Horst Schlämmer sucht das Glück - Kinostart: 26.03.2026

Artikel bewerten
(1 Stimme)
Rund 20 Jahre nach ihrem ersten Fernsehauftritt kehrt Hape Kerkelings ...
 
... Kultfigur des schmierigen Lokalreporters zum zweiten Mal auf die große Leinwand zurück.
 
Quer durch Deutschland
 
Stefan Raab, Stromberg und nun auch Horst Schlämmer – alte Fernsehrecken und -charaktere sollen es auf dem Bildschirm und im Kino wieder richten. Vor allem im Fall des früheren „TV Total“-Moderators ist das vorläufige Fazit allerdings ernüchternd: Seinem mit viel Tamtam angekündigten Comeback konnte der um forsche Töne nie verlegene Kölner bislang keine spektakulären Taten folgen lassen, betrieb vielmehr ein teils schon freches Recycling. Etwas ambitionierter, aber insgesamt zu unentschlossen präsentierte sich die Rückkehr des Büroekels Stromberg in seinem zweiten Leinwandausflug Ende 2025. Nach „Horst Schlämmer - Isch kandidiere!“ von 2009 schlägt die von Hape Kerkeling vor rund 20 Jahren erstmals gespielte Figur des jovialen Provinzjournalisten Horst Schlämmer („Weißte Bescheid, Schätzelein!“) jetzt ebenfalls zum zweiten Mal in den Kinos auf.
 
Angelegt ist der von Komödienspezialist Sven Unterwaldt Jr. („Schatz, nimm du sie!“) inszenierte Spaß als Mockumentary, also als Fake-Doku, die den Titelhelden, wenn man ihn denn so nennen will, auf einer Mission quer durch Deutschland begleitet. Los geht es zur Zeit der Covid-Pandemie, unter der auch Schlämmer, der stellvertretende Chefredakteur des (fiktiven) Grevenbroicher Tagblatts, leidet, wie er in die Kamera seines Handys versichert. Dass er die Lockdown-Phasen übersteht, liegt in erster Linie an seiner Lieblingsschauspielerin Gaby Wampel (Tahnee Schaffarczyk), deren facettenreiches Werk von Heimatschmonzette bis Familiendrama er sich in der Einsamkeit der eigenen vier Wände zu Gemüte führt.
 
Nach dem Ende des Covid-Schreckens freut sich Schlämmer, die Welt wieder erkunden zu können. Doch gleich zwei Erkenntnisse stoßen ihm sauer auf: Seine Stammkneipe hat die Lockdowns nicht überlebt, ist nun ein Waschsalon. Und die Menschen sind noch immer schlecht gelaunt. Als knallharter Investigativjournalist beschließt er, der Sache auf den Grund zu gehen. Zusammen mit der Social-Media-Redakteurin seiner Zeitung (nie ganz im Bild zu sehen, da sie die Kamera führt, und so etwas wie das Korrektiv zum anzüglichen Schlämmer) will er sich in ganz Deutschland auf die Suche nach dem Glück machen und wettet mit Ex-Wirt Günni (Norbert Heisterkamp), dass er es schafft, seine Recherche in einen richtigen Kinofilm zu verwandeln. Sollte ihm das gelingen, öffnet die Kneipe wieder ihre Türen.
 
Sketchfiguren, die in kurzen, prägnanten Szenen wunderbar funktionieren, tragen nicht automatisch eine 90-minütige Komödie. Das zeigte sich schon schmerzhaft im ersten Leinwandabenteuer Schlämmers, das den oft distanzlosen Pressevertreter mit dem zerknitterten Trenchcoat, den strubbeligen Haaren, dem Überbiss und der Herrenhandtasche in die Welt der großen Politik entführte. „Horst Schlämmer sucht das Glück“ untermauert diesen Eindruck nachhaltig.
 
Platter Humor, kaum Überraschungen
 
Hape Kerkeling schüttelt die Manierismen – das Grunzen, die Schnappatmung und die ungelenken Bewegungen – des nach deutscher Miefigkeit riechenden Journalisten einmal mehr lässig aus dem Ärmel. Das von Claudius Pläging („Der Spitzname“) verfasste Drehbuch allerdings ist dermaßen einfallslos und beliebig zusammengeschustert, das Schlämmers Rückkehr schon früh die Puste ausgeht. Echtes Interesse am Zustand der deutschen Gesellschaft ist nicht erkennbar. Hier und da werden Allgemeinplätze in den Raum geworfen. Größtenteils besteht der Film aus wenig elegant verknüpften Episoden, in denen es an Klischees nicht mangelt.
 
