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Hexen Hexen - Kinostart: 29.10.2020

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Robert Zemeckis ist einer der besten Regisseure, wenn es um ...
 
... die Verfilmung fantastischer Stoffe geht. Und auch bei „Hexen hexen“ zeigt er wieder was er kann. Trotzdem wirft dieser Film einige Fragen auf …
 
Warum?
 
Nach dem Unfalltod seiner Eltern muss der junge Held des Films zu seiner Großmutter nach Alabama ziehen. Die ist eine resolute, blitzgescheite und verständnisvolle Dame. Als der Enkel ihr eines Tages von einer unheimlichen Frau erzählt, die ihm Süßigkeiten angeboten hat, glaubt ihm die Großmutter sofort. Auch sie hat als Kind Unheimliches erlebt. Und so vermittelt sie ihm die drei wichtigsten Lehren seines jungen Lebens: „Hexen sind echt. Sie sind hier. Hexen hassen Kinder.“. Oma und Enkel wollen sich vor den Hexen in einem Nobelhotel an der Küste verstecken. Leider geraten sie dort mitten in eine Versammlung unter der Leitung der Großen Oberhexe …
 
Roald Dahls „Hexen hexen“ wurde bereits 1990 mit der großartigen Anjelica Huston verfilmt. Man muss sich also fragen, warum Robert Zemeckis eine Neuverfilmung für eine gute Idee gehalten hat? Was hat die neue Version wirklich Neues zu bieten? Da wäre zunächst mal natürlich die Tricktechnik. Vor 30 Jahren musste man sich vor allem auf praktische Effekte verlassen. Seither hat CGI die Filmkunst nachhaltig verändert. Und gerade Zemeckis ist ein Meister, wenn es darum geht, Geschichten mit Hilfe modernster Tricktechnik zu erzählen.
 
1985 hat er Michael J. Fox „Zurück in die Zukunft“ und später noch in zwei Fortsetzungen geschickt. 1988 ließ er in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ Cartoon-Legenden und menschliche Darsteller sich die Leinwand teilen. Vor mehr als 25 Jahren hat er „Forrest Gump“ u.a. auf John F. Kennedy und John Lennon treffen lassen. Und vor einigen Jahren hat er in „Flight“ einen ebenso realistischen wie spektakulären Flugzeugabsturz gezeigt, um die Geschichte eines Trinkers zu erzählen.
 
Aber großartige Tricktechnik allein macht noch keine großartigen Filme. Zemeckis hat vor einigen Jahren drei Filme hintereinander komplett im Motion-Capture-Verfahren gedreht. Mit computergenerierten Figuren vor computergenerierten Hintergründen hat er mit „Der Polarexpress“, „Beowulf“ und „Eine Weihnachtsgeschichte“ mit großem Aufwand drei Filme geschaffen, die zwar filmtechnisch eindrucksvoll gleichzeitig aber so komplett künstlich wirkten, dass sie weder Kinder noch Erwachsene irgendwie berührt haben. Es wirkte, als hätte Zemeckis damals das Motion-Capture-Verfahren um seiner selbst willen benutzt. Technik um der Technik willen.
 
Auch in „Hexen hexen“ sind die Effekte wieder von hervorragender Qualität. Hier hüpfen, laufen und klettern Mäuse blitzschnell und agil auf der Leinwand hin und her und verleihen dem Film eine Dynamik, die so fantastisch ist, dass man irgendwann aufhört sie wahrzunehmen. Gerade kleinere Filmfans werden gar nicht zu würdigen wissen, wie fantastisch die vielen Szenen gestaltet sind, in denen Mäuse von Hexen quer durch Ballsäle, Luftschächte und Hotelsuiten gejagt werden. Auch die Szenen in denen Kinder und Hexen sich verwandeln, sind so großartig gestaltet, dass man gar nicht wahrnehmen kann, wo „echte“ Bilder aufhören und CGI anfängt. Und das kann zum Problem werden und bringt uns zur nächsten Frage.
 
 
Wieso?
 
„Hexen hexen“ ist eindeutig ein Kinderfilm. Wieso meinte Zemeckis, er müsste jede gruselige Verwandlung, jedes grausame Detail des wahren Aussehens der Hexen, jedes noch so furchtbare Geschöpf so realistisch als möglich zeigen? Bereits nach kaum 15 Minuten sehen wir in allen Einzelheiten, wie ein kleines Mädchen sich in ein Huhn von der Größe eines Kindes verwandelt. Diese Szene ist weder witzig noch eindrucksvoll, sie ist einfach bloß gruselig anzusehen. In einer anderen Szene wachsen die Arme der Oberhexe auf unnatürliche Länge und entwickeln zusätzliche Gelenke um ihre Opfer packen zu können. Und weil die Hexen in diesem Film mit Reißzähnen bewehrte Münder haben, die von einem Ohr zum anderen reichen, fehlt ihnen eigentlich bloß die Schminke, um sie wie Schwestern von Pennywise aussehen zu lassen.
 
