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Wackersdorf - Kinostart: 20.09.2018

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Das Verfahren zum Bau der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf ...
 
... und das Verhalten der Behörden während des Baus war einer der größten Skandale der Bundesrepublik. Mehr als dreißig Jahre später erzählt ein Film von juristischen Winkelzügen, politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme aber auch von menschlichen Dramen. Und davon, warum der Bau dann doch abgebrochen wurde.
 
Landkreis Schwandorf, Oberpfalz, Bayern 1981
 
Der sozialdemokratische Landrat Hans Schuierer hat Sorgen. Der Kohlebergbau verliert als Arbeitgeber immer mehr an Bedeutung. Da kommt ihm die überraschende Ankündigung des bayerischen Umweltministers gerade recht: in seinem Landkreis soll eine Wiederaufbereitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus Kernreaktoren entstehen. Auch der aalglatte Vertreter des Betreiberverbands erzählt nur von der „sauberen, effizienten, zeitgemäßen Hochtechnologie“. Also trägt Landrat Schuierer die frohe Kunde zu seinen Wählern hinaus. Aber dann beginnt Schuierer sich zu informieren. Als ihm Zweifel an der Unbedenklichkeit der Anlage kommen, verweigert er seine Unterschrift auf der Baugenehmigung. Die bayerische Staatsregierung lässt daraufhin das Gesetz ändern, sodass die Zustimmung des Landrates nicht mehr erforderlich ist.
 
Aber Schuierer bringt nicht nur die Mächtigen in München gegen sich auf. Auch in seinem eigenen Landkreis verhärten sich die Fronten …
 
Ja, liebe Kinder; Ihr werdet es vielleicht nicht glauben können, aber vor langer Zeit gab es mal eine bayerische Staatsregierung, die rücksichtslos und opportunistisch ihre Interessen selbst gegen den Willen eines großen Teils der eigenen Bevölkerung durchsetzen wollte.
 
Aber noch unglaublicher ist, dass es damals auch Politiker gab, die sich in ihren Entscheidungen nicht nur von wirtschaftlichen oder politischen Interessen leiten ließen, sondern davon, was das Beste für alle Bürger war. Und es wird noch märchenhafter, wenn Euch der liebe Onkel von cinepreview.de nun erzählt, dass es damals tatsächlich ganz viele Menschen gab, die sich für etwas Gutes und Sinnvolles eingesetzt haben.
 
Die haben damals nicht gegen Chemtrails, Flüchtlinge oder Bahnhöfe demonstriert, sondern gegen Sachen die tatsächlich schlecht waren. Aber all das ist lange her. Und weil man sich gerade heute an diese Zeiten erinnern sollte, sind Filme wie „Wackersdorf“ so wichtig. Die Frage ist nun: ist der Film so gut gemacht, wie er gut gemeint ist?
 
 
WAAhnsinn
 
Autor Gernot Krää und Regisseur und Co-Autor Oliver Haffner geben dem Skandal um die Wiederaufbereitungsanlage eine menschliche Dimension, indem sie die Geschichte aus der Sicht des Landrats Schuierer erzählen. Schuierer steht hier stellvertretend für weite Teile der Bevölkerung, die in den frühen Achtziger Jahren nichts oder nur wenig über Kernenergie wussten und sich erst im Laufe der folgenden Jahre mit dem Thema befassen sollten. Krää und Haffner zeigen einen Protest, der auch von der gesellschaftlichen Mitte getragen wurde und der von dem damaligen Ministerpräsidenten trotzdem als Randalieren linker Chaoten diffamiert wurde.
 
Die Filmemacher zeigen aber auch, wie verständlich es war, wenn viele Bürger aber auch Politiker damals zunächst noch unkritisch eingestellt waren. So brauchten manche eben länger als andere, um die Fakten zu verarbeiten. Und einige weigerten sich bis zuletzt. Der Film zeigt die für Differenzen und den Streit innerhalb einer Bevölkerung aber auch quer durch Parteien, Dorfgemeinschaften und sogar Familien.
 
