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Mein Blind Date mit dem Leben

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Mein Blind Date mit dem Leben ist ein Film ohne große Kanten, flüssig erzählt, oft emotional aufgeladen und durchgehend unterhaltsam.
 
Ein schöner Kinoabend mit einer herzerwärmenden Geschichte nach wahren Begebenheiten.
 
Wenn die Welt vor den Augen verschwindet
 
Schon die Prämisse des Films lässt einen leicht schockiert zurück. Wie wäre es wenn uns plötzlich die Sehkraft verlassen würde? Wirklich passiert ist das Saliya Kahawatte, auf dessen Leben auch diese Geschichte basiert. Erst einmal kaum vorstellbar, beschließt er trotzdem eine Ausbildung in einem Spitzenhotel zu beginnen und diese Erblindung zu Verschweigen. Ohne Hilfe ist das kaum möglich und deshalb hilft die Schwester und auch in München neu gewonnene Freunde dem willensstarken Protagonisten durch die Prüfungen des Lebens und der Ausbildung.
 
Vor allem der etwas großspurig auftretende aber trotzdem herzliche Max entwickelt schnell eine freundschaftliche Beziehung zu dem eher introvertierten aber strebsamen Saliya, sie ergänzen sich sofort perfekt. Nun stellt allein der Alltag schon ein enormes Arbeitspensum dar für einen frisch Erblindeten, doch zu allem Überfluss verliebt sich Saliya auch noch in Laura und macht sich auch hier mit voller Energie daran, ihr Herz zu erobern. Damit all das gelingen kann, beginnt er Drogen einzuwerfen, die ihn trotz Schlafmangel auf der Spur halten sollen.
 
Doch die Katastrophe scheint bei diesem übermenschlichen Versuch vorprogrammiert. Es entwickelt sich eine bange Achterbahnfahrt der Gefühle und der lange Weg zum erfolgreichen Abschluss der Ausbildung droht vorzeitig zu Ende zu sein. Auch die Freunde sind irgendwann ratlos und Saliya verrennt sich immer mehr. Entlang der Reise merkt er schließlich irgendwann, dass niemand davor gefeit ist Fehler zu machen und das die eigentlichen Prüfungen im Leben eher unscheinbar daher kommen.
 
„Seien sie realistisch, hören sie auf zu träumen!“
 
Dieser Film ist natürlich eine wunderbare Metapher auf das Leben. Wir alle bekommen oft genug gesagt dass wir dieses oder jenes nie erreichen werden. Und obwohl es streng genommen wirklich unrealistisch ist als Blinder im Hotel arbeiten zu wollen, erfreuen wir uns daran wenn uns jemand eines Besseren belehrt. Diese authentische, lebensbejahende Energie wohnt auch anderen Filmen inne. Wo echte Menschen trotz aller Spötter über sich hinauswachsen wie Eddie the Eagle oder Ziemlich Beste Freunde.
 
 
Die Hauptrolle übernimmt hier Kostja Ullmann, der zwar optisch das Zeug zum Frauenschwarm hat, aber im Spiel stets zurückgenommen und unaufdringlich bleibt. Als bester Freund durfte Jacob Matschenz zeigen, dass rotzig und liebenswert auch Hand in Hand gehen können. Schließlich gibt Anna Maria Mühe eine sehr bodenständige und trotzdem beseelte Liebespartnerin, ohne sich in unnötigen Dramen zu verlieren. Auch die Nebenrollen sind sehr stimmig gespielt und allgemein gut inszeniert (Regie: Marc Rothemund), die Kameraarbeit von Bernhard Jasper ist im positiven Sinne unaufgeregt.
 
 
Der bayrische Hof in München bildet eine schöne Kulisse für die Handlung und auch sonst zeigt sich München fast überraschend relativ großstädtisch. Alles fügt sich wunderbar ineinander und sorgt für einen rundum wohl temperierten Streifen, der sich weder mit knalligen Effekten abgibt noch in tiefschürfenden Arthouse-Momenten verliert. Konventionell erzähltes Wohlfühl-Kino also, mit klassischer Dramaturgie streng nach dem Lehrbuch und durchgängig hochkarätig besetzt.
 
Fast ein bisschen wie in Hollywood
 
Nach Frankreich hat auch Deutschland zunehmend den Mut, die eigenen Geschichten mit handwerklichem Fokus zu inszenieren und auch vor konventionell erzähltem Kino nicht zurückschreckt. Es muss neben all der Kunst im Filmgeschäft eben auch um Zuschauerzahlen gehen und man kann berührende, tragische Figuren auch in Form einer leichten Komödie zeigen. Es ist dem Film dabei doppelt anzurechnen dass er weder Schweiger noch Schweighöfer durchs Bild laufen lässt und damit (relativ) unbekannten Gesichtern eine Chance gibt.
 
Es gibt tausend Filme aus Hollywood die ähnlich aufgebaut sind und natürlich könnte man auch hier den Machern vorwerfen, dass sie zu glatt erzählen und jederzeit vorhersehbar bleiben. Dass die Problematik des Protagonisten nur in Ansätzen thematisiert wird und letztlich ein Abziehbild bleibt. Und sicherlich wird dieser Film das Kino nicht revolutionieren. Doch gute Unterhaltung hat nicht zwingend etwas mit Überraschung zu tun. Manchmal reicht es zu zeigen dass man etwas genauso gut kann wie andere auch, es muss ja nicht jeder gleich Picasso sein.
 
 
Fazit
 
Eine stimmige Handlung und die souverän agierenden Schauspieler sorgen für einen entspannten Kinoabend mit einer Prise Gefuühl. Und noch dazu unterstuützt man mit dieser Eintrittskarte die deutsche Kinolandschaft.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Sascha Fersch
  • Regisseur: Marc Rothemund
  • Drehbuch: Oliver Ziegenbalg, Ruth Toma
  • Stars: Kostja Ullmann, Jacob Matschenz
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