gilt dies aber noch etwas mehr. Einerseits, weil hier ein ganzes Team an autistischen Kids wie Super-Computergenies agieren und für Wolff tätig sind, andererseits, weil die weibliche Hauptfigur eine mentale Kondition hat, die superselten ist. Das ist dann so: Nach einem Hirntrauma entwickelt sie plötzlich immense Talente und lernt innerhalb von Tagen, wofür andere Jahre brauchen. In ihrem Fall ist das die Lust am Kampf, die Fähigkeit zu töten. Das ist reichlich absurd, aber Daniella Pineda (bekannt aus der Netflix-Serie COWBOY BEBOP) ist darin exzellent.
Sie ist ähnlich limitiert in ihrem Spiel wie Affleck. Weil beide Figuren sind, die keine Emotionen ausstrahlen, aber beim Kämpfen sind sie enorm effizient. Kämpfe gibt es auch genug. Der Film hat einige knackige Action-Sequenzen zu bieten. Zudem garniert er die Geschichte mit einigen humorigen Szenen, die zumeist mit Wolffs Art und wie die Menschen darauf reagieren zu tun hat. Das nimmt der Tragik seiner Figur ein wenig die Spitzen. So albern die Geschichte aber auch sein mag, sie ist mächtig unterhaltsam. Ein wirklich cooler Actionfilm über seine sehr ungewöhnliche Figur.
Fazit
Am besten doch noch mal den ersten Teil ansehen, bevor es an den zweiten geht. Im Grunde bieten sie sich für ein Double Feature an. Das Erfolgsteam vor und hinter den Kulissen ist wieder da, und der Film so flott erzählt, dass man sich auch gerne noch einen dritten Teil ansehen würde. Nur hoffentlich nicht erst wieder in knapp einem Jahrzehnt.
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