deensvtr

The Killing Of A Sacred Deer

Artikel bewerten
(38 Stimmen)
Horror, Drama, Psychothriller, Milieustudie, Gesellschaftskritik, …
 
Der neue Film von Yorgos Lanthimos ist all das. Und noch viel mehr.
 
So lange das Herz noch schlägt ….
 
Steven Murphy ist ein erfolgreicher Herzchirurg. In seinem noblen Haus warten seine wunderschöne Frau (Nicole Kidman), die ebenfalls Ärztin ist, und seine beiden Kinder auf ihn. Tochter Kim singt im Chor, der kleine Bob spielt Klavier. Alles ist perfekt. Aber Steven trifft sich nebenbei mit dem 16-jährigen Martin (Barry Keoghan). Einerseits schenkt er dem Teenager eine teure Uhr, anderseits möchte er nicht von ihm an der Arbeitsstelle besucht werden. Wir erfahren, Martins Vater war Stevens Patient und ist verstorben. Als Steve den jungen Martin mit nach Hause nimmt, verliebt sich die 14-jährige Kim schnell in den ungewöhnlichen Burschen. In weiterer Folge lädt Martin wiederum den Arzt zu sich nach Hause ein.
 
Offensichtlich will der verwirrte und verwirrende junge Mann, Steven mit seiner Mutter verkuppeln. Darauf bricht der Arzt den Kontakt ab. Bald danach kann Stevens Sohn Bob seine Beine nicht mehr bewegen. Die Ärzte sind ratlos. Martin besucht Steven in der Klinik und erklärt ihm den Zusammenhang. Er macht den Arzt für den Tod seines Vaters verantwortlich. Deshalb werden nun der Reihe nach sein Sohn, seine Tochter und seine Ehefrau krank werden. Zuerst werden die Beine gelähmt. Dann verweigern die Erkrankten die Nahrung. Wenn sie schließlich aus den Augen bluten, bleiben nur noch wenige Stunden bis zum Tod. Nur wenn Steven einen seiner Lieben opfert, können die anderen beiden überleben.
 
Eine Geschichte von Verlust
 
„The Killing Of The Scred Deer“ ist keine einfache Rachegeschichte. Rache ist hier ein Weg, Verlust zu bearbeiten. Und Verlust ist eines der großen Themen dieses Films. Verlust von Zuneigung, Kontrolle, Unschuld, Vertrauen, Sicherheit, …
 
Regisseur Yorgos Lanthimos und Drehbuchautor Efthimis Filippou haben bereits einmal einen der originellsten Filme der letzten Jahre geschaffen. „The Lobster“ gewann 2015 den Preis der Jury in Cannes. Bei uns lief er dann noch nicht einmal in einer deutschen Fassung im Kino und ist daher weitgehend unbekannt. Nun hat dieses Team wieder einen ganz besonderen Film geschaffen.
 
Jede der Figuren hat ihre Geschichte, jede der Figuren hat eine Motivation, wie sie agieren ist oft überraschend und doch immer schlüssig. Die Dialoge sind nicht surreal, sie sind hyperreal. In einer Szene zu Anfang lernen wir schnell, was für ein schlechter Lügner Steven ist, als er eine Erklärung mit überflüssigen Details ausschmückt. An anderer Stelle lehnt seine Frau einen Cocktail für ihn ab und so erfahren wir einiges über seine Vorgeschichte und die Dynamik seiner Ehe. Schnell wird klar, dies ist ein Film für intelligente, aufmerksame Zuseher. Es wird nicht alles lang und breit erklärt. Wir sind gezwungen aufzupassen.
 
 
Auch die Musik im Film unterstreicht nicht einfach, was wir ohnehin sehen. Manchmal ist sie Kontrapunkt, dann wieder Teil des Geschehens auf der Leinwand. Die Kameraführung ist auf unspektakuläre Weise hervorragend. Man sieht nicht einfach Schauspieler vor Hintergründen, es bewegen sich echte Personen durch echte Räume. Jedes Bild passt, jede Bewegung ist stimmig.
 
Die Familie und der Eindringling
 
Colin Farrell kann man bis vor einigen Jahren aus Filmen wie „Miami Vice“ und „Total Recall“. Nachdem er in den letzten beiden Jahren in so unterschiedlichen Filmen wie „The Lobster“ und „Die Verführten“ geglänzt hat, ist er mittlerweile einer der mutigsten und wandelbarsten Schauspieler der Gegenwart. Hier spielt er nicht nur einen Arzt, Ehemann und Familienvater sondern das personifizierte Establishment in der Krise. Der erfolgreiche, wohlsituierte amerikanische Mann der lange Zeit alles kontrolliert hat, muss nun mit dem Unkontrollierbaren fertig werden.
 
Nicole Kidman hatte in den letzten Jahren nicht immer Glück bei der Auswahl ihrer Rollen. Nachdem sie kürzlich in „Die Verführten“ als starke, einsame Frau überzeugt hat, zeigt sie nun eine grandiose Leistung als Mutter und Ehefrau. Sie wirkt zerbrechlich und stark, verzweifelt und entschlossen. Ihre Figur hält die Familie ebenso zusammen, wie ihre Darstellung den Film zusammenhält.
 
