Werden Comic-Verfilmungen ganz allgemein schön langsam langweilig?
I want my life back
Okay, … fangen wir wieder mal mit dem Inhalt an ... Matt Hagen ist ein erfolgreicher Hollywood-Schauspieler und so ziemlich der dümmste Armleuchter, der je die Hauptfigur einer Comic-Verfilmung/Origin-Story war (und da gab es einige). In einem Club in seiner Heimatstadt Gotham führt er sich so himmelsschreiend dämlich auf, dass er genau genommen alles verdient, was danach mit ihm passiert. Das Gleiche gilt übrigens auch für alle anderen Figuren, einschließlich seiner Ärztin, in diesem deprimierend mittelmäßigen und auch mittelmäßig deprimierenden Beitrag zum DC-Universe …
Ich weiß gar nicht mehr, wie viele unoriginelle Origin-Storys ich während der letzten Jahre bereits rezensieren musste. Ich weiß nur, mir mag schon gar nichts mehr einfallen, wie ich noch eine weitere Rezension halbwegs originell einleiten soll. Ich mag nicht mal mehr über Sam Raimis „Darkman“ und David Cronenbergs „Die Fliege“ schreiben, die beiden sehr viel besseren Filme, die von den beiden Drehbuchautoren und dem Regisseur ganz offensichtlich zuerst auswendig gelernt und dann teilweise bis an die Grenze des Plagiats kopiert wurden.
Denn dazu hätte mich irgendetwas im Laufe der 109 Minuten von „Clayface“ interessieren müssen und das ist leider nicht passiert. Weder Inhalt noch Machart dieses Films sind geeignet, intelligente Betrachter irgendwie anzusprechen. Dieser Film tut einem ja nicht einmal den Gefallen, so misslungen zu sein, dass man sich darüber aufregen kann. „Clayface“ existiert irgendwie im unergiebigen, aber leider fast unendlichen unteren Mittelmaß des modernen Filmgeschäfts. Die Tricks sind teilweise nicht schlecht. Tatsächlich sind die noch das Beste am ganzen Film. Aber sie sind dann doch leider nicht gut genug, den ganzen Rest des Films retten zu können.
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https://cinepreview.de/index.php/item/1335-clayface-kinostart-22-10-2026#sigProId397911f541
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Hossein Amini, einer der beiden Autoren von “Clayface“ hat vor einigen Jahren das Drehbuch zu „47 Ronin“ geschrieben hat, einem Film von so nervtötender Blödheit, dass Hauptdarsteller Keannu Reeves seither jedes Jahr zwei oder drei neue „John Wick“-Filme dreht, bloß um zu vermeiden, dass er nochmal in einem Film nach einem Drehbuch von Hossein Amini mitspielen muss. Mike Flanagan, der zweite Autor von „Clayface“ hat u.a. die Drehbücher zu „Doctor Sleep“ und „Life of Chuck“ geschrieben. Es gibt jede Menge schlechte Stephen-King-Verfilmungen, aber nur wenige waren so prätentiös, wie diese beiden.
„Clayface“ ist eine wunderbare Fallstudie für faules und selbstgefälliges Drehbuchschreiben. Der tiefe Fall der Hauptfigur verläuft lächerlich klischeehaft. Wieso muss der fantastisch aussehende Hollywoodstar die einzige Frau im ganzen Club anbaggern, die ihm gleich blöd kommt und vor der er sogar gewarnt wird? Naja, weil wir sonst keine Origin-Story hätten. Wozu muss der Schauspieler seinem Anwalt eine Vollmacht über seine Finanzen geben, wenn er wegen Gesichtsverletzungen behandelt wird? Selbstverständlich damit er wenige Szenen später in einer Bruchbude landen kann, in der ihm Kakerlaken übers Gesicht krabbeln. Warum steht der betrügerische Anwalt im Fernsehen hinter dem Gangsterboss? Weil dieser Unsinn gleichzeitig als Auslöser für eine erste Verwandlung und einen Rachefeldzug dienen muss.
Besonders übel ist die, … naja, …man mag das, was sich da zwischen der Ärztin und ihrem Patienten abspielt, sicher nicht „romantische Nebenhandlung“ nennen. Es wäre schlimm genug, wenn das, was auch immer das sein soll, nur einfach nicht funktionieren würde. Aber irgendwie beschleicht einen der Eindruck, die Drehbuchautoren wären der Meinung, wenn die Frau sich bloß überwinden könnte, sich in den Kerl zu verlieben, müsste er nicht zum Monster werden. Nachdem vor einigen Jahren bereits in „Joker“ ziemlich üble Incel-Vibes zu spüren waren, scheint sich hier bald so etwas wie ein Muster bei Batman-Bösewicht-Origin-Stories abzuzeichnen.
Muss ich noch über die lahmen Dialoge berichten, in denen ständig erklärt wird, was ohnehin im Bild zu sehen ist? Der Schauspieler feiert seine Oscar-Nominierung und geht mit seinem Freund in den Club. Natürlich gehen beiden an der Schlange am Einlass vorbei und werden umgehend eingelassen. Aber der Freund muss natürlich trotzdem noch erklären, „Nominees don’t wait in line“. Das Ganze spielt in Gotham, der Hauptstadt der Korruption. Der ehrliche Bulle erklärt immer und immer wieder, wie korrupt seine Kollegen sind. Aber trotzdem muss er einen anderen Ermittler auf dessen schöne goldene Uhr ansprechen.
