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Wenn du König wärst - Kinostart: 18.04.2019

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König Artus hat Britannien in einer Zeit der Wirren und des Umbruchs vor dem ...
 
... Chaos bewahrt. Es gab also wohl kaum jemals eine passendere Zeit für einen neuen Film über diesen mythischen König als den April 2019.
 
Der einstige und zukünftige König
 
In der Tradition sämtlicher kindlicher Helden britischer Fantasy-Filme hat es auch der zwölfjährige Alex nicht leicht. Er wächst ohne Vater auf. In der Schule muss er seinen einzigen Freund Bedders gegen das Mobbing durch Mitschüler verteidigen. Nachdem er eines Nachts ein Schwert aus einem Stein gezogen hat, trachten ihm brennende Zombies aus der Unterwelt nach dem Leben. Und dann ist da noch dieser eigenartige Merlin, der von Alex verlangt Britannien vor der bösen Morgana zu retten …
 
Meine Lieblingsstelle im Film kommt recht bald am Anfang, wenn Merlin dem jungen Alex wortwörtlich erklärt: „Dieses Land ist gespalten, verloren und ohne Führung.“ Wenn man bedenkt, wie lange es vom Verfassen des Drehbuchs bis zum Kinostart eines Spielfilms dauert, kann man den Weitblick von Autor Joe Cornish (Drehbücher für „Ant-Man“ und „Die Abenteuer von Tim und Struppi“) nur beeindruckend finden. Besser kann man die aktuelle Lage auf der britischen Insel nicht zusammenfassen.
 
Auch unabhängig vom Brexit liefert das Drehbuch einige witzige Einfälle in diesem sonst recht konventionellen Jungend-Fantasy-Film. Wenn Merlin unaussprechlich ekelhafte Zutaten benötigt, um nach vielen Jahrhunderten seine Lebensenergien aufzuladen, ist es besonders witzig zu sehen, wo und in welcher Form er diese in der modernen Welt findet. Nett ist es auch, wenn der junge Bedders die Heldenrolle seines Freundes Alex sofort akzeptiert, weil ja schließlich nicht nur König Artus sondern auch Luke Skywalker und Harry Potter ohne Vater aufgewachsen waren.
 
Auch der Alltag der jungen Hauptfiguren wird recht anschaulich dargestellt. Keines der Kinder trägt coole Klamotten. Lehrer haben kein Verständnis. Die Mutter meint es gut, versteht aber auch nur wenig. Und die bisherigen Mobbing-Opfer freuen sich über den schrägen neuen Mitschüler, weil der nun die Aufmerksamkeit der Schul-Rowdies auf sich ziehen wird.
 
Ein Land ist nur so gut wie seine Anführer
 
Der Drehbuchautor Joe Cornish hatte also einige witzige Ideen. Leider kann man das vom Regisseur Joe Cornish nicht behaupten. Seine uninspirierte Regie hat Schuld, wenn der Film nie so unterhaltsam ist wie er sein könnte. Die Inszenierung ist nicht einfach nur konventionell geraten, sondern schlicht langweilig. Die Kamera hält meist statisch auf die Protagonisten, während diese die Handlung in viel zu vielen und viel zu langen Dialogszenen erläutern. Filme wie diese würden auch als Hörspiel funktionieren.
 
Visuelle Gags funktionieren hier gar nicht. Ein Scherz mit einem runden Tisch ist vorhersehbar und wird ohne jegliches Gefühl für Timing präsentiert. Aber auch für die Gestaltung von Actionszenen hat Regisseur Cornish kein rechtes Händchen. Ein Schwertkampf gegen lebendige Bäume ist langweilig anzusehen. Der finale Kampf dauert zu lange und ist dann doch zu schnell vorbei. Die visuelle Gestaltung dieses Films fällt so ungeschickt aus, sogar die Szenen in denen Alex das Schwert aus dem Stein zieht vermitteln keinerlei Wirkung.
 
Die visuellen Effekte sind für einen Film mit einem Budget von gerade mal 60 Millionen Dollar zum großen Teil gar nicht schlecht geraten. Es liegt an der plumpen Regie, wenn die Feuerzombies nie richtig bedrohlich wirken. Eine Zeichentrick-Sequenz im Stil der 80er-Jahre bietet eine erfrischende Abwechslung zu üblichen Look vergleichbarer Filme. Der Drache am Ende sieht dann aber doch einfach nur billig aus.
 
 
In jedem Kind ruht eine weise alte Seele
 
Hauptdarsteller Louis Ashbourne Serkis („Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ und jawohl, er ist der Sohn von Golum- und King-Kong-Darsteller Andy Serkis) ist sicher ein sympathischer junger Mann. Aber gerade Kinderdarsteller brauchen die Hilfe und Anleitung erfahrener, kompetenter Regisseure. Unter der Regie eines Regisseurs wie Chris Columbus hätte dieser junge Mann sicher eine überzeugendere Leistung gezeigt.
 
Das gleiche gilt leider auch für die anderen Mitglieder der Tafelrunde, Tom Taylor („Der dunkle Turm“) als Lance, Rhianna Dorris als Kaye und Dean Claumoo als Bedders. Vor allem der junge Dean Chaumoo trägt teilweise reichlich dick auf.
 
Chaumoos Darstellung wirkt aber wie eine subtile Charakterstudie im Vergleich zu der Clownerie die Angus Imrie („Kingdom“) als junger Merlin abliefert. Diese Hanswurstiade ist für sich genommen schon lächerlich übertrieben. Bedenkt man dann, dass er eine jüngere Version von Patrick Stewart darstellen soll, muss man sich fragen, wie Regisseur Cornish so etwas durchgehen lassen konnte.
 
Patrick Stewart ist als älterer Merlin übrigens nur in vier kurzen Szenen zu sehen. Vermutlich hätte die Gage des Darstellers von Captain Picard und Professor Xavier sonst das Budget des Films zu sehr belastet. Trotzdem sollte das kein Grund sein, seine Rolle im größten Teil des Films von einem überdrehten Kasper spielen zu lassen.
 
Rebecca Ferguson hat in den letzten beiden „Mission:Impossible“-Filmen solide Leistungen gezeigt. Hier spielt sie Morgana als durchgeknallte Hexe und lässt vermuten, dass Eva Green für diesen Film einfach zu teuer war.
 
 
Fazit
 
Diese Neuinterpretation der Artus-Sage bietet solide, halbwegs witzige Familien-Unterhaltung. Die extrem unbeholfene Regie und teilweise komplett überforderte Besetzung bilden dann wieder eine reizende Analogie zur aktuellen politischen Lage in Großbritannien.
 
 
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Joe Cornish
  • Drehbuch: Joe Cornish
  • Besetzung: Tom Taylor, Rebecca Ferguson
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