Familiäre Zwietracht par excellence: In Gilles Paquet-Brenners Verfilmung ...
... eines Romans von Krimikönigin Agatha Christie lernt der Zuschauer eine höchst eigenwillige Sippschaft kennen und darf rätseln, wer in der illustren Runde wohl der Mörder ist.
Auftrag mit pikanter Note
Eigentlich sollte er froh über jeden Klienten sein, der sich in sein Londoner Büro verirrt. Doch als plötzlich seine frühere Geliebte Sophia (Stefanie Martini) vor der Tür steht und um Hilfe bittet, muss Privatdetektiv Charles Hayward (Max Irons) erst mal schlucken. Nur widerwillig erklärt sich der junge Mann bereit, den mysteriösen Tod ihres Großvaters, eines einflussreichen Milliardärs, genauer zu untersuchen. Nach einem Gespräch mit Scotland-Yard-Inspektor Taverner (Terence Stamp) begibt sich Charles auf das prunkvolle Anwesen des Verstorbenen und begegnet dort Sophias ebenso exzentrischer wie zerstrittener Familie. Schon die ersten Unterredungen zeigen, dass im Grunde alle Bewohner ein Motiv gehabt hätten, den Patriarchen zu ermorden.
In den letzten Jahren war es – zumindest auf der großen Leinwand – still geworden um Agatha Christie, deren Werken schon diverse Kinofilme nach sich zogen. Im November 2017 beendete Kenneth Branagh die Flaute allerdings mit seiner neuen, stargespickten Adaption von „Mord im Orient-Express“, die als opulentes Kammerspiel daherkam.
View the embedded image gallery online at:
https://cinepreview.de/index.php/item/369-das-krumme-haus-kinostart-29-11-2018#sigProId13da34d90c
https://cinepreview.de/index.php/item/369-das-krumme-haus-kinostart-29-11-2018#sigProId13da34d90c
Fast zeitgleich entstand das von Gilles Paquet-Brenner („Dark Places: Gefährliche Erinnerung“) inszenierte Mörderrätsel „Das krumme Haus“, das auf Christies gleichnamigem Roman von 1949 basiert. Einem Buch, das die britische Queen of Crime – so wird immer wieder kolportiert – unter ihren eigenen Arbeiten besonders mochte.
Betuliche Krimiunterhaltung
Warum die Schriftstellerin diese Meinung vertrat, lässt sich beim Anblick der nun anlaufenden Verfilmung leider nicht genau erschließen. Paquet-Brenners gediegen inszenierte Tätersuche ist hochgradig konventionelle Krimikost, der an manchen Stellen etwas mehr Tempo gut bekommen wäre. Beinahe behäbig entfalten sich Haywards Ermittlungen, die bevorzugt aus Befragungen der eigenwilligen Familienmitglieder bestehen. Die Frage nach dem Mörder hält das Interesse des Zuschauers halbwegs aufrecht. Handfeste Spannungsmomente hat das wenig ambitionierte Drehbuch aber nicht in petto.
Das namhafte Ensemble – neben Glenn Close sind unter anderem auch Christina Hendricks und Gillian Anderson zu sehen – gibt das extravagante Figurenpersonal routiniert zum Besten und darf kleine satirische Spitzen setzen. Wirklich erinnerungswürdig sind die Auftritte jedoch nicht, was vor allem an den doch recht stereotypen Charakterisierungen liegt. Etwas mehr Biss und Sarkasmus hätte den familiären Konfliktherd sicher ein wenig aufgewertet.
Weitgehend überzeugend fallen die Arbeit der Kostüm- und Szenenbildabteilung aus, die der in den späten fünfziger Jahren spielenden Geschichte den nötigen nostalgisch-eleganten Anstrich verleihen. Das verwinkelte Herrenhaus ist ein gewaltiger Bau, dessen luxuriöses Innenleben die Kamera begierig auskundschaftet, ohne den zentralen Handlungsort allerdings zu einem rundum faszinierenden und eigenständigen Protagonisten zu erheben. Das im Originaltitel – „The Crooked House“ – auftauchende Adjektiv spielt übrigens weniger auf die Architektur des Anwesens an, sondern verweist vielmehr auf seine nicht sonderlich integren Bewohner. „Crooked“ lässt sich zwar mit „krumm“ im Sinne von „nicht gerade“ übersetzen, bedeutet aber eben auch „gaunerisch“ oder „betrügerisch“.
Fazit
Gemächlich erzählter und inszenierter Kriminalfilm mit prominenter Besetzung, der gerade so passabel unterhält.
|
Unterstütze CinePreview.DE:
|
Ähnliche Kritiken
Missing - Kinostart: 23.02.2023
„Desktop-Filme“ wie „Unknown User“ oder „Searching“ sind ...
... zurzeit recht populär. Aber wird ein Film besser, wenn er sich zur Gänze auf einem Computerbildschirm abspielt?
Siri, call June!
Die Achtzehnjährige June sieht sich auf ihrem PC ein alte...
Blink Twice - Kinostart: 22.08.2024
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht zum Regiedebut von Zoë Kravitz ...
We’re going to my island for a few days
Die junge Kellnerin Frida schleicht sich zusammen mit ihrer Freundin Jess auf einer Galaveranstaltung zugunsten des Tech-Milliardärs Slate...
Red Rooms: Zeugin des Bösen - Kinostart: 07.11.202...
Ebenso cleverer wie unbequemer Psychothriller um eine junge Frau, die von einem ...
... aufsehenerregenden Mordprozess magisch angezogen wird.
Keine Gewaltbilder
Seine Blütezeit hatte der Serienkillerfilm auf der großen Leinwand vor allem in den 1990e...
Hinterland - Kinostart: 07.10.2021
Einen Serienkillerfilm österreichischer Provenienz sieht man auch nicht alle Tage.
Mit Stefan Ruzowitzky, der mit den ANATOMIE-Filmen oder auch DIE HÖLLE – INFERNO entsprechende Erfahrung gesammelt hat, war auf jeden Fall der richtige Mann am Ruder. Di...



