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Grenzenlos - Kinostart: 02.08.2018

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Wim Wenders hat im Laufe seiner Karriere nicht nur einige großartige Spielfilme ...
 
... und Dokumentationen gedreht, sondern auch über 80 Werbefilme. Das sieht man in seinem neuen Film an vielen Stellen deutlich. Sonst sieht man nicht viel.
 
„Ich liebe den Geruch von Schweiß“
 
Danny ist Biomathematikerin und kurz davor, in einem Forschungs-U-Boot auf den Grund des Meeres zu tauchen. James arbeitet für den britischen Geheimdienst und muss bald auf eine gefährliche Undercover-Mission in Somalia gehen. In einem Luxushotel in der Normandie lernen die beiden einander kennen und verlieben sich. Nach wenigen Tagen ruft die Pflicht und trennt die beiden Liebenden. Als James in Somalia von Dschihadisten gefangen genommen wird, muss Danny plötzlich mit ihrer Einsamkeit klar kommen.
 
Um es gleich vorweg zu nehmen: Wim Wenders neuer Film ist wunderschön anzusehen Und damit meine ich nicht bloß die Liebesgeschichte. Sogar die Szenen im Lager militanter Islamisten haben etwas Malerisches. Einige Landschaften, wie die französische Atlantikküste oder die Färöer-Inseln, sind in Spielfilmen bisher selten so gut ins Licht gesetzt worden. Von den beiden Hauptdarstellern ganz zu schweigen. Warum also funktioniert der Film als Ganzes einfach nicht richtig? Fragen wir die Beteiligten:
 
Hauptdarsteller James McAvoy spielt mit vollem Körpereinsatz eine Rolle, für die er viel zu gut ist. Über den Film meint er, „Es ist ein romantischer Thriller.“ und liegt damit komplett falsch. „Grenzenlos“ ist kein „romantischer Thriller“. Das ist überhaupt kein Thriller. Der von McAvoy verkörperte Spion kommt gar nicht zum Spionieren, weil er gleich nach seiner Landung in Somalia noch am Flughafen gefangen genommen wird. Wir haben also keine Agentengeschichte. Und auch an der Gefangenschaft der Figur ist rein gar nichts „thrilling“. Vermutlich soll die Haft hart und grausam wirken, aber dazu hätte man uns im Film etwas davon zeigen müssen. Die Folter, die James erleiden muss, beschränkt sich auf die Frage, „Bist Du ein Spion“ und zwei Schläge mit einem Gewehrkolben. Dann gibt es noch eine so-tun-als-ob-Erschießung und das war es dann auch schon. Das reicht nicht für einen Thriller. Zur Romantik kommen wir gleich.
 
Hauptdarstellerin Alicia Vikander macht was sie immer tut. Sie spielt eine Figur, wie es sie im realen Leben praktisch nicht gibt (Kein Wunder, dass sie die neue „Lara Croft“ ist). Dabei hält sie das Drehbuch für, „… die beste erwachsene Liebesgeschichte, die ich jemals gelesen habe, weil sie … zeigt wie Menschen im wirklichen Leben aufeinander treffen.“ Vikanders Figur Danny ist eine 28-jährige Biomathematikerin, die aussieht wie ein 19-jähriges Modell. Als ein fescher, durchtrainierter Fremder am Strand an ihr vorbeijoggt, ruft sie ihm gleich hinterher. Und als sie ihn in ihrem Luxushotel wiedertrifft, lautet der dritte vollständige Satz den sie zu dem verschwitzen Fremden sagt: „Ich liebe den Geruch von Schweiß.“ Nachdem er dann trotzdem noch geduscht hat, holt James die junge Wissenschaftlerin zum gemeinsamen Mittagessen ab. Die sitzt im offenen Morgenmantel vor ihm und zieht sich dann vor seinen Augen zum Essen um. Nach dem Lunch und einem Verdauungsspaziergang an der malerischen Atlantikküste gibt es dann perfekten, ästhetisch wertvollen Sex vor dem offenen Kamin. Wenn Frau Vikander meint, so würden Menschen „im wirklichen Leben aufeinander treffen“, lebt sie in einer ganz anderen Wirklichkeit als der Rest von uns.
 
