deensvtr

Das krumme Haus - Kinostart: 29.11.2018

Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Familiäre Zwietracht par excellence: In Gilles Paquet-Brenners Verfilmung ...
 
... eines Romans von Krimikönigin Agatha Christie lernt der Zuschauer eine höchst eigenwillige Sippschaft kennen und darf rätseln, wer in der illustren Runde wohl der Mörder ist.
 
Auftrag mit pikanter Note
 
Eigentlich sollte er froh über jeden Klienten sein, der sich in sein Londoner Büro verirrt. Doch als plötzlich seine frühere Geliebte Sophia (Stefanie Martini) vor der Tür steht und um Hilfe bittet, muss Privatdetektiv Charles Hayward (Max Irons) erst mal schlucken. Nur widerwillig erklärt sich der junge Mann bereit, den mysteriösen Tod ihres Großvaters, eines einflussreichen Milliardärs, genauer zu untersuchen. Nach einem Gespräch mit Scotland-Yard-Inspektor Taverner (Terence Stamp) begibt sich Charles auf das prunkvolle Anwesen des Verstorbenen und begegnet dort Sophias ebenso exzentrischer wie zerstrittener Familie. Schon die ersten Unterredungen zeigen, dass im Grunde alle Bewohner ein Motiv gehabt hätten, den Patriarchen zu ermorden.
 
In den letzten Jahren war es – zumindest auf der großen Leinwand – still geworden um Agatha Christie, deren Werken schon diverse Kinofilme nach sich zogen. Im November 2017 beendete Kenneth Branagh die Flaute allerdings mit seiner neuen, stargespickten Adaption von „Mord im Orient-Express“, die als opulentes Kammerspiel daherkam.
 
Fast zeitgleich entstand das von Gilles Paquet-Brenner („Dark Places: Gefährliche Erinnerung“) inszenierte Mörderrätsel „Das krumme Haus“, das auf Christies gleichnamigem Roman von 1949 basiert. Einem Buch, das die britische Queen of Crime – so wird immer wieder kolportiert – unter ihren eigenen Arbeiten besonders mochte.
 
Betuliche Krimiunterhaltung
 
Warum die Schriftstellerin diese Meinung vertrat, lässt sich beim Anblick der nun anlaufenden Verfilmung leider nicht genau erschließen. Paquet-Brenners gediegen inszenierte Tätersuche ist hochgradig konventionelle Krimikost, der an manchen Stellen etwas mehr Tempo gut bekommen wäre. Beinahe behäbig entfalten sich Haywards Ermittlungen, die bevorzugt aus Befragungen der eigenwilligen Familienmitglieder bestehen. Die Frage nach dem Mörder hält das Interesse des Zuschauers halbwegs aufrecht. Handfeste Spannungsmomente hat das wenig ambitionierte Drehbuch aber nicht in petto.
 
 
Das namhafte Ensemble – neben Glenn Close sind unter anderem auch Christina Hendricks und Gillian Anderson zu sehen – gibt das extravagante Figurenpersonal routiniert zum Besten und darf kleine satirische Spitzen setzen. Wirklich erinnerungswürdig sind die Auftritte jedoch nicht, was vor allem an den doch recht stereotypen Charakterisierungen liegt. Etwas mehr Biss und Sarkasmus hätte den familiären Konfliktherd sicher ein wenig aufgewertet.
 
Weitgehend überzeugend fallen die Arbeit der Kostüm- und Szenenbildabteilung aus, die der in den späten fünfziger Jahren spielenden Geschichte den nötigen nostalgisch-eleganten Anstrich verleihen. Das verwinkelte Herrenhaus ist ein gewaltiger Bau, dessen luxuriöses Innenleben die Kamera begierig auskundschaftet, ohne den zentralen Handlungsort allerdings zu einem rundum faszinierenden und eigenständigen Protagonisten zu erheben. Das im Originaltitel – „The Crooked House“ – auftauchende Adjektiv spielt übrigens weniger auf die Architektur des Anwesens an, sondern verweist vielmehr auf seine nicht sonderlich integren Bewohner. „Crooked“ lässt sich zwar mit „krumm“ im Sinne von „nicht gerade“ übersetzen, bedeutet aber eben auch „gaunerisch“ oder „betrügerisch“.
 
 
Fazit
 
Gemächlich erzählter und inszenierter Kriminalfilm mit prominenter Besetzung, der gerade so passabel unterhält.
 
 
dkhaus gewinn banner
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

The Limehouse Golem
The Limehouse Golem Die Geschichte einer Mordserie im London von 1881 ist ein passabler Splatter-Film, ...   ... ein gut gemachter Thriller und ein interessantes Portrait der Music-Hall-Szene und des Alltags in viktorianischer Zeit.   Blut, Gesang und Armut   Inspector John Ki...
The Killing Of A Sacred Deer
The Killing Of A Sacred Deer Horror, Drama, Psychothriller, Milieustudie, Gesellschaftskritik, …   Der neue Film von Yorgos Lanthimos ist all das. Und noch viel mehr.   So lange das Herz noch schlägt ….   Steven Murphy ist ein erfolgreicher Herzchirurg. In seinem no...
Cortex - Kinostart: 22.10.2020
Cortex - Kinostart: 22.10.2020 Der nächste Schauspieler, der sich als Regisseur versucht: Nach ...   ... mehreren Jahrzehnten an der Darstellerfront liefert Moritz Bleibtreu mit „Cortex“ ein beeindruckend ambitioniertes Debütwerk ab, das sich dorthin wagt,...
Motherless Brooklyn - Kinostart: 12.12.2019
Motherless Brooklyn - Kinostart: 12.12.2019 Fast 20 Jahre kämpfte der bisher mit drei Oscar-Nominierungen bedachte ...   ... Schauspieler Edward Norton für die Verfilmung des Kriminalromans „Motherless Brooklyn“, dessen Rechte er sich bereits Ende der 1990er Jahre gesichert hatte. Als ...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Christopher Diekhaus
  • Regisseur: Gilles Paquet-Brenner
  • Drehbuch: Julian Fellowes
  • Besetzung: Glenn Close, Max Irons