deensvtr

Ready Player One - Kinostart: 05.04.2018

Artikel bewerten
(43 Stimmen)
Steven Spielberg präsentiert uns einen Film über Teenager im Jahr 2045 ...
 
... für Teenager im Jahr 2018 und füllt ihn mit Zitaten aus den 1980er-Jahren. Das funktioniert. Das funktioniert sogar sehr gut. Das funktioniert aber nur weil die Zuseher mit so unglaublich vielen Bildern überschüttet werden, dass für jeden etwas dabei ist.
 
Reality is a bummer
 
Wade Owen Watts weiß, im Jahr 2045 achtzehn Jahre alt zu sein, ist noch übler als 2018. Die Städte sind überbevölkert, die Weltwirtschaft ist endgültig den Bach runter gegangen, jeder ist verschuldet und die wenigen Menschen, die noch Jobs haben, werden ausgebeutet. Kein Wunder, dass nicht nur Wade, sondern praktisch die ganze Welt so viel Zeit als möglich in OASIS verbringt.
 
In dieser endlos wirkenden Multiplayer-VR hat der geniale Game-Designer James Donovan Halliday vor seinem Tod ein ganz besonderes Easter-Egg versteckt. Dem Finder winkt die alleinige Kontrolle über OASIS und damit über das wertvollste Unternehmen der ganzen Welt. Um dieses wertvolle Ei zu bekommen, muss man erst drei Schlüssel finden. Bisher scheiterte aber jeder Spieler bereits beim Versuch, den ersten Schlüssel in einem wilden Autorennen zu gewinnen. Und das obwohl unter anderem der Multinationale Konzern IOI immer wieder Horden eigener Profispieler ins Rennen schickt.
 
 
Auch Wade versucht es in Gestalt seines Avatars Parzival immer wieder. Bei einem der Rennen lernt er die geheimnisvolle Art3mis kennen und verliebt sich. Von ihr inspiriert, findet er den ersten entscheidenden Hinweis in Hallidays alten Aufzeichnungen und gewinnt den ersten der drei Schlüssel. Nun interessiert sich natürlich auch IOI für Parzival …
 
Steven Spielberg ist der Vater des Blockbuster-Kinos. Aber wie ein Nobelpreisträger zu sagen pflegte, „the times, they are a-changing“. Vor mehr als vierzig Jahren dauerte es in „Der weiße Hai“ gut anderthalb Stunden, bis wir endlich den Hai zu sehen bekamen. Vor über zwanzig Jahren musste man in „Jurassic Park“ eine Viertelstunde auf den ersten Dinosaurier warten. Aber 2018 will das Kinopublikum nicht mehr warten. Und anders als sein Held, gibt der Film daher von Anfang an Vollgas und blickt niemals zurück. Bei all den Zitaten aus den 80er-Jahren ist „Ready Player One“ eindeutig ein Film für Leute, die im 21. Jahrhundert zum ersten Mal im Kino waren.
 
Und weil mein erster Kinobesuch nun doch schon vierzig Jahre her ist, frage ich mich natürlich, ob Spielberg eigentlich klar war, wie viele visuelle Gags und Anspielungen seines Films vom größten Teil des Publikums einfach nicht wahrgenommen werden? Ein älterer Herr wie ich findet es natürlich witzig, wenn Parzival zum Rennen in Marty McFlys DeLorean antritt. Für den durchschnittlichen Teenager ist das aber gerade noch irgendwie ein cooles Auto.
 
Der Ford Falcon von Mad Max geht in der Startaufstellung praktisch unter. Und wenn einer von Parzivals Mitstreitern in Bandits Trans Am am Ziel ankommt, nimmt das nun wirklich niemand mehr zur Kenntnis. Bei der Szene, in der Parzival dann im Aufzug von Buckaroo Banzai zum ersten Date erscheint, habe ich selbst in den Gesichtern der versammelten Presseleute kein Zeichen des Wiedererkennens feststellen können. Im Film wird auch nie erklärt, warum 2045 die ganze Welt von der Popkultur der 1980er-Jahre besessen ist. Klar, das war das Lieblingsjahrzehnt des verstorbenen Game-Designers. Aber ich kenne jede Menge Leute, die elektronische Geräte nur benutzen, wenn ein angebissener Apfel drauf ist. Trotzdem geht die Verehrung für den Firmengründer nicht so weit, dass sie dauernd in Rollkragenpullovern rumlaufen.
 