Den jungen Barry Keoghan haben wir zuletzt in „Dunkirk“ gesehen. Er spielt den jungen Martin weder als Irren noch als Bösewicht, sondern als fehlgeleiteten aber entschlossenen Teenager.
 
Alicia Silverstone hat als Martins Mutter leider nur eine Szene. Darin zeigt sie aber die berührende Darstellung einer Frau die zu viel verloren hat. Bill Camp als Stevens Kollege Matthew zeigt mit seiner zurückhaltenden Darstellung die banale Widerlichkeit eines Spießers.
 
 
Fazit
 
Gleich das erste Bild dieses Films zeigt uns: hier beschreitet ein Filmemacher eigene Wege. Jede Szene, jedes Bild ist ebenso originell wie originär. Man bekommt nicht nur einen Film geboten, nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch noch Stoff für lange interessante Gespräche im Anschluss an den Kinobesuch.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Brightburn - Son of Darkness - Kinostart: 20.06.2019 Die legendäre Geschichte des „Mann aus Stahl“ in einem Horror-Film?   Bekommen DC und Marvel jetzt Konkurrenz in einem neuen Universum?   The boy you love   Wie jeder mittlerweile wissen sollte, ist „Brightburn“ eine Neu-Interpretation des Superman...
Child´s Play - Kinostart: 18.07.2019 Im Kinderzimmer werden wieder Messer gewetzt: Der Norweger Lars Klevberg ...   ... verpasst mit „Child’s Play“ einem schrägen Horrorstreifen eine Frischzellenkur, der hierzulande als „Chucky – Die Mörderpuppe“ in die Kinos kam.   Spielzeu...
Das Wunder von Marseille - Kinostart: 07.11.2019 Die Verfilmung der Geschichte des achtjährigen Flüchtlings und Schachmeisters ...   ... Fahim Mohammad soll uns wohl einige wichtige Lehren vermitteln. Leider lehrt uns dieser Film vor allem den Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht.   Eröffnung   F...
Werk Ohne Autor - Kinostart: 03.10.2018 Das Klischee kursiert schon lange und hält sich ...   ... eisern: Deutsche Filme sind schlecht. Mit Werk ohne Autor ist jedoch ein Film auf die Leinwand gebracht worden, der es schaffen kann, seine Zuschauer umzustimmen.   Der Film ist ein Kunstwerk – man kann darin das se...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Giorgos Lanthimos
  • Drehbuch: Efthymis Filippou
  • Besetzung: Colin Farrell, Nicole Kidman
hnews gman wsmith
Am 25. September 2019 feierte Superstar Will Smith vor der grandiosen Kulisse des Budapester Burgpalasts nicht nur seinen 51. Geburtstag. Anlass für…
d23019 mag header
Am 24. und 25. August 2019 präsentierten die Walt Disney Studios bei der D23 Expo 2019 im kalifornischen Anaheim den nahezu 7000 Fans Star-gespickte…
hnews 007ds
Die James Bond Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben heute den offiziellen Titel des 25. James Bond Abenteuers NO TIME TO DIE…
hnews marvel
Neuigkeiten aus dem Marvel Cinematic Universe: Der Siegeszug von AVENGERS: ENDGAME an den weltweiten Kinokassen ist bis heute nicht aufzuhalten. Am…
hbss hnews
Mit „Rocky“ und „Rambo“ avancierte er zur Actionlegende und auch vier Jahrzehnte nach seinem Durchbruch gehört er noch lange nicht zum alten Eisen:…
wss hnews
Das erste Filmfoto von Oscar®-Gewinner Steven Spielbergs WEST SIDE STORY wurde veröffentlicht. Die Adaption des Original Broadway Musicals WEST SIDE…
traffikant hnews
"Der Trafikant": Bruno Ganz' letzter Film feiert seine Los Angeles Premiere auf dem Jüdischen Filmfestival Es sollte seine letzte Rolle werden: Bruno…
hnews pa bond25
Die James-Bond-Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben am 25. April 2019 angekündigt, dass die Dreharbeiten zum 25. offiziellen…
swc hnews
Greg Pak und Phil Noto werden ab Juli die monatliche Comic-Kernserie übernehmen. Auf der diesjährigen Star Wars Celebration wurden Details zu der…
os019 hnews header
Endlich wieder Glamour, endlich wieder Popcorn-Feeling, endlich wieder erfahren, welche Filme für die Academy besonders hervorgestochen sind – ja, es…
hnews gg019 header
In der Nacht zum 07. Januar 2019 fand in Los Angeles wie in jedem Jahr die Verleihung der „Golden Globes“ statt. Und das bereits zum 76. Mal.…
hnews moma
Bei einer Benefitzveranstaltung des Museum of Modern Art 2018 ehrten Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Emily Mortimer und weitere Stars…
hnews joker
Nachdem Alec Baldwin letzten Monat den Cast verlassen hatte, übernimmt Brett Cullen die Rolle von Thomas Wayne im kommenden "Joker"-Film. Joaquin…
hnews hbfm18
Freddie Mercury, der legendäre Rocksänger der Siebziger und Achtziger Jahre, wurde heute vor zweiundsiebzig Jahren auf der Insel Sansibar (heute…
hnews tg2c
Jennifer Conelly soll neben Tom Cruise die weibliche Hauptrolle im "Top Gun" - Sequel spielen, welches 2019 in die Kinos kommen wird. Und zwar eine…