In einem Wellness-Center in Bad Lobenstein trifft Horst Schlämmer beispielsweise auf eine Lach-Yoga-Gruppe. Deren Mitglieder: Natürlich allesamt Menschen, die auf Althippies getrimmt sind. Bei seinem Abstecher nach Berlin bekommt es der rheinische Schreiberling mit clanartigen Gangstern zu tun. Und auf Sylt landet er auf einer Party reicher Schnösel. Auch wenn gelegentlich versucht wird, Stereotype zu brechen, hat all das wenig mit cleverer Komik, geschweige denn echter Satire zu tun. Bezeichnenderweise ist jene Szene, in der Schlämmer Markus Söder interviewt, wohl der witzigste Moment des Films. Beim so breitbeinigen bayerischen Ministerpräsidenten scheint da tatsächlich ein Anflug von Selbstironie durch. Die inhaltliche Willkür wiederum versinnbildlicht ein Gespräch mit Rainer Maria Kardinal Woelki. Was hier auffällt: „Horst Schlämmer sucht das Glück“ bemüht sich, den Kölner Erzbischof, der bei der Aufarbeitung von Fällen des sexuellen Missbrauchs in seinem Bistum eine höchst fragwürdige Figur abgab, als nahbaren Geistlichen darzustellen, der angeradelt kommt und Kindern auf dem Spielplatz freundlich zuruft.
 
Mit dem Humorholzhammer arbeiten die Macher auch in den immer wieder eingestreuten Gaby-Wampel-Ausschnitten, die offenkundig das deutsche Formelfernsehen auf die Schippe nehmen sollen. Schlämmers Lieblingsschauspielerin taucht in immer neuen betont überzogen arrangierten Seriensettings auf, bei denen Hape Kerkeling in unterschiedliche Rollen schlüpft. Dass all das kein bloßes Füllmaterial ist, um die etwas mehr als 90 Minuten rumzukriegen, kann man Kilometer gegen den Wind riechen. Wie diese Ebene im Finale zum Tragen kommt, hat jedoch schon etwas von Kasperletheater.
 
Immerhin beweist der Hauptdarsteller, dass er sehr gut über sich selbst lachen kann. An einer Stelle schaut Horst Schlämmer in einem Einkaufzentrum vorbei, wo Hape Kerkeling eine Signierstunde zu seinem (fiktiven) neuen Buch „Glücklichkeit kennt keine Grenzen“ (eine Anspielung auf den Song „Witzischkeit kennt keine Grenzen“ aus dem Hape-Film „Kein Pardon“) gibt und als herablassender Prominenter in Erscheinung tritt. Ein kleiner Lichtblick in einer mauen Kalauerparade.
 
 
Fazit
 
Horst Schlämmer sucht das Glück – und findet (fast) keinen Witz.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 

Ähnliche Kritiken

Rental Family - Kinostart: 08.01.2026
Rental Family - Kinostart: 08.01.2026 Herz und Hirn, Gefühl und Verstand. Den meisten Filmen fehlt das eine oder das andere.   Vielen Filmen fehlt leider beides…   I got you a gig and the pay is actually pretty good   Der Film beginnt mit einer berührenden kleinen Szene, die das Deprimierende a...
Norman
Norman Richard Gere spielt einen wenig sympathischen Charakter, umgeben von noch ...   ... schlimmeren Menschen, in einem Film der viele Fragen aufwirft.   Sollen wir Norman mögen?   Norman Oppenheimer (gespielt von Richard Gere) ist ein zwielichtiger Gesch&...
Die Känguru Verschwörung - Kinostart: 25.08.2022
Die Känguru Verschwörung - Kinostart: 25.08.2022 Vor zwei Jahren debütierte das Känguru nach dem großen Bucherfolg mit ...   ... „Die Känguru-Chroniken“ auch im Kino. Es trotzte schnoddrig-cool der Pandemie und fuhr trotz Zeiten des Lockdowns und der begrenzten Kinosaal-Kapazitäten gutes Geld ein. So g...
Yesterday - Kinostart: 11.07.2019
Yesterday - Kinostart: 11.07.2019 In Danny Boyles neuem Film kann sich plötzlich nur noch ein junger Musiker ...   ... als einziger Mensch auf der Welt an die Beatles und ihre Musik erinnern. Leider konnte sich der Drehbuchautor des Films nicht mehr an seine eigenen Filme erinnern.   When I ...

Weitere Informationen

  • Autor:in: Christopher Diekhaus
  • Regie: Sven Unterwaldt
  • Drehbuch: Claudius Pläging
  • Besetzung: Hape Kerkeling, Meltem Kaptan