Dabei vermittelt der Film meistens die richtige Stimmung. Eine regionalpolitische Versammlung zu Beginn wirkt im wahrsten Sinne des Wortes trost- und hoffnungslos. Auch die Erbärmlichkeit eines Umzugs mit Blasmusik, bei dem mehr Teilnehmer mitmarschieren als Zuseher am Straßenrand stehen, holt uns emotional ab. Viele kleine Details runden das Stimmungsbild der bayerischen Provinz in den frühen achtziger Jahren ab. Ein Amateursportverein, der das Training zur gemeinsamen Zigarettenpause unterbricht ist ebenso witzig, wie der missbillige Blick des Münchner Staatsministers, wenn er die provinzielle Weißwurstverzehrtechnik des Landrats bemerkt.
 
Rührend ist vor allem eine Szene, in der Schuierer sich von einem Mitstreiter verabschiedet, der aus politischen Gründen entfernt wurde. Die beiden Männer, die so viel zusammen erlebt haben, kommen bis zum Ende nicht auf die Idee einander zu duzen. Und eine Umarmung, die in der Situation beiden guttäte, kommt für Männer, deren Kindheit während des zweiten Weltkriegs stattgefunden hat, natürlich gar nicht infrage.
 
 
Dauerhafte Belastung
 
Einige Kleinigkeiten trüben das Gesamtbild. Die anachronistischen Bücher in der Bücherei und einige PKWs die zum Zeitpunkt der Handlung noch gar nicht auf dem Markt waren, wären halb so wild. Aber warum wirkt die Rolle des Vertreters des Anlagenbetreibers wie eine Karikatur? Oder warum spricht die Umweltschützerin nur in Klischees? In einem Film, der sich augenscheinlich um Realismus bemüht, fallen solche Nachlässigkeiten unangenehm auf.
 
Das behäbige Erzähltempo passt am Anfang des Films ganz hervorragend zur Geschichte und dem Ort der Handlung. Aber im weiteren Verlauf des Films legt die Regie nie an Tempo zu und vermittelt niemals echte Dramatik. So bewegt sich die Geschichte gegen Ende immer schwerfälliger und irgendwann wirkt der Film dann ein bisschen zu lang. Auch deshalb bemerkt der Zuseher irgendwann, wie sich im Laufe einer Handlung, die sich über mehrere Jahre erstreckt, niemals das Wetter ändert.
 
Als „Zuagrosta“, der seit mehr als zwanzig Jahren in Bayern lebt, fällt mir ein Makel des Films besonders auf: Warum wird der bayerische Landrat von einem österreichischen Schauspieler verkörpert? Wenn der in Rheinland-Pfalz geborene Regisseur kein Ohr dafür hatte, warum hat dann der Münchner Drehbuchautor nicht interveniert? Johannes Zeiler („Hilfe, ich habe meine Lehrerin/Eltern geschrumpft“) zeigt als Landrat Schuierer keine schlechte Leistung. Seine Darstellung kann nicht eben als „lebendig“ oder „dynamisch“ bezeichnet werden; aber das verlangt die Rolle auch gar nicht. Doch Zeiler stammt aus der Steiermark, die zwar einige der größten Mimen Österreichs hervorgebracht hat (Alexander Girardi, Klaus Maria Brandauer und Arnold Schwarzenegger), wo der Dialekt aber eben nicht mal so ähnlich klingt wie in irgendeinem Teil Bayerns. Und so klingt Zeiler in keiner seiner Szenen auch nur halbwegs so, als hätte er mal längere Zeit in der Oberpfalz verbracht.
 
Wenn Ines Honsel, die Darstellerin von Schuierers Ehefrau, deutlich hörbar ebenfalls Österreicherin ist, klingt das natürlich irgendwie passend. Die ohnehin recht rudimentäre Rolle wirkt dadurch aber nicht realistischer.
 
Peter Jordan spielt als Beamten, der von Anfang an die Stimme der Vernunft ist, einen stillen Helden. Auch seine Rolle hätte etwas umfangreicher ausfallen können.
 
Fabian Hinrichs macht das Beste aus seiner Rolle als Vertreter des Anlagenbetreibers. Auch seine Figur hätte von einer Überarbeitung des Drehbuchs profitiert.
 
 
Fazit
 
Hätten die Filmemacher einige ungeschickte Fehler vermieden, wäre „Wackersdorf“ ein hervorragender Film geworden. Wenn man über diese Fehler hinwegsieht, bleibt zumindest ein interessanter Film über eine wichtige Episode aus Deutschlands jüngerer Geschichte.
 
 
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Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Oliver Haffner
  • Drehbuch: Gernot Krää
  • Besetzung: Johannes Zeiler, Anna Maria Sturm
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