 
Und noch etwas scheint Spielberg vergessen zu haben. Die sympathische Botschaft des Films ist ganz klar, wie wichtig das Team rund um den Helden ist. Wie konnten die Drehbuchautoren dann gerade diese Figuren praktisch links liegen lassen? Am Ende des Films haben wir gerade mal erfahren, wie die anderen Mitspieler aussehen, aber nicht mehr.
 
Auch in anderer Hinsicht haben sich die Drehbuchautoren nicht überanstrengt. Der Plot ist lächerlich. Als das Versteck der Truppe von den Schergen der IOI gestürmt wird, sorgt die Heldin Art3mis/Samantha selbst dafür, dass sie von Wade getrennt wird. Das ergibt zwar überhaupt keinen Sinn, aber nur so kann sie gefangen genommen und anschließend wieder gerettet werden.
 
Witzig ist auch, was man in den USA mit der Altersfreigabe „PG-13“ und bei uns „ab 12 Jahren“ bereits sechsjährigen in Begleitung Erwachsener zumuten darf. Ganze Sequenzen aus Stanley Kubricks „Shining“ werden nachgespielt. Dabei bekommen wir zwar noch viel mehr Blut zu sehen als im Original und verwesende Riesenzombies, die im Original gar nicht vorkamen. Aber der Anblick nackter Brüste wird den Schulkindern natürlich vorenthalten. Am Ende einer Sequenz, in der minutenlang darüber gesprochen wird, dass Art3mis in der VR eine künstliche Frau zu küssen hat um den nächsten Schlüssel zu bekommen, ist der Kuss dann natürlich nicht zu sehen. Wir merken uns; endlose Schießereien mit vollautomatischen Waffen, Familien die in Explosionen umkommen, moderne Sklavenhaltung und jede Menge Monster sind für Grundschulkinder durchaus geeignet. Bevor aber eine entblößte Brust zu sehen wäre oder ein weiblicher Avatar ein künstliches weibliches Wesen küssen sollte, steigen wir aus. Irgendwo muss man zum Schutz der Kinder schließlich eine Grenze ziehen.
 
Player One, Player Two, …
 
Tye Sheridan haben wir zuletzt als jungen Cyclops in „X-Men: Apocalypse“ gesehen. Er macht seinen Job gut, ist aber meistens ohnehin bloß als computeranimierter Avatar zu sehen.
 
Olivia Cooke war in „Limehouse Golem“ großartig und wirkt hier als Art3mis/Samantha ganz bezaubernd. Hätten die Drehbuchautoren ihr tatsächlich eine echte Rolle geschrieben, wäre ihre Leistung sicher noch besser gewesen.
 
Ben Mendelsohn, T.J. Miller und jede Menge junge Leute wirken auch noch in diesem Film mit. Da sie alle miteinander aber meistens ohnehin bloß als Pixelhaufen herumspringen, laufen, schießen und kämpfen, muss man darüber nicht viele Worte verlieren.
 
 
Fazit
 
„Ready Player One“ ist ein Film wie ein Computerspiel. Dauernd fliegt etwas in die Luft, springt etwas auf einen zu oder rast davon. Ununterbrochen passiert ganz viel ganz furchtbar schnell. Das alles ist hervorragend gemacht. Manch einer würde sich aber vielleicht wünschen, der Film hätte dazwischen mal den Fuß vom Gas genommen.
 