Die FSK-Freigabe stand zum Zeitpunkt der Pressevorführung noch nicht fest. Aber die sollte verantwortungsbewussten Eltern in diesem Fall auch gleichgültig sein. Sie sollten sich lieber fragen, ob ihre Kinder schon reif genug für Zombieratten sind. Denn die Wesen, die gegen Ende des Films in großer Zahl zu sehen sind, kann man nur so beschreiben. Eltern sollten sich also fragen, ob sie mit ihren Kindern darüber reden wollen, warum der Hotelmanager im Film so laut geschrien hat, als eine der Zombieratten sich in seinem Schritt festgebissen hat.
 
Der Verfasser dieser Zeilen ist selbst Vater. Und als solcher kann ich die Warnung auch gerne deutlicher formulieren. Wer Zehnjährige in diesen Film mitnimmt, braucht in der darauffolgenden Nacht hoffentlich nicht viel Schlaf. Wer sich diesen Film mit Achtjährigen ansieht, legt daheim am besten gleich den frischen Schlafanzug und das Bettzeug zum Wechseln bereit. Und jeder, der um zwei Uhr morgens das Bett seines Kindes frisch beziehen muss, darf sich bei Robert Zemeckis bedanken, der so stolz auf seine computergenerierten Schreckensbilder war, dass er sich nie gefragt hat, ob diese in einen Kinderfilm passen.
 
Weshalb?
 
Auch andere Fragen hat sich Zemeckis wohl nie gestellt. Wozu wurde die Handlung von England ins Alabama von 1968 verlegt, wenn die Rassenfrage dann doch weitgehend ignoriert wird? Man könnte an dieser Stelle fragen, wie eine schwarze, alleinerziehende Großmutter sich den Aufenthalt in einem Luxushotel leisten konnte. Aber diese Frage wäre lächerlich, weil eine schwarze Frau 1968 in Alabama selbst für alles Geld der Welt kein Zimmer in einem solchen Hotel bekommen hätte.
 
Zemeckis zeigt sich auch in anderen Szenen erstaunlich unsensibel. Wenn eine schwarze Putzfrau die Mäuse mit dem Besen jagt, erinnert das auf unangenehm frappierende Weise an die rassistische Darstellung der Haushälterin in alten „Tom und Jerry“ –Cartoons (die dort übrigens bereits in den frühen Sechziger Jahren abgeschafft wurde). Lag das in der Absicht des Filmemachers oder hat Zemeckis hier einfach nur schlechten Geschmack gezeigt? Wir werden es wohl nie erfahren.
 
Ebenso werden wir wohl nie erfahren, was Anne Hathaway („Interstellar“, „Les Miserables“) dazu bewogen hat, eine Rolle zu übernehmen, die zuvor von der göttlichen Anjelica Huston genial verkörpert wurde. Nur um das gleich klarzustellen: Anne Hathaway ist großartig als Oberhexe. Sie ist elegant, wo sie elegant zu sein hat. Sie ist lächerlich, wo sie lächerlich sein muss. Und sie ist angsteinflößend, wo sie Angst einzuflößen hat. Aber all das war Anjelica Huston vor Dreißig Jahren auch schon. Und Hustons deutscher Akzent war sehr viel besser als Hathaways Akzent, der bloß vage nordosteuropäisch klingt. Hier gab es für Hathaway nichts zu gewinnen.
 
Ebenso wenig wie für Octavia Spencer, die wieder einmal eine „tough lady with a big heart“ (Originalzitat aus dem Film) spielt. Ihre Rolle hier ist bloß eine weitere Variation ihrer Rollen in Filmen wie „The Help“, „Begabt“ und „Shape of Water“. Spencer weiß, dass sie solche Rollen spielen kann. Das Publikum weiß, dass sie solche Rollen spielen kann. Die Kritiker wissen, dass sie solche Rollen spielen kann. Wozu spielt sie solche Rollen immer und immer wieder?
 
Zu Stanley Tuccis Part als Hotelmanager wiederhole ich einfach, was ich vor drei Jahren in meiner Rezension zu „Transformers – The Last Knight“ geschrieben habe „Stanley Tucci in Blockbustern für komödiantische Einlagen zu besetzen, ist ja immer eine gute Idee („The Core“, „Hunger Games“, …).“ Mehr ist nicht hinzuzufügen.
 
 
Fazit
 
Regisseur und Co-Autor Zemeckis zeigt wieder was er kann. Leider hat er sich nie gefragt, ob alles was er kann auch in diesen Film passt. Und so hat er einen Kinderfilm gemacht, der für Kinder einfach viel zu gruselig und für Erwachsene nicht witzig genug ausgefallen ist.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Robert Zemeckis
  • Drehbuch: Kenya Barris
  • Besetzung: Anne Hathaway, Stanley Tucci
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