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Die Nacht der Nächte - Kinostart: 05.04.2018

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In dieser Dokumentation erzählen vier Paare aus unterschiedlichen Kulturen ...
 
... über Glück, Liebe, Beziehungen und das Zusammenleben. Und wenn Menschen nach einem langen Leben ihre Geschichten erzählen, sollte man einfach zuhören.
 
Die Paare
 
Heinz sitzt neben seiner Hildegard und sagt: „Liebesgeschichten? Wat soll das? Ich hab einfach immer Glück gehabt. Wie beim Skatspielen. Hab ich auch immer Glück.“ Er wettet mit seiner Frau, sie hätte sicher 100 Paar Schuhe. Die Zählung ergibt aber nur 22 Paar. Hildegard ist sich nicht sicher, ob ihr Heinz weiß wo die Küche ist. Irgendwann meint sie, man müsse aus Beziehungen einfach das Beste für sich machen.
 
Kamala stammt aus einer der niedrigsten Kasten Indiens. Trotzdem hat sich Hampana vor fast 60 Jahren sofort in sie verliebt und wollte sie heiraten. Seine Familie hat die beiden terrorisiert, hat sogar dafür gesorgt, dass Kamala ihren Job verlor. Unter Tränen sagt sie: „Sogar jetzt verletzt es mich noch.“. Ihr Mann meint, er müsse dankbar sein, dass seine Familie keinen der beiden umgebracht hat. Trotzdem haben die beiden damals geheiratet. Nach all den Jahrzehnten klingt Hampana wie ein verliebter junger Bursche, wenn er von der Würde erzählt, die seine Frau ausstrahlte, von ihrer Hingabe an ihr Studium und von ihrer Schönheit. „Oh, she had a great body! Even today!“
 
Selbst als junges Mädchen, in Japan direkt nach dem zweiten Weltkrieg, hatte Shigeko keine romantischen Vorstellungen und Träume von der Ehe. Weil sie selbst Schneiderin werden wollte, hätte sie gerne den Sohn des Schneiders im Ort geheiratet. Aber die Eltern arrangierten eine Ehe mit einem Reisbauern. Bis zum Tag der Hochzeit hatte sie nicht mit dem schmächtigen Isao gesprochen. Über die Hochzeitsnacht sagt sie: „Es war einfach nur peinlich“ und erinnert sich gedacht zu haben, „Ach, muss ich das jetzt jeden Abend machen?“. Ihr Mann Isao war kaum besser auf die Ehe vorbereitet. Während des Interviews weint er bei der Erinnerung daran, wie das Paar während der ersten Jahre der Ehe nur gearbeitet und kaum miteinander gesprochen hat. Und trotzdem hat sich im Laufe der Jahre eine wunderbare, stille Liebe entwickelt.
 
Norman und Bill haben einander im Amerika der fünfziger Jahre auf einer Hochzeit kennengelernt. Gleich den nächsten Tag verbrachten sie zusammen im Museum of Modern Arts. Dann musste Bill für einige Monate nach Europa, schrieb Norman aber während der ganzen Zeit immer wieder Postkarten. Noch heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später, spürt man was diese Karten Norman immer noch bedeuten. Homosexualität war in den sechziger Jahren gesetzlich verboten. Und auch einige Jahrzehnte später gab es für die beiden Männer keine andere Möglichkeit der rechtlichen Absicherung, als einander zu adoptieren. Als Homosexuelle 2017 in ihrem Bundestaat endlich heiraten durften, schrieben die beiden Männer Rechtsgeschichte, als sie ihre Adoption auflösen ließen um, nach fast sechzig Jahren zusammen, endlich heiraten zu können.
 
Die Filmemacher
 
Mit „Almanya – Willkommen in Deutschland“ schufen die Samdereli-Schwestern eine der angenehmeren der vielen Kulturshock-Komödien der letzten Jahre. Laut Pressetext dauerte die Produktion ihres neuen Films vier Jahre. Allein die Recherche hat ein Jahr gedauert. In diesem Jahr haben die Filmemacher tatsächlich 4 (in Worten: vier) Paare gefunden, eines davon gleich in Deutschland. Und auch wenn Heinz und Hildegard sicher ein reizendes Pärchen sind, so ist ihre Geschichte ungefähr so interessant wie die meiner ehemaligen Schwiegereltern. Oder wie die der Eltern meines Kollegen. Und nicht ganz so interessant wie die meiner Tante und meines Onkels.
 
 
Und während Heinz und Hildegard die Art Pärchen sind, deren Geschichte man sich bei Kaffee und Kuchen gerne einmal, aber nicht unbedingt ein zweites Mal anhört, hätte man jedem der anderen drei Paare einen eigenen Film widmen können. Gerne hätten wir von Norman und Bill gehört, wie sie die langsame Entwicklung der Rechte und der Wahrnehmung Homosexueller in unserer Gesellschaft im Laufe der Jahrzehnte erlebt haben. Wir hätten gerne erfahren, ob es nicht demütigend war, als sich ein damals 61-jähriger von seinem 63-jährigen Partner adoptieren lassen musste, nur damit das Paar irgendwie rechtlich abgesichert war.
 
Und obwohl wir wissen, dass Kamala und Hampana beide studiert haben und wir sie in ihrer Wohnung sehen, deren Wände nur aus Büchern bestehen, erfahren wir nie, was die beiden studiert haben. Was für Berufe haben sie ausgeübt? Und wie war es für Kamala, sich teilweise mit der Familie ihres Mannes zu versöhnen, die doch so viel Leid über sie gebracht hatte? Und wenn Isao mit über achtzig Jahren auf die Terrassen seiner Reisfelder blickt, hätten wir gerne gewusst, was er heute in dem Berg sieht, der diesen kleinen starken Mann im Laufe der Jahre gebeugt und damit noch kleiner gemacht hat.
 
Die Knete
 
In Interviews äußern sich die beiden Filmemacherinnen begeistert über die von Izabela Plucinska gestalteten Knetanimationssequenzen. Allerdings erwähnen sie mit keinem Wort, wie sie auf die Idee kamen, ihr Film könnte diese nötig haben. Diese Szenen sind nicht bloß unnötig.
 
Sie stören den Film. „Mary & Max“ war sicher ein verkanntes Meisterwerk. Aber dort war die Knetanimation auch von hervorragender Qualität und hat eine Geschichte von poetischer Schönheit erzählt. Die Qualität der Animation hier ist bestenfalls bemüht. An einer Stelle sehen wir sogar einen Fingerabdruck im Gesicht einer der Figuren, der nach wenigen Einzelbildern wieder verschwindet. Ebenso plump wie die Animation ist die Handlung der dargestellten Szenen gestaltet. Das japanische Paar sitzt an einem langen Tisch weit auseinander. Das indische Paar reißt eine Mauer ein. Die Homosexuellen lassen mit ihrer Hochzeit die Höhle einfrieren. Wohl kaum eine Dokumentation hätte solche Szenen nötig. Und diese ganz sicher nicht.
 
 
Fazit
 
„Die Nacht der Nächte“ zeigt uns vier sehr unterschiedliche Paare am Ende ihrer Lebenswege. Der Charme dieser faszinierenden Menschen und ihre bewegenden Geschichten machen diesen Film absolut sehenswert.
 
 
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Weitere Informationen

  • Kritik-Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Yasemin Şamdereli, Nesrin Şamdereli
  • Drehbuch: Yasemin Şamdereli, Nesrin Şamdereli
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