 
Unterstütze CinePreview.DE:
                                                                                                                                        
 
 

Ähnliche Kritiken

Assassination Nation - Kinostart: 15.11.2018 Regisseur und Autor Sam Levinson hat für seinen zweiten Spielfilm einfach ...   ... Arthur Millers „Hexenjagd“, „American Beauty“, „The Perks of Being a Wallflower“, „The Purge“ und „Sucker Punch“ in einen Mixer geschmissen, n...
Widows: Tödliche Witwen - Kinostart: 06.12.2018 Drei Frauen stellen sich dem kriminiellen Erbe ihrer Ehemänner.   Mal sehen, wie sie sich schlagen…   Opfer vs. Täter   Um in diesem perfiden Katz-und-Maus-Spiel nicht zu viel zu verraten, hier ein kurzer Überblick der Handlung. Harry Rawlings (Liam Neeso...
Gold 1988. Vor einigen Jahren hat die Washoe Mining Corporation aus Reno noch erfolgreich Bodenschätze ausgebeutet ...   ... und Kenny Wells (Matthew McConaughey) war ein eifriger Jungunternehmer. Jetzt ist die Firma, die sein Großvater gegründet und sein Vater groß gemacht...
Peppermint - Kinostart: 29.11.2018 Jennifer Garner räumt sie alle aus dem Weg: In ihrem Actioncomeback ...   ... auf der großen Leinwand nimmt es die frühere „Alias“-Darstellerin mit gefährlichen Gangstern und bestechlichen Justizvertretern auf. Das dumpfe Abfeiern ihres Rachefeldzuges ist a...

Weitere Informationen

  • Autor/in: Walter Hummer
  • Regisseur: Steven Spielberg
  • Drehbuch: Zak Penn
  • Besetzung: Tye Sheridan, Simon Pegg
wss hnews
Das erste Filmfoto von Oscar®-Gewinner Steven Spielbergs WEST SIDE STORY wurde veröffentlicht. Die Adaption des Original Broadway Musicals WEST SIDE…
traffikant hnews
"Der Trafikant": Bruno Ganz' letzter Film feiert seine Los Angeles Premiere auf dem Jüdischen Filmfestival Es sollte seine letzte Rolle werden: Bruno…
hnews pa bond25
Die James-Bond-Produzenten, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli, haben am 25. April 2019 angekündigt, dass die Dreharbeiten zum 25. offiziellen…
swc hnews
Greg Pak und Phil Noto werden ab Juli die monatliche Comic-Kernserie übernehmen. Auf der diesjährigen Star Wars Celebration wurden Details zu der…
os019 hnews header
Endlich wieder Glamour, endlich wieder Popcorn-Feeling, endlich wieder erfahren, welche Filme für die Academy besonders hervorgestochen sind – ja, es…
hnews gg019 header
In der Nacht zum 07. Januar 2019 fand in Los Angeles wie in jedem Jahr die Verleihung der „Golden Globes“ statt. Und das bereits zum 76. Mal.…
hnews moma
Bei einer Benefitzveranstaltung des Museum of Modern Art 2018 ehrten Robert De Niro, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Emily Mortimer und weitere Stars…
hnews joker
Nachdem Alec Baldwin letzten Monat den Cast verlassen hatte, übernimmt Brett Cullen die Rolle von Thomas Wayne im kommenden "Joker"-Film. Joaquin…
hnews hbfm18
Freddie Mercury, der legendäre Rocksänger der Siebziger und Achtziger Jahre, wurde heute vor zweiundsiebzig Jahren auf der Insel Sansibar (heute…
hnews tg2c
Jennifer Conelly soll neben Tom Cruise die weibliche Hauptrolle im "Top Gun" - Sequel spielen, welches 2019 in die Kinos kommen wird. Und zwar eine…
hnews dumbo tburton
Diese Woche hat Disney den Teaser-Trailer für seine neueste Live-Action-Adaption eines animierten Klassikers veröffentlicht: Dumbo. Basierend auf dem…
hnews 007ds
Daniel Craig wird als 007, der legendäre britische Geheimagent, zurückkehren. Und der mit dem Oscar® ausgezeichnete Regisseur Danny Boyle (Slumdog…
hnews 2019
2019 scheint gefühlt noch ziemlich weit weg zu sein, aber in Hollywood ist man schon jetzt damit beschäftigt, die nächsten Blockbuster zu…
hnews i5ds
Regisseur Steven Spielberg höchstpersönlich hat in seiner Dankesrede am 18.03.2018 bei den „Rakuten TV Empire Awards“ bestätigt, dass die…
hnews oscar2018
Die Oscars haben ihren 90. Geburtstag gefeiert. Und das politisch sehr korrekt und anfangs auch noch ziemlich unterhaltsam, doch dann wurde die…