 
An den beiden Hauptfiguren findet Alicia Vikander, „… toll, dass sie sich von ihrer absoluten Gegensätzlichkeit angezogen fühlen“. Mal sehen … Danny ist eine Frau, die vorher noch nie eine engere Beziehung hatte, weil sie ihre Arbeit für wichtiger als alles andere hält. Während James bloß ein Mann ist, der vorher noch nie eine engere Beziehung hatte, weil er seine Arbeit für wichtiger als alles andere hält. Ach ja, Danny sieht nicht nur aus wie ein Modell. Sie trägt auch ausschließlich Kleidungsstücke, die alle aussehen als hätte man sie eben erst aus einem sehr teuren Laden geholt. Der perfekt trainierte James hingegen sieht direkt schäbig aus, in seinen nagelneuen Designerklamotten. Wenn er an einer Ruine herumklettert, hat man direkt Angst um die engen neuen Jeans. Ernsthaft, man hat unter Synchronschwimmern schon gegensätzlichere Paare gesehen. Harmonie ist in einer Beziehung natürlich sehr wertvoll. Aber für eine gute Liebesgeschichte, braucht es dann doch ein paar Kanten, an denen sich die Figuren reiben können. Die fehlen hier komplett.
 
Wim Wenders hat in seiner langen Karriere großartige Filme wie „Paris, Texas“ oder „Der Himmel über Berlin“ gedreht. Aber auch seine weniger gelungenen Filme, wie “Bis ans Ende der Welt“ oder „In weiter Ferne so nah“ waren immer wunderschön anzusehen. Über die Buchvorlage zu seinem neuen Film sagt er: “Ich hatte nichts Vergleichbares gelesen und mir war vollkommen unklar, wie daraus ein Film werden sollte.“ Lassen wir mal beiseite, was Herr Wenders so gelesen hat. Aber auch wenn man so viele Werbefilme gemacht hat wie er, muss man doch eine Liebesgeschichte nicht inszenieren wie einen langen Werbespot für sehr teure Körperpflegeprodukte. Ja, Alicia Vikander hat ganz fantastische Haut. Aber so viel müssten wir davon wieder auch nicht zu sehen bekommen. Schöne Haut alleine ist eben leider nicht abendfüllend. Sonst wäre ich immer noch mit der Frau zusammen, die ich vor mehr als zwanzig Jahren … aber bleiben wir beim Thema. Die beiden Hauptfiguren verfallen einander also visuell sehr anregend. Was passiert sonst noch? Hätte man die Szenen rund um Dannys Mission nicht interessanter gestalten können? Erst dauert es ewig bis zum Tauchgang und dann passiert währenddessen praktisch nichts. Und zu sehen bekommen wir noch weniger.
 
Zu James‘ Mission lassen wir nochmal den Regisseur zu Wort kommen: „Ich fand, dass die einzig mögliche Herangehensweise an die Charakterisierung der Dschihadisten war, sie als Menschen zu zeigen … dass wir sie ernst nehmen müssen.“ Islamistische Terroristen sind seit Jahrzehnten immer wieder die Bösewichte in Spielfilmen. In „Grenzenlos“ werden sie kein bisschen anders dargestellt, als in unzähligen Filmen davor. Die Sequenzen mit dem Spion in der Hand der Kämpfer sind absolut vorhersehbar. Wieder ist alles recht hochwertig ins Bild gesetzt. Aber wir bekommen einfach nichts zu sehen, das irgendwie anders, neu oder originell wäre. Überraschend ist nur eine Szene, bei der man sich wundert, „Was? JETZT schaltet er den GPS-Sender ein?“.
 
 
Fazit
 
Wim Wenders zeigt uns großartige Landschaftsaufnahmen, zwei attraktive Liebende, eine halbe Actionszene und eine Geschichte, die den beträchtlichen Aufwand kaum lohnt. Aber das alles ist wirklich sehr schön anzusehen.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Wim Wenders
  • Drehbuch: Erin Dignam
  • Besetzung: James McAvoy, Alicia Vikander
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