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Anna und die Apokalypse - Kinostart: 06.12.2018

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Auch wenn wir es bisher gar nicht gewusst haben; wir alle haben ...
 
... auf ein High-School-Zombie-Weihnachts-Splatter-Musical gewartet. Und genau dieser Film kommt – rechtzeitig zum Fest – aus Großbritannien.
 
Christmas means nothing without you
 
Weihnachten steht vor der Tür. Aber der jungen Anna ist das egal. Sie möchte bloß noch ihren Schulabschluss hinter sich bringen und ihre viel zu kleine Heimatstadt an der britischen Küste weit hinter sich lassen. Ihr Nebenjob in einer Bowlinghalle ist furchtbar. Ihr Vater will unbedingt, dass sie gleich nach dem Abschluss studiert. Ihre Schule wird von einem tyrannischen Spießer geleitet. Und ihr Liebesleben bewegt sich zwischen nichtexistent und kompliziert. Auf einem Spielplatz werden sie und ihr bester Freund John von einem blutüberströmt dahinschlurfenden Mann in einem Schneemannkostüm angegriffen. Zum Glück können sie sich zur Wehr setzen und den Angreifer mit einer Wippe enthaupten. John meint sofort, sie wären beinahe Opfer eines Zombies geworden. Aber die kluge Anna weiß, sowas wie Zombies gibt es gar nicht. Obwohl es schon merkwürdig ist, wie der abgeschlagene Kopf des Angreifers immer noch versucht, die beiden zu beißen obwohl sein Körper ein paar Meter entfernt liegt …
 
Vor ein paar Wochen hat uns Disney mit „Der Nussknacker und die vier Reiche“ einen Film unter den Christbaum gelegt, an dem rein gar nichts originell war. Jeder Figur, jede Szene, jedes Bild hatte man so oder so ähnlich bereits in unzähligen anderen Filmen gesehen. Wie erfrischend ist es doch, wenn mal ein Film daherkommt, der sich traut, mal etwas anders zu machen.
 
Natürlich erfindet „Anna und die Apokalypse“ das Rad nicht neu. Zombie-Komödien gab es in den letzten Jahren mehr als genug. Schräge Film-Musicals haben wir seit „Little Shop of Horrors“ einige gesehen. Und an Filmen mit jugendlichen Protagonisten herrscht auch kein Mangel. Aber das besondere an diesem Film ist, wie gekonnt hier die Genres gemixt werden.
 
No such thing as a Hollywood-Ending
 
Der noch recht unbekannte Regisseur John McPhail und die beiden noch unbekannteren Drehbuchautoren Alan McDonald und Ryan McHenry kennen ihre Vorbilder. Natürlich haben diese drei jungen Filmemacher „Shaun of the Dead“ gesehen. Aber Simon Pegg war bloß verkatert und verschlafen, als er nicht bemerkt hatte, wie die Straßen Londons bereits von Zombies befallen waren. Eine vergleichbare Sequenz hier wird zu einer großen Musicalnummer, wenn Anna und John, die Kopfhörer ihrer Handys im Ohr, nichtsahnend und nichtsbemerkend durch die zombieverseuchten Straßen ihrer Heimatstadt singen und tanzen.
 
Es sind vor allem die herrlich schrägen Musiknummern, die den bezaubernden Reiz dieses Films ausmachen. Ein Song namens „No such thing as a Hollywood-Ending“ hat das Zeug zur Teenager-Hymne. “Turning my life around” kann mit jeder Nummer aus den verschiedenen „High-School-Musicals“ mithalten. Und alle Songs werden von den jungen Darstellern hervorragend interpretiert.
 
Wenn der Film sich dem Alltag aber auch den Träumen und Sehnsüchten junger Menschen widmet, erinnert er in mehr als einer Hinsicht an die Meisterwerke von John Hughes. Und wie beim Altmeister erfüllen die jugendlichen Protagonisten hier nicht bloß Rollenklischees. Wir sehen echte junge Individuen auf der Leinwand. Die weitgehend unbekannten Darsteller wirken sowohl in den dramatischen Szenen als auch während der Musiknummern immer glaubhaft. Und der stellvertretende Schulleiter, ein in sein kleines bisschen Macht verliebter Spießer im billigen braunen Anzug, wirkt wie direkt aus dem Leben gegriffen.
 
