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Genauso anders wie ich

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(21 Stimmen)
Djimon Hounsou leistet Erstaunliches in einem Film der sicher gut gemeint,  ...
 
... aber leider nicht sehr gut gemacht ist.
 
Wenn der Herrgott nicht will …
 
Warum sind amerikanische Filme mit christlicher Botschaft oft so plump? Alleine dieses Jahr hatten wir bereits zwei solcher Filme. Erst wollte uns Mel Gibson pazifistische Werte näherbringen, indem er uns stundenlanges Schlachtengetümmel zeigt, bevor er Andrew Garfield dann als Messias inszeniert. Dann musste sich der arme Sam Worthington von Octavia Spencer in der Rolle vom lieben Gott persönlich so lange zutexten lassen, bis er nicht mehr traurig war weil seine kleine Tochter brutal ermordet wurde.
 
Und jetzt haben wir einen Film in dem der Hauptdarsteller bereits in der zweiten Szene Tränen in den Augen hat, damit wir auch auf jeden Fall alle verstehen, wie schwer er es gerade hat. Greg Kinnear spielt hier den Kunsthändler Ron Hall. Der Mann steckt in einer schweren Krise. Der Film läuft gerade mal fünf Minuten als er seiner Frau eine Affäre gestehen muss. Die anschließende Streitszene ist furchtbar geschrieben, noch schlechter inszeniert und nicht viel besser gespielt. Später schleppt Debbie ihren Mann zu ehrenamtlicher Arbeit in einer Suppenküche. Dort trifft das Paar auf einen gewalttätigen Schwarzen, der von allen nur „Suicide“ genannt wird. Weil Debbie von dem Mann geträumt hat, muss Ron sich mit ihm anfreunden.
 
Das geht dann auch recht flott. Ron muss einem gewalttätigen Obdachlosen mit schweren emotionalen Problemen bloß was zu essen spendieren und schon werden die beiden Freunde. Denver, wie der Obdachlose tatsächlich heißt, öffnet sich erstaunlich schnell und erzählt von seiner Kindheit und Jugend im amerikanischen Süden um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Er berichtet von einem Leben voller Härte und ohne Liebe. Es sind diese Sequenzen die den Film retten. Warum Regisseur und Drehbuchautor Michael Carney diese Szenen voll emotionaler Wucht nicht einfach für sich stehen lassen konnte, ist unverständlich. Stattdessen werden Denvers Erinnerungen immer wieder von Ron oder Debbie kommentiert. Darf der schwarze Mann seine Geschichte nicht erzählen ohne sie von Vertretern der weißen Oberschicht kommentieren zu lassen?
 
Drama und Gottvertrauen
 
Statt mehr von Denvers Leben zu sehen, erfahren wir von Rons versoffenem Vater, sehr viel von Debbies Träumen und noch mehr davon, was für ein Engel Debbie ist. Die Nebenhandlung mit dem trinkenden Vater ist beinahe überflüssig. Debbies Träume sind ein ganz anderes Thema. Jeder von uns hat doch diese eine Freundin, die einem immer ungefragt ihre Träume erzählt, obwohl man davon gar nichts hören will. Nun dieses Erlebnis kann man jetzt auch im Kino haben.
 
 
In einem dieser Träume schaufelt Ron sich sein eigenes Grab. Was das wohl zu bedeuten hat? Im weiteren Verlauf der Handlung erfährt eine der Figuren, dass sie eine schwere Krankheit nicht überleben wird. Angeblich beruht der Film auf wahren Begebenheiten. Trotzdem glaube ich keine Sekunde, diese Szene könnte sich tatsächlich so abgespielt haben.
 
Und selbst wenn sie sich tatsächlich so zugetragen haben sollte, hätte man sie für den Film trotzdem umschreiben müssen. Eine andere Szene um einen Tanz zum Abschied ist purer Kitsch. Am Ende gibt es stehende Ovationen für eine Trauerrede. Zugegeben, die Rede ist nicht schlecht. Tatsächlich ist das eine der schöneren Stellen des Films. Aber ist jemals eine Trauergemeinde in einer Kirche tatsächlich aufgestanden um kräftig in die Hände zu klatschen?
 
Der Vater, der Sohn und …
 
Greg Kinnear kennen wir aus den zwei oder drei Filmen in denen er sehr gut war, wie „Little Miss Sunshine“ oder „Besser geht’s nicht“ und einer langen Liste von Filmen, die man getrost vergessen kann. Hier scheitert er am Material.
 
Debbie, Rons Frau, wird wirklich von Renée Zellweger gespielt. Das sollte man sich auf jeden Fall merken, weil man sie sonst nicht auf Anhieb erkennen wird. Sie schaut während des Films meistens erstaunt drein, obwohl ihre Figur in den jeweiligen Szenen gar nichts Erstaunliches erlebt.
 
Warum Jon Voights Rolle als Rons Vater nicht aus dem Film entfernt wurde, ist auch ein Rätsel. In einer Szene ist seine Figur zu faul, sich zum Essen eine Hose anzuziehen. So oder so ähnlich war wohl auch Jon Voights eigene Einstellung zu seiner Mitarbeit an dem Film.
 
Djimon Hounsou zeigt eine der besten Darbietungen die wir dieses Jahr im Kino zu sehen bekommen. Wie sich das Gesicht dieses Mannes verändert während er von seiner Kindheit erzählt, ist fantastisch. Er zeigt in einzelnen Szenen mehr Emotionen, mehr Kraft, mehr Leben als der ganze Rest der Besetzung während des gesamten Films. Ich kann jedem nur dringend raten, diesen Film in der englischen Originalfassung zu sehen. Wenn die menschliche Stimme ein Instrument ist, dann ist Hounsous Stimme eine Kirchenorgel.
 
 
Fazit
 
Wir alle haben uns doch schon mal einen Film bloß wegen eines einzelnen Darstellers angesehen (Was habe ich nicht schon alles gesehen, bloß weil Eva Green sowas Gewisses hat).
 
Sich „Genauso anders wie ich“ wegen Djimon Hounsous großartiger Leistung anzusehen, ist nicht das Schlimmste was man in einem Kino anstellen kann. Sollte jemand durch den Film dann auch noch zu Jesus finden, kann uns das auch recht sein.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Michael Carney
  • Drehbuch: Alexander Foard
  • Besetzung: Greg Kinnear, Renée Zellweger
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