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Avengers: Infinity War - Kinostart: 26.04.2018

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Zu behaupten, dieser Film würde zu viel des Guten bieten, wäre eine Untertreibung.
 
Dieser Film bietet viel zu viel des Guten. Allzu viel. Und dann noch ein bisschen mehr. Und dann legt er noch was drauf. Und am Ende wäre weniger vielleicht mehr gewesen.
 
„Thanos kommt. Er kommt.“
 
Nachdem wir die verschiedenen Infinity-Steine nun in mittlerweile zehn verschiedenen Filmen zu sehen bekommen haben und nachdem der böse Thanos bereits vor einigen Jahren im Abspann von „The Avengers“ zum ersten Mal zu sehen war, ist es nun endlich so weit: Thanos kommt auf die Erde um alle Infinity-Steine zu sammeln und die Avengers stellen sich ihm entgegen. Aber so stimmt das tatsächlich ja gar nicht. Thanos kommt erst mal gar nicht auf die Erde. Er schickt seine Unterschurken. Er selbst sucht andere Infinity-Steine auf anderen Planeten.
 
Und ihm und seinen Helfern stellen sich auch nicht die Avengers entgegen, zumindest nicht alle. Thor verliert gleich zu Anfang einen Kampf gegen Thanos und ist dann den größten Teil des Films damit beschäftigt, sich einen neuen Hammer für den Rückkampf zu bauen. Iron-Man, Spider-Man und Dr. Strange bekämpfen zwei von Thanos‘ Schergen in New York und später an Bord eines Raumschiffes um dann einige, aber nicht alle, der Guardians of the Galaxy zu treffen. Derweil müssen sich Scarlett Witch und Vision in Schottland gegen weitere von Thanos Laufburschen wehren und bekommen dabei Hilfe von Captain America, Black Widow und Falcon.
 
Bruce Banner kommt aus dem Weltall zurück, hat aber Mühe zum Hulk zu werden. War Machine wartet inzwischen im Hauptquartier der Avengers auf die anderen. Und Bucky Barnes erholt sich in Wakanda als Gast des Black Panther. Alles klar? Nein? Überblick verloren? Macht nichts. Das wird nämlich auch nicht besser, wenn man den Film sieht.
 
„Es ist ein bißchen viel“
 
Schon vor „Avengers – Infintiy War“ musste man feststellen; die Ensemble-Filme sind nicht die besten Beiträge zur Serie. Der ausgewogenste Film ist immer noch „Captain America – The First Avenger“. Der witzigste war „Thor – Ragnarok“. Der coolste war „Ant-Man“ und der überraschendste war „Iron-Man 3“. Die Filme in denen alle Avengers zusammen auftreten, sind immer ein bisschen zu voll. Nun, „Avengers – Infintiy War“ ist ungefähr so voll wie eine U-Bahn in Tokio zur Stoßzeit.
 
Wir sehen eine der interessantesten und witzigsten Figuren des Marvel-Universums nach gerade mal 5 Minuten sterben (und selbst Thor vermutet, dass die Figur diesmal wohl tot bleiben wird). Wir sehen Bruce Banner, der während des ganzen Films kaum jemals zum Hulk wird. Wir sehen Vision für ungefähr zwei Minuten als Menschen. Wir erfahren, dass Tony Stark geheiratet hat. Wir sehen die Guardians of the Galaxy, die sich nach wenigen Minuten in zwei Gruppen trennen, nur damit Gamora sich dann kurze Zeit später wieder verabschieden muss. Black Widow hat eingesehen, dass es immer schon doof war, mit Pistolen auf Aliens zu schießen und schwingt nun einen Speer. Und Captain America trägt Bart, langes Haar und einen neuen Schild. Damit sieht er nun in praktisch jedem Film anders aus und erinnert so endgültig an die Entwicklungsstadien eines Pokemon. Irgendwo mittendrin hüpft auch der junge Peter Parker herum und ist wirklich witzig.
 
 
Leider sieht man von all den einzelnen Figuren immer viel zu wenig. So wird nichts was die Personen betrifft irgendwie erklärt, entwickelt oder nachvollziehbar gezeigt. Am Ende wirkt das Ganze wie ein Episodenfilm, der bloß sehr merkwürdig geschnitten ist. Handlungsstränge laufen hier nicht parallel, sondern komplett getrennt voneinander. Nach ihrem Kampf in New York sehen wir Spider-Man, Iron-Man und Dr. Strange fast eine Stunde lang nicht wieder. Als sie wieder auftauchen, können bei ihnen höchstens Minuten vergangen sein. Währenddessen sind die anderen Gruppen um die halbe Welt gereist, haben neue Schlachten geschlagen oder haben das Universum durchquert. Also warum haben die Filmemacher aus diesem neuen Beitrag zum Marvel-Universum eine Nummern-Revue statt eines Spielfilmes gemacht? Und kann das überhaupt funktionieren?
 
Avengers assemble
 
Vor 30 oder 40 Jahren war es üblich, billige Produktionen durch die Mitwirkung eines internationalen Stars aufzuwerten. Der hatte dann meistens nur wenige Szenen, und war in fast allen Einstellungen nur allein zu sehen. Auf die Art hatte der teure Star nur wenige Drehtage und war entsprechend halbwegs billig zu bekommen.
 
In „Wildgänse 2“ musste man bis wenige Minuten vor Ende des Films warten, um endlich Laurence Olivier zu sehen. In „Auf dem Highway ist die Hölle los – Teil 2“ war Frank Sinatra in keiner einzigen Einstellung mit einem seiner Co-Stars gemeinsam zu sehen. Nun was hat dieser filmhistorische Exkurs denn mit „Avengers – Infintiy War“ zu tun? Sagen wir mal so: die verschiedenen voneinander weitgehend getrennten Handlungsstränge führen dazu, dass keiner der vielen Stars, wie Robert Downey jr., Chris Hemsworth oder Chris Evans, insgesamt länger als zwanzig Minuten auf der Leinwand zu sehen ist. Bei Scarlett Johansson sind es tatsächlich keine zehn Minuten. Bei einer Gesamtdrehzeit von einem halben Jahr musste vermutlich keiner der Stars länger als einige Wochen zur Verfügung stehen. Und so spart eine ohnehin teure Produktion sehr viel Geld.
 
Kann so etwas funktionieren? Klar. Die Spezialeffekte sind – wie immer bei Marvel – von allerfeinster Qualität. Und der Film enthält praktisch keine Szenen ohne Spezialeffekte. Ständig fliegen Superhelden und/oder Raumschiffe auf uns zu. Ständig tauchen neue fremde Wesen auf. Ständig wird gekämpft. Action findet fast nonstop statt. Weniger einfallsreiche Kritiker bezeichnen Filme wie diesen gerne als „Action-Feuerwerk“. Und wie bei einem Feuerwerk ist das alles auch schön bunt und laut. Nach zweieinhalb Stunden ist man dann aber nicht unglücklich, wenn das Ganze endlich vorbei ist. Der Film war ohnehin nur der Auftakt zur Fortsetzung die 2019 rauskommen soll.
 
 
Fazit
 
Mehr Helden, mehr Action, mehr fremde Welten, …. mehr von vielem. Das bietet „Avengers – Infintiy War“. Das bedeutet zwar weniger Handlung, weniger Witz und die Charaktere bleiben auch ein bisschen auf der Strecke. Aber was soll’s, wenn alles so schön bunt und laut ist?
 
 
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  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Anthony Russo, Joe Russo
  • Drehbuch: Christopher Markus
  • Besetzung: Robert Downey Jr., Josh Brolin
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