Die absoluten Tiefpunkte redundanten, erklärenden Dialogs bekommen wir aber in den Szenen zwischen der Ärztin und ihrem Patienten zu hören. Schon das erste Gespräch zwischen den beiden Hauptfiguren klingt ebenso pathetisch wie albern. Eine Zeile über die Ähnlichkeit von Nano-Bots und Method-Actors ergibt keinerlei Sinn und klingt nicht einmal gut. Wie die Dialoge vor allem in jeder einzelnen Szene mit diesen beiden Figuren nur zunehmend schlimmer und überflüssiger werden, wirkt irgendwann nur noch ermüdend.
You have to learn to control it
Ich habe bisher zwei Filme von Regisseur James Watkins gesehen. „Bastille Day“ war eine mittelmäßige Kopie alter Actionfilme aus den Achtzigerjahren. „Speak No Evil“ war ein deprimierender Film, der gleichzeitig Thriller, Horror und dunkle Komödie sein wollte und am Ende nichts davon war. Und jetzt hat dieser James Watkins einen deprimierenden Film gedreht, der gleichzeitig Comic-Verfilmung, Horror und Action-Film sein will und daran fast auf voller Linie scheitert.
Würden nicht immer wieder „Gotham City“-Aufschriften im Bild gezeigt und nicht immer wieder der Name der Stadt erwähnt werden, käme man nicht auf die Idee, das Ganze könnte etwas mit dem DCU oder einem anderen Comic-Universum zu tun haben. Szenen wie der Versuch einer eigenhändigen Augen-OP auf einer Flugzeugtoilette während Turbulenzen sorgen zwar für den nötigen Gore-Faktor. Aber diese und andere Sequenzen sind zu selten und liegen zu weit auseinander, als das „Clayface“ als Horrorfilm durchgehend funktionieren könnte. Und Action findet ohnehin kaum jemals statt. Ein Showdown am Ende des Films ist viel zu langweilig geraten, als dass man ihn als Finale oder Höhepunkt des Films wahrnehmen könnte. Nicht nur das Ende, der ganze Film ist dann auch viel zu lang geraten. Und das, obwohl er mit 109 Minuten für eine Comicverfilmung recht kurz ausfällt.
Daran ändert auch die Arbeit der Darsteller nichts. In einem Film, in dem die Leistung eines Könners wie Eddie Marsan („Deadpool 2“, „Operation Fortune“) uns komplett kalt lässt, ist von geringeren Talenten nicht viel zu erwarten. Und von denen tummeln sich in diesem Film einige.
Comic-Verfilmungen sind meistens nur so gut wie ihre Schurken. Der Schwede David Dencik war in „James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“ noch der 17. Handlanger von links und hat damals keinerlei Eindruck hinterlassen. Leider trifft das auch auf seine Darstellung des Gangsterbosses in „Clayface“ zu. Eine attraktive portugiesische Schauspielerin namens Joana Ribeiro zeigt zwar viel Haut aber sonst wenig, das einem im Gedächtnis bleiben könnte.
Die Britin Naomi Ackie vermochte uns weder in „Star Wars – Episode IX: Der Herr Kaiser ist wieder da“ noch in „Blink Twice“ oder „Mickey 17“ beeindrucken. Bisher dachte ich immer, das hätte vor allem mit den schwachen Rollen zu tun, die Frau Ackie in diesen Filmen zu spielen hatte. Dass es ihr in „Clayface“ nicht gelingt, auf der Grundlage ihrer extrem dumm geschriebenen Rolle so etwas wie einen Charakter darzustellen, ist verständlich. Aber sie scheitert hier ja sogar daran, ein Klischee zu vermitteln. Ihre Figur ist ein reines Handlungselement und kaum als Person wahrzunehmen.
Hauptdarsteller Tom Rhys Harries kann einem fast leidtun. Ich muss immer daran denken, wie ihm sein Agent sicher eigeredet hat, die Hauptrolle in „Clayface“ würde ihm zu einer ähnlichen Karriere verhelfen, wie sie Tom Holland hat, seit er zum ersten Mal in den Anzug von Spider-Man geschlüpft ist. Denn daraus wird wohl kaum etwas werden. Seine Figur hier ist am Anfang des Films bloß ein strohdummer Schnösel. Leider wird aus ihr im Verlauf des Films dann weder Held noch Schurke oder sonst irgendetwas Interessantes. Daran trägt sicher auch das furchtbare Drehbuch mit Schuld, das uns diesen Charakter nie richtig kennenlernen lässt. Trotzdem kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Tom Rhys Harries auch mit einem besseren Drehbuch nicht viel mehr zu bieten gehabt hätte.
Fazit
Vielleicht haben wir alle einfach schon genug Comic-Verfilmungen gesehen. Die Langeweile, die sich beim Betrachten von „Clayface“ einstellt, hat aber nicht nur damit zu tun. Der Film ist einfach schwach und uninteressant und hat uns kaum etwas zu bieten, was den Preis einer Kinokarte wert wäre.
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