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Ghost in the Shell

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Bei Ghost in the Shell zeigt Scarlett Johansson mal wieder, dass sie durchaus das Zeug zum weiblicher Superhelden hat. Es bleibt daher weiterhin ...
 
... abzuwarten, wann sie endlich auch einen eigenen Marvel-Spin-Off als Black Widow bekommt.
 
Die Zukunft ist ein dunkler Ort
 
Neben dem Reboot von Total Recall vor ein paar Jahren und der noch zu erwartenden Neuverfilmung von Blade Runner diesen Sommer ist es also nach wie vor üblich in dem Sience-Fiction-Genre eine eher düstere Vision der Zukunft zu zeichnen. Vor allem die vom Steampunk inspirierten Filme mit ihrer kalten metallischen Ästhetik sind bekannt für eine kritische Haltung gegenüber Technologie und Datenspeicherung generell. Auch dieser Film nach der Vorlage eines Manga-Comics aus Japan setzt sich hauptsächlich mit diesen Themen auseinander.
 
Scarlett Johansson spielt darin Major, eine Kampfmaschine, komplett aus künstlichen Komponenten, abgesehen von einem menschlichen Gehirn. Sie soll als Cyborg also die besten Eigenschaften der Menschen und der Roboter in sich vereinen. Da ihre Hülle von einem Konzern hergestellt wurde, sie jedoch einer staatlichen Sondereinheit zugeteilt ist, scheinen die Konflikte vorprogrammiert. Als es darum geht einem skrupellosen Cyber-Terroristen das Handwerk zu legen, stößt sie auf Bilder aus ihrer eigenen menschlichen Vergangenheit und zweifelt zunehmend an den Methoden des übermächtigen Konzerns, der sie erschaffen hat. Der vermeintliche Bösewicht bietet ihr eine völlig neue Sicht auf die Welt.
 
Wem kann man überhaupt noch trauen und wer hat wirklich die Macht den Lauf der Dinge aufzuhalten? Als Superheld ist man meistens sehr einsam und auch nicht davor gefeit die Menschen die man liebt langsam zu verlieren. Doch das ist ja bei Hollywood Stars oft ganz ähnlich, ob es deswegen so viele Superhelden-Filme gibt? Es ist jedenfalls wirklich niemandem so eine traurige Karriere zu wünschen und wir können nur hoffen dass Scarlett Johansson trotz ihrer gerade laufenden Scheidung im Gegensatz zu ihrer Protagonistin ein einigermaßen glückliches Leben führt.
 
Jeder Superheld braucht ein eigenes Outfit
 
Nachdem Marvel bereits etliche Kostüme seiner Charaktere moderat modernisiert hat, kommen wir zunehmend in eine Ära der unverkleideten Helden. Wolverine trägt zwar immer ähnliche Sachen, aber nicht zwingend das Gleiche, und die Marvel-Serien auf Netflix haben auch Protagonisten die oftmals nichts auf schicke Outfits geben. In Ghost in the Shell scheinen wir nun ganz puristisch am Ende dieser Entwicklung zu sein, indem der Major bei Einsätzen grundsätzlich nackt ist. Obwohl ein mechanischer Körper natürlich keinerlei sexuelle Merkmale bräuchte, ist es bestimmt ein gutes Verkaufsargument wenn eine bekannte Schauspielerin im hautengen Anzug von Hochhäusern springt.
 
Auch sonst ist dieser Film sorgsam komponiert und bietet den Freunden des Action-Spektakels viele Kämpfe mit gut aussehenden Special-Effects, die in ihrer Schönheit fast an Matrix heranreichen. Außerdem gibt es eine sozialkritische Hintergrundgeschichte, eine romantische Love-Story, emotionale Eltern-Kind-Momente und sogar ein paar klassische Mentor-Schüler Gespräche. Das alles wird natürlich von einem Blockbuster erwartet, der Unsummen an Geld kostet. Gerade deswegen wirkt das Endprodukt aber an vielen Stellen höchst einfallslos und generisch.
 
 
Bei einem Film über das Menschliche fehlt eine menschliche Note, wie ironisch. Die Motivation der einzelnen Figuren, die charakterliche Entwicklung wird von dem schieren Produktionsvolumen an die Wand gedrängt. Zu kurz werden einzelne Handlungsstränge angerissen, immer wieder unterbrochen von Schauwerten, als dass sich wirkliche Empathie beim Zuschauer entwickeln könnte. Die wenigen Momente in denen der Film es sich erlaubt einmal kurz durchzuatmen, sind demnach auch die einprägsamsten. Wunderschön zum Beispiel wie die Titelheldin tief unter Wasser zwischen Algen Abstand von der schnellen, lauten Welt sucht.
 
Über Whitewashing und Emanzipation
 
Nun ist es schwer über so einen Film zu schreiben, ohne zwei der großen politischen Diskussionen aufzugreifen die Hollywood seit einigen Jahren führt. Beide lassen sich anhand dieses Films hervorragend diskutieren. Zuerst geht es um Whitewashing, obwohl dieser Film also eindeutig in Japan spielt und die Bevölkerung hauptsächlich japanisch ist, sind gerade die Hauptdarsteller europäisch. Liegt das nur am Vermarktungspotential, weil es schlicht keine internationalen Stars japanischer Herkunft gibt? Oder ist sogar der asiatische Kulturraum selbst schuld, dessen Schönheitsideal seit vielen Jahrzehnten von westlichen Einflüssen geprägt ist und unter anderem dazu führt, dass viele Asiatinnen sogar ihre Augenlieder chirurgisch anpassen lassen?
 
Ein zweiter Streitpunkt ist die fehlende Gleichberechtigung weiblicher Charaktere innerhalb der erzählten Geschichten und die geringeren Gagen von Schauspielerinnen. Es ist nach Lucy nun bereits der zweite Versuch von Scarlett Johansson, sich als weibliche Actionheldin zu etablieren, da ihr Marvel einen eigenen Film bisher wohl nicht zutraut. Es gibt zwar mittlerweile einige andere Projekte, wie den Reboot von Lara Croft mit Alicia Vikander oder Wonder Woman mit Gal Gadot, die es mit Frauenpower probieren. Doch die übermäßige Sexualisierung der Figuren und überforderte Drehbuchautoren sorgen oft für eher zweifelhafte Ergebnisse. Obwohl Ghost in the Shell durchaus ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist, scheint es als bliebe Kill Bill im Action-Genre bis auf weiteres die Messlatte für starke Frauenfiguren.
 
 
Fazit
 
Handwerklich gut gemacht, mit schönen Momenten und tollen Special-Effects bietet Ghost in the Shell gelungenes Entertainment, noch dazu mit einer souveränen Performance von Scarlett Johansson und überzeugenden Nebendarstellern. Reingehen, Spaß haben und nebenbei weibliche Filmhelden unterstützen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Rupert Sanders
  • Drehbuch: Jonathan Herman, Jamie Moss
  • Besetzung: Scarlett Johansson, Pilou Asbæk
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