deensvtr

Love & Friendship

Artikel bewerten
(5 Stimmen)
Die Romane von Jane Austen sind häufig Vorlage für große Kinofilme. Aber Regisseur Whit Stillman zeigt, dass auch kleine Produktionen möglich sind.
 
Für seine Adaption des Briefromans „Lady Susan“ hatte er nur drei Millionen Dollar zur Verfügung. Rein ausstattungstechnisch ist „Love & Friendship“ aber ausgesprochen gelungen. Inhaltlich sieht es vielleicht ein wenig anders aus. Oder besser gesagt: Man muss schon ein Austen-Bewunderer sein, um sich an dieser etwas steifen Geschichte erfreuen zu können.
 
Auf Männersuche
 
Lady Susan Vernon ist verwitwet, aber gerade darum kreisen einige durchaus skandalträchtige Gerüchte über sie in der feinen Gesellschaft. Darum beschließt sie, sich fürs Erste aus der Schusslinie zu bringen. Zusammen mit ihrer Tochter Frederica besucht sie das Anwesen ihrer Verwandtschaft in Churchill.
 
Das Leben auf dem Land ist längst nicht, was Lady Susan zu schätzen wüsste, aber Churchill hat etwas, das sie dringen braucht: einen neuen Ehemann. Verschiedene Kandidaten stehen dabei zur Auswahl. Der junge und attraktive Reginald DeCoury ebenso wie der reiche, aber etwas dümmliche Sir James Marlin. Und dann ist da auch noch der ausgesprochen attraktive, aber leider verheiratete Lord Manwaring. Lady Susan folgt also ihrem Plan, aber einen geeigneten Heiratskandidaten zu finden, ist eine komplizierte Angelegenheit.
 
Und das umso mehr, da sie auch für Frederica Ausschau hält. Denn die ist im heiratsfähigen Alter, aber reichlich widerwillig.
 
Für Austen-Liebhaber
 
„Love & Friendship“ ist für Austen-Bewunderer sicher eine schöne Angelegenheit. Einerseits, weil schon lange keine Adaption der Autorin mehr ins Kino gekommen ist, andererseits, weil die Umsetzung sehr ansprechend ist. Stillman hat sich des Briefromans angenommen, der lediglich die Länge einer Novelle hat. In Austens Werk erscheint dieser Roman etwas arg kurz, vielleicht auch gehetzt. Vor allem aber entsteht der Eindruck, dass Dinge fehlen. Dialoge, Momente, ganze Szenen.
 
Das muss auch Stillman so empfunden haben, da er seine Geschichte selbst aufpolstert. Er erweitert sie und macht sich Austens Vorlage damit gänzlich zu eigen. Die Stärke des Autors ist dabei, dass er pointierte Dialoge erschaffen hat, die klassisches Feeling besitzen, aber zugleich nicht zu überkandidelt sind. Mit ihnen einher geht aber auch das Gefühl, dass die Geschichte nie ganz in der Realität verankert ist. Ein Hauch von Märchenhaften ist vorhanden, aber zugleich fühlt sich der Film – in Teilen – auch sehr nach Austen an. Nur eben nicht immer.
 
Exzellent besetzt
 
Eigentlich sollte Sienna Miller die Hauptrolle spielen, doch als sie absprang, übernahm Kate Beckinsale, die man natürlich lieber im engen Lederanzug Vampire und Lykaner bekämpfen sähe, aber sie schlägt sich in diesem etwas ruhig erzählten Historiendrama mit leichthumorigem Einschlag ganz gut. Im Original liefert sie ihre Dialoge mehr als überzeugend ab. Der Akzent passt, die Manierismen auch. Sie fühlt sich in dieser Geschichte zuhause – das merkt man ihrem Spiel an.
 
Eher verschwendet ist Chloe Sevigny, die in ihrer Rolle einfach nichts zu tun hat. Sie ist allenfalls schmückendes Beiwerk. Stephen Fry wiederum hat auch nicht viel zu tun, seiner Präsenz wegen bleibt er innerhalb dieser Geschichte aber gut in Erinnerung.
 
Fazit
 
„Love & Friendship“ ist vor allem ein Film für Bewunderer der Autorin Jane Austen. Wer generell nichts mit ihren Arbeiten anfangen kann, der wird auch durch Whit Stillmans Produktion nicht eines Besseren belehrt werden. Schön ist, wie Stillmann die Figuren einführt, wenn er jede einzelne im Porträt zeigt und erklärenden Text nutzt.
 
Das ist wie die Liste der Dramatis Personae, die einem Theaterstück vorangestellt ist. Passend ist auch, dass Briefe vorgelesen werden und der Text auf der Leinwand zu sehen ist. Schöne Ideen eines optisch wirklich prächtigen Films.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Die Grundschullehrerin Aus Hollywood kam “Bad Teacher”. Hierzulande hat man Goethe bereits dreimal ...   ... gesagt, was man von ihm hält. Aber aus Frankreich kommt nun ein Film, der uns eine echte Lehrerin und ihren Alltag zeigt.   Der Ernst des Lebens   Florence unterrichtet ...
Der seidene Faden - Kinostart: 01.02.2018 Zehn Jahre nach „There Will Be Blood“ haben Regisseur Paul Thomas ...   ... Anderson und Schauspiellegende Daniel Day-Lewis wieder zusammengearbeitet. Diesmal erzählen sie uns eine Geschichte von Liebe, Ego und Schmerz in einem Londoner Modehaus in den 1950er-Jahren. ...
Mein Name ist Somebody - Kinostart: 23.08.2018 Terence Hill hat mit seinem neuen Film offensichtlich ein persönliches Herzensprojekt verwirklicht.   Aber was einem selbst am Herzen liegt, muss für andere nicht immer ebenso interessant sein.   Was ist ein Name?   Ein älterer Herr bricht mit seiner überau...
The Book of Henry "The Book of Henry" ist ein höchst poetischer Film über das Leben eines hochbegabten ...   ... Elfjährigen, dessen eigentliche Stärke in dem unbedingten Willen liegt, Gutes zu tun. Selbst der eigene Tod kann ihn nicht stoppen.   Von Kindern für Erwachsene &n...

Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Peter Osteried
  • Regisseur: Whit Stillman
  • Drehbuch: Whit Stillman
  • Besetzung: Kate Beckinsale
hnews gg019 header
In der Nacht zum 07. Januar 2019 fand in Los Angeles wie in jedem Jahr die Verleihung der „Golden Globes“ statt. Und das bereits zum 76. Mal.…
hnews moma
Bei einer Benefitzveranstaltung des Museum of Modern Art 2018 ehrten Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Emily Mortimer und weitere Stars…
hnews joker
Nachdem Alec Baldwin letzten Monat den Cast verlassen hatte, übernimmt Brett Cullen die Rolle von Thomas Wayne im kommenden "Joker"-Film. Joaquin…
hnews hbfm18
Freddie Mercury, der legendäre Rocksänger der Siebziger und Achtziger Jahre, wurde heute vor zweiundsiebzig Jahren auf der Insel Sansibar (heute…
hnews tg2c
Jennifer Conelly soll neben Tom Cruise die weibliche Hauptrolle im "Top Gun" - Sequel spielen, welches 2019 in die Kinos kommen wird. Und zwar eine…
hnews dumbo tburton
Diese Woche hat Disney den Teaser-Trailer für seine neueste Live-Action-Adaption eines animierten Klassikers veröffentlicht: Dumbo. Basierend auf dem…
hnews 007ds
Daniel Craig wird als 007, der legendäre britische Geheimagent, zurückkehren. Und der mit dem Oscar® ausgezeichnete Regisseur Danny Boyle (Slumdog…
hnews 2019
2019 scheint gefühlt noch ziemlich weit weg zu sein, aber in Hollywood ist man schon jetzt damit beschäftigt, die nächsten Blockbuster zu…
hnews i5ds
Regisseur Steven Spielberg höchstpersönlich hat in seiner Dankesrede am 18.03.2018 bei den „Rakuten TV Empire Awards“ bestätigt, dass die…
hnews oscar2018
Die Oscars haben ihren 90. Geburtstag gefeiert. Und das politisch sehr korrekt und anfangs auch noch ziemlich unterhaltsam, doch dann wurde die…
bp mag header
Fans auf der ganzen Welt können Tom Cruise nun so nah sein wie nie zu vor, denn ab sofort betreibt er seinen ersten offiziellen Instagram-Channel…
hnews mm wof
Am 22. Januar 2018 ehrte die Handelskammer von Hollywood Disneys Minnie Maus offiziell mit einem Stern auf dem Hollywood „Walk of Fame“. Zu den…
hnews tdca
Was für eine Knaller-Besetzung! Wie das US-Branchenblatt "Variety" schreibt, soll Leonard DiCaprio im neuen Film von Quentin Tarantino mitspielen.…
gg018 mag header
Die Golden Globes 2018 waren so politisch wie noch nie zuvor. Fast alle Gäste trugen schwarz und einen "Time'sUp"-Anstecker. Damit zeigten sie sich…
hnews mdamon trauer
"Kent Damon hat den langen Kampf gegen den Krebs verloren!" Diese weniger erfreuliche Mitteilung veröffentlichte Matt Damon´s Pressesprecher…