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Nicht Ohne Eltern - Kinostart: 21.06.2018

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Die französische Komödie legte schon immer wenig Wert auf politische Korrektheit ...
 
... und kann es sich zudem nicht verkneifen, die Gepflogenheiten der Trikolor-Gesellschaft genüsslich aufs Korn zu nehmen. Auch „Nicht ohne Eltern“ reiht sich da ausnahmslos mit ein. Die Schlagfertigkeit eines „Ziemlich beste Freunde“ oder Roman Polanskis „Der Gott des Gemetzels“ erreicht die kurzweilige Verwechselungskomödie jedoch nicht, da die Pointen ziemlich im Sande verlaufen.
 
Ein Regisseur der klaut
 
Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Ehepaar Alain (Christian Clavert) und Laurence Prioux (Catherine Frot). Beide genießen ein Leben im Wohlstand, Alain ist erfolgreicher Betreiber eines gefragten Möbelhauses, und eigentlich ist alles bester Ordnung. Bei einem gemeinsamen Einkauf im Supermarkt begegnen sie jedoch einem seltsamen Fremden (gespielt von Regisseur Sébastien Thiery), der unverständliches Zeug redet und Alain zu kennen scheint. Dieser hat den Mann aber noch nie gesehen und will ihn nur schleunigst wieder loswerden. Der Fremde klaut Alain und Laurence schließlich auch noch ihren Einkauf und macht sich aus dem Staub, doch als die beiden nach Hause kommen, steht der merkwürdige Zeitgenosse unerwarteter Weise vor ihrer Tür, samt ihrer Einkäufe.
 
Es stellt sich heraus: Der Mann heißt Patrick, ist taub und offenbar der Sohn von Alain und Laurence. Wie kann das überhaupt sein? Ein Kind haben die beiden nie gezeugt. Schnell wirft Laurence ihrem Ehemann vor, sie betrogen zu haben. Das Chaos ist jedenfalls perfekt.
 
Alain und Laurence bilden auf den ersten Blick ein Vorzeigepaar. Schon lange sind die zwei glücklich verheiratet und es mangelt an nichts. Doch hinter der Fassade zeigt sich ein anderes Bild. In einer Szene liegen Alain und Laurence gemeinsam im Bett und sehen fern – auf zwei getrennten Fernsehern mit Kopfhörern wohlgemerkt. Alain erzählt davon sogar stolz seinem Freund Jean-François (Hervé Pierre), der immer wieder als Arzt mit Rat und Tat zur Seite steht, dabei jedoch stets in zu ihm unpassender schwarzen Motorradbekleidung auftaucht. In „Nicht ohne Eltern“ versteckt sich irgendwie hinter jeder Fassade ein gänzlich anderer Charakter.
 
 
Vorhersehbare Pointen, die nicht zünden
 
Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Geschäftsmann Alain, der amüsant cholerisch von Christian Clavert verkörpert wird (an den liebevollen Wutanfällen Claverts kann man sich im Originalton nicht satt sehen) und eigentlich nur sein recht biederes Leben führen will. Nun plötzlich eine Familie zu haben, verstört den bevorstehenden Frührentner, zumal Neusohn Patrick gleich noch seine Verlobte Sarah (Pascalle Arbillot) mitbringt, die blind ist und einen deutschen Schäferhund namens Schnell bei sich hat. Regisseur und Patrick-Darsteller Sébastien Thiery kreiert hier die denkbar chaotischste Situation und reizt jedes potenzielle Fiasko auch voll aus. Leider gestaltet sich das Ganze auch enorm vorhersehbar und nahezu jeder Witz verpufft auch gleich wieder.
 
Mal liegt das einfach an wenig gelungenen Pointen, die viel zu lapidar in den Raum geworfen werden: Hund Schnell etwa ist die ganze Zeit am Bellen und kann tatsächlich nur durch deutsches Sprechen beruhigt werden. Auf der anderen Seite verlaufen die Dialoge gerne Mal ins Nichts, bis der nächste Witz abgehakt wird. Auch die Figurenentwicklung gestaltet sich erschreckend überraschungslos. Natürlich gibt der spießige Alain irgendwann nach und erkennt den wahren Wert einer Famile – leider auch in einem ziemlich plumpen Moment, der in seiner Auflösung auch genauso hätte am Anfang geschehen können.
 
Zugriff findet man als distanzierter Beobachter auf das Geschehen nur selten, da einem Alain und Laurence nie wirklich nahe gehen. Ganz bewusst wird "Nicht ohne Eltern" mehr als Schaustellung inszeniert, an der man sich sorglos unbetroffen vergnügen darf. Das Ganze verkommt somit mehr zu einer Aneinanderreihung von Sketchen als zu einem wirklich emotionalen Familienfilm. Dabei wird die Geschichte dennoch quasi nach Lehrbuch strikt in drei Akte aufgeteilt, deren Wendungen ebenfalls minutengenau platziert werden. Das lässt sich angenehm unaufgeregt ansehen – verblüffen und begeistern kann der Klamauk im Einheitskorsett jedoch nie.
 
 
Fazit
 
Der Regiearbeit von Sébastien Thierry und Vincent Lobelle fehlt es an Substanz, Spaß haben kann man trotz der fehlenden Aussagekraft, die eine treffsichere Gesellschaftssatire benötigt hätte, dennoch.
 
Etwa, wenn Clavert als Alain gerade im Polizeirevier dafür Anzeige erstatten will, dass sein Wagen "geliehen" wurde. Vielleicht will "Nicht ohne Eltern" ja gar nicht mehr, als einfach für eine kurze Zeit für ein paar Lacher zu sorgen. In Erinnerung bleibt so ein durchschnittliches Einerlei dadurch jedoch nicht.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Alexander Friedrich
  • Regisseur: Vincent Lobelle
  • Drehbuch: Sébastien Thiery
  • Besetzung: Christian Clavier, Sébastien Thiéry
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