 
Give them a show
 
Aber es sind vor allem die vielen originellen, kleinen Einfälle, die diesen Film so angenehm „anders“ wirken lassen. Wenn eine Schülerin mitten in einer stümperhaften Schulaufführungen ein Lied mit herrlich schweinischem Text im Stil einer großen Revue-Nummer (inklusive halbnackter Tänzer) interpretiert, ist das einfach bezaubernd. Eine Szene mit einem aufblasbaren Schwimmbecken nimmt eine herrlich schräge Wendung. Und selbst die ewigen Szenen, in denen Zombies ausgeschaltet werden, sind in einigen Fällen überraschend anders gestaltet. Eine Auswahl der verwendeten Waffen enthält unter anderem einen Klodeckel, Bowlingkugeln, Bowlingpins, einen Pfannenwender, einen Besen und eine Deko-Zuckerstange.
 
Soldier at War
 
Natürlich ist „Anna und die Apokalypse“ kein großes Meisterwerk. Zu deutlich sieht man dem Film sein zu geringes Budget an. Aber das ist verzeihlich und lässt das Gesamtergebnis fast noch charmanter wirken. Andere Defizite wiegen da schon schwerer. Der Regisseur und die beiden Drehbuchautoren sind nicht nur unbekannt, sondern auch noch offensichtlich recht unerfahren. Die Filmemacher waren wohl irgendwann selbst von ihren vielen Handlungssträngen überfordert. An ein oder zwei Stellen des Films werden Handlungsfäden nach so langer Zeit wieder aufgenommen, dass der Zuseher sie bereits fast vergessen hatte. Die Geschichte des Schulfieslings funktioniert überhaupt nicht.
 
Den Filmemachern fehlt es deutlich an Gefühl für Timing und Tempo. Ein Heldentod kommt so schnell und wird so holprig gezeigt, dass er den Zuseher kaum berühren kann. Eine Nebenhandlung um eine kranke Großmutter findet praktisch nicht statt, soll dann aber kurz vor Schluss plötzlich wichtig genommen werden. Zwischendrin muss man sich wundern, wie schnell an der britischen Küste eigentlich die Tageszeiten wechseln.
 
Und auch bei den wirklich reizenden Musiknummern fehlt an ein oder zwei Stellen ein gewisser professioneller Schliff. Die große Gesangsnummer des stellvertretenden Schulleiters zum Beispiel hätte kreischende Punkrockgitarren gebraucht. Stattdessen klingt die Musikbegleitung wie ein billiger Werbejingle.
 
Human Voice
 
Aber diese kleinen Mängel werden auch durch die Besetzung wieder ausgeglichen. In der Rolle der „Anna“ glänzt eine junge Schauspielerin namens Ella Hunt. Sie zeigt eine kluge Verletzlichkeit und eine Stärke, die an die junge Anne Hathaway erinnert. Sarah Swire als resolute Außenseiterin und Malcolm Cumming als Annas bester Freund vermitteln die Probleme ihrer Figuren auf überraschend berührende Art. Der Comedian Paul Kaye („Thoros” in „Game of Thrones”) spielt den stellvertretenden Schulleiter als wunderbar hassenswerten Drecksack.
 
 
Fazit
 
„Anna und die Apokalypse“ ist ein mit wenig Geld von unerfahrenen Filmemachern gedrehter Film, der aber so viel Charme hat, dass man ihm seine Mängel gerne verzeiht. Wer mag, findet hier den perfekten High-School-Zombie-Weihnachts-Splatter-Musical-feel-good-movie für die Feiertage. Sicher der besinnlichste Weihnachtsfilm seit „Stirb langsam“.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: John McPhail
  • Drehbuch: Alan McDonald
  • Besetzung: Ella Hunt, Malcolm Cumming
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