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Unknown User: Dark Web - Kinostart: 06.12.2018

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Die noch recht junge Filmproduktionsgesellschaft „Blumhouse“ hat ...
 
... 2014 mit „Unknown User“ einen Thriller produziert, der sich nur auf einem Computerbildschirm abspielt. Nachdem erst kürzlich mit „Searching“ ein Nachahmer dieses Konzepts in die Kinos kam, mussten wir auf „Unknown User 2: Dark Web“ nicht lange warten.
 
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Der junge Matias hat ein neues Macbook. Also ganz „neu“ ist das Gerät nicht. Weil elektronische Geräte mit angebissenen Äpfeln drauf so furchtbar teuer sind, ist das Gerät leider gebraucht. Nun da Matias endlich ganz flott im Internet surfen kann, benutzt er das Macbook auch sofort, um gleichzeitig seine Beziehung zu seiner gehörlosen Freundin Amaya zu kitten, eine App für Gebärdensprache zu entwickeln und mit seinen Freunden vom College einen Spieleabend zu bestreiten. Alles online versteht sich. Aber irgendwie funktioniert die Neuerwerbung nicht richtig. Die Festplatte scheint mit versteckten Dateien voll zu sein. Als sich dann der frühere Besitzer des Geräts bei Matias meldet, wird das dem jungen Mann schnell etwas unheimlich. Richtig schlimm wird es aber erst, als Matias Freundin bedroht wird. Und auch die anderen Teilnehmer das Spieleabends bleiben nicht verschont …
 
Vor der Pressevorführung von „Unknown User 2: Dark Web“ habe ich mir noch große Sorgen gemacht. Immerhin hatte ich das Original „Unknown User“ von 2014 damals nicht gesehen. Würde ich der Handlung des neuen Films folgen können, ohne den ersten Teil gesehen zu haben? Würde ich Mühe haben, die feinen Nuancen der Geschichte würdigen zu können? Nicht dass ich am Ende noch während der Vorstellung den wikipedia-Eintrag zum ersten Teil lesen müsste.
 
Falls einer der Leser von ähnlichen Bedenken geplagt wird, kann ich Entwarnung geben. Man kann der Handlung des zweiten Teils auch folgen, ohne den ersten Teil gesehen zu haben. Tatsächlich kann man der Handlung dieses Films auch folgen, ohne den Anfang dieses Films gesehen zu haben. Oder den Mittelteil. Oder das Ende. Tatsächlich könnte man während des Films wohl nebenbei ein Buch lesen, einen Pullover stricken und einen Anfall von Narkolepsie erleiden und würde immer noch mitbekommen worum es geht. Denn nicht nur wird uns alles auf einem Bildschirm gezeigt, es wird uns auch alles in mehreren Anwendungen gezeigt. Und dann noch erklärt. Und das immer mehrmals.
 
Wenn Matias also seine Festplatte bereinigen muss, bekommen wir nicht einfach bloß zu sehen wie der Held seine Festplatte bereinigt. Nein, wir bekommen erst zu sehen, wie das Macbook immer wieder abstürzt. Dann sehen und hören wir, wie Matias einen Freund fragt, was da zu machen sei. Der Freund erklärt dem Helden nicht nur, dass er die Festplatte bereinigen muss, sondern erklärt auch noch, wie das zu tun ist. Dann sehen wir Matias die Festplatte bereinigen. Anschließend erklärt er noch all seinen Freunden die gerade online sind, dass er eben die Festplatte seines neuen Macbooks bereinigt hat undsoweiterundsofort. „Unknown User 2: Dark Web“ ist der erste Film, der bereits im Kino mit Untertitel für Hörgeschädigte und Tonspur für Blinde gezeigt wird.
 
It’s a game
 
Dabei hat Drehbuchautor Stephen Susco („The Grudge 1 und 2“) in seinem ersten Film, bei dem er auch Regie führen durfte, es doch tatsächlich geschafft, das bisschen Handlung ebenso absurd wie vorhersehbar zu gestalten. Der „Unknown User“, dem das Macbook zuvor gehört hat, ist nämlich Mitglied einer weltweit tätigen Organisation psychopathischer Mörder. Diese Organisation kann nicht nur jederzeit jeden PC und jedes Handy überwachen und übernehmen. Sie kann auch auf beiden Seiten des Atlantiks innerhalb von Minuten Attentäter an jede beliebige Adresse schicken, die dann nicht nur blitzschnell Morde begehen, sondern diese auch noch Unschuldigen in die Schuhe schieben oder die Morde gleich als Selbstmorde tarnen.
 
Dabei ergibt nichts an dieser Verschwörung, an der laut Computerzählung wohl mehr als 23.000 (in Worten: dreiundzwanzigtausend) Leute beteiligt sind, irgendeinen Sinn. Nichts davon könnte auch nur möglicherweise funktionieren. Das wäre halb so wild, wenn das was wir zu sehen bekommen wenigstens halbwegs originell wäre. Aber leider bekommen wir Killer zu sehen, die sich in Schränken verstecken oder auf dem Bahnsteig wartende Opfer vor die U-Bahn schubsen. Sowas war schon altbacken, als Alfred Hitchcock noch Normalgewicht hatte.
 
Einzig der Mord an einem Verschwörungstheoretiker ist einigermaßen einfallsreich gestaltet. Und man muss zugeben, dass die komplizierteste der im Film gezeigten Mordmethoden nicht einmal die abwegigste ist. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts braucht es in den USA nicht viel, um erschossen zu werden. Warum hat der Drehbuchautor sich nicht auch an anderen Stellen etwas Vergleichbares einfallen lassen, statt die Killer ihre Opfer immer und immer wieder aus dem Dunkel anspringen zu lassen?
 
 
Das Internet ist für uns alle Neuland
 
In was für einer Welt spielt dieser Film? „Unknown User 2: Dark Web“ wurde von einem vergleichsweisen jungen Filmemacher im Auftrag eines jungen Studios für ein noch jüngeres Publikum gedreht. Das Weltbild dieses Films entspricht aber dem eines Achtzigjährigen, der im Fernsehen mal was darüber gesehen hat, dass man in diesem neumodischen Internetz verflixt gut aufpassen muss, weil sich da so viele Nepper, Schlepper, Bauernfänger aber auch Räuber und Mörder rumtreiben. Denn nicht nur ist in diesem Film das ganze Internetz böse. Es sind auch alle jungen Menschen bescheuert.
 
Jeder einzelne der in diesem Film gezeigten jungen Menschen ist so dämlich, dass man sich wundern muss, wie diese Leute bisher überlebt haben. Wer so blöd ist, hätte doch auch ohne weltweite Killerverschwörung längst draufgehen müssen. Wer weiß, dass er von einem Killer gejagt wird und sich trotzdem ganz allein ganz vorne an die Bahnsteigkante stellt, müsste doch schon lange vor dem Film ein frühes Ende gefunden haben. Vielleicht weil er sich aus Spaß eine Plastiktüte über den Kopf gezogen hat oder weil er das Pulver aus diesen kleinen Papiertütchen gegessen hat, die immer in den Kartons von teuren Lederschuhen beiliegen ...
 
Und dann benehmen sich diese Millenials auch noch ausgerechnet dort so strohdumm, wo sie doch daheim sein sollten – in der digitalen Welt. Wenn ein „digital native“ meint, dass man ihm mit einem einfach per Photoshop verändertem Bild einen Mord anhängen kann, dann war das Cyberspace vielleicht doch nicht sein natürlicher Lebensraum. Dieser Film hat von jungen Menschen ungefähr die gleiche Meinung, wie der Opa der jedes Mal drohend mit dem Stock hinterherwinkt, wenn ein Auto schneller fährt als der Kübelwagen, mit dem er 1939 nach Polen gereist ist.
 
Trepanation
 
Aber lassen wir das merkwürdig geriatrische Weltbild des Films mal beiseite. Ist der Film denn wenigstens gruselig? Leider nein. Die Schockeffekte bleiben ebenso übersichtlich wie unoriginell. Die Szene, in der eine junge Frau erkennt, was man ihr angetan hat, ist halbwegs effektiv gestaltet. Aber wenn jemand allein auf weiter Flur steht, um plötzlich von einem Auto überfahren zu werden, ist das nichts was einen vom Sitz springen lässt. Es wirkt sogar eher unfreiwillig komisch.
 
Davon abgesehen kann man sich nur soundso oft über plötzlich auftauchende Killer erschrecken. So ein Effekt nutzt sich nämlich recht schnell ab. Tatsächlich kommt einem der Film irgendwann vor wie ein Vierjähriger, von dem man sich einmal „erschrecken“ ließ, um ihm eine Freude zu machen. Und nun will einen das Balg im Minutenabstand immer und immer wieder aufs Neue „erschrecken“. So ein Verhalten nervt bei einem Kleinkind schon immens, bei einem Filmemacher ist es unerträglich. Daher ist man auch nicht böse, wenn der Film dann nach gerade mal 90 Minuten sein wenig überraschendes Ende findet.
 
Auf der Freundesliste
 
Über die schauspielerischen Leistungen der Darsteller kann man nicht viel sagen. Die weitgehend unbekannten jungen Mimen und Miminnen müssen vor allem erschrocken auf Bildschirme (also in die Kamera) starren. Im weiteren Verlauf des Films müssen sie dann der Reihe nach das Ableben ihrer Freunde betrauern, bevor sie dann wieder erschrecken müssen, weil sie selbst draufgehen.
 
 
Fazit
 
Wer sich gerne Dashcam-Videos ansieht und sich gruselt wenn jemand hinter einer Ecke hervorspringt und „Buh!“ ruft, hat mit „Unknown User 2: Dark Web“ den richtigen Film für sich gefunden. Für alle anderen Kinofans bietet der Film einfach nicht annährend genug, um den Kaufpreis einer Kinokarte zu rechtfertigen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Stephen Susco
  • Drehbuch: Stephen Susco
  • Besetzung: Colin Woodell, Betty